Interview

Bödefelder will Korn wieder gesellschaftsfähig machen

Tobias Völlmecke aus Bödefeld ist Mitgründer des Unternehmens „Kornsortium Distillers“ in Hamburg. Er kommt regelmäßig zurück in die Heimat nach Bödefeld. Im Gepäck hat er dann „Krawall-Korn“ 

Tobias Völlmecke aus Bödefeld ist Mitgründer des Unternehmens „Kornsortium Distillers“ in Hamburg. Er kommt regelmäßig zurück in die Heimat nach Bödefeld. Im Gepäck hat er dann „Krawall-Korn“ 

Foto: Tobias Völlmecke

Bödefeld/Hamburg.   Tobias Völlmecke aus Bödefeld hat mit drei Freunden ein Unternehmen in Hamburg gegründet. Ihr Ziel: Krawall im Glas - und nicht im Kopf.

Vier Hamburger Jungs mit einem Ziel: Krawall im Glas - und nicht im Kopf. Korn soll wieder gesellschaftsfähig werden, und lecker. Deswegen gibt es seit August 2018 das Unternehmen Kornsortium Distillers mit dem ersten Produkt Krawall-Korn in Hamburg.

Einer der vier Gründer ist Tobias Völlmecke aus Bödefeld - im Sauerland von allen Tommec genannt. Für seinen Traumberuf zog er nach Hamburg, kommt aber regelmäßig in die Heimat. Im Gepäck hat er dann eine Flasche Krawall.

Von Bödefeld nach Hamburg und ein eigenes Unternehmen an den Start bringen - wie kam es dazu?

Tobias Völlmecke: Ich habe Grafikdesign an der Fachhochschule in Münster studiert, vorher habe ich eine Lehre zum Schlosser gemacht und danach als Kunstschmied gearbeitet. Dann bin ich schnell in die Kreativ-Branche eingestiegen, bei einer großen Werbeagentur. Da bin ich aber nicht geblieben.

Wieso nicht? War es nicht krawallig genug?

Ich habe schnell gemerkt, dass ich in so einem großen Unternehmen nicht glücklich werde. Also habe ich mich 2008 als Artdirector und Grafikdesigner selbstständig gemacht und arbeite jetzt als Freiberufler.

Und dann haben Sie viel Korn getrunken - oder wie ist es zu dem neuen Unternehmen gekommen?

Ein guter Kumpel von mir wollte schon immer gerne seinen eigenen Korn machen, das Getränk ist im Norden sehr gefragt. Ich dachte erst, dass das etwas schwierig werden könnte, weil Korn bei vielen eher als „Penner-Getränk“ gilt.

Dann haben wir es aber doch gemacht, mit noch zwei anderen Jungs, die sich super auf dem Gebiet auskennen. Wir wollen Korn wieder gesellschaftsfähig machen, beziehungsweise sein Image in den Köpfen der Leute verbessern.

Und der Name? Wie kam es dazu?

Den habe ich mir überlegt. Wir haben in der Jugend auch mal Korn getrunken, das war damals die absolute „Krawall-Brause“.

So bin ich dann auch auf den Namen gekommen. Aber unser Korn soll eigentlich genau das Gegenteil bewirken, man soll sich zurücklehnen und entspannen, eben alles Unkrawallige.

Deswegen auch das Faultier auf der Verpackung?

Das ist Kornrad. Er verkörpert alles, was wir geschmacklich und genusstechnisch mit einem guten Korn verbinden: Entspannung, Ausgeglichenheit und Entschleunigung. Wir finden es echt schade, dass Korn so ein schlechtes Image hat, es ist ein urdeutsches Produkt, der älteste deutsche Schnaps.

An der Zusammensetzung unseres Getränks haben wir lange getüftelt, bestimmt ein Jahr lang. Das Ziel: Es sollte möglichst wenig nach konventionellen Korn schmecken, sondern eher mild sein und einen sanften Eigengeschmack haben, eine gute Wodka-Alternative.

Außerdem sollte unser Korn besonders Katerfreundlich sein.

Vermissen Sie denn in Hamburg etwas aus dem Sauerland?

Generell finde ich die Großstadt viel zu hektisch. Ich bin eher ein entspannter Typ, der gerne wandern geht oder an die Ostsee fährt.

Ich hatte eine tolle Jugend auf dem Land, das wollte ich auch für mein eigenes Kind - deswegen sind wir wieder aus der Großstadt aufs Hamburger Umland in Schleswig Holstein rausgezogen.

Und zurück ins Sauerland?

Wenn ich die Chance hätte, hier auf dem gleichen Niveau in der Kreativ-Branche zu arbeiten, dann würde ich vielleicht auch überlegen, zurück in die Heimat zu kommen. Aktuell ist das aber keine Alternative.

Geht es denn oft zurück in die Heimat - zum Beispiels fürs Bödefelder Schützenfest?

Eigentlich bin ich immer zum Schützenfest hier, oder um meine Freunde und Familie zu treffen. Ich habe auch noch einige Kunden im Sauerland, da bin ich dann auch öfter.

Mein bester Freund lebt in New York, hin und wieder kommt auch er nach Hause ins Sauerland, dann versuche ich auch immer zu kommen. Das einzige was mir auffällt: Hier gibt es viel zu wenige Angebote für junge Leute, da müsste man echt mal was dran ändern.

Gibt’s Krawall-Korn denn bald auch im Sauerland zu kaufen?

Da arbeiten wir schon dran. Bei Bödefeld delikat waren schon einige Flaschen von uns ausgestellt zum Probieren. Das kam gut an. Über die positive Resonanz sind wir generell überrascht.

Und wie geht’s in Zukunft weiter?

Ich habe auch noch viel mit meinem Hauptberuf zu tun, das darf man natürlich auch nicht schleifen lassen. Aber Krawall-Korn ist unser Baby. Die Arbeit macht uns viel Spaß, wir wollen uns alle richtig reinhängen, damit wir uns eine kleine Firma aufbauen können - wir arbeiten auch schon an weiteren Schnaps-Ideen, denn davon haben wir noch reichlich.

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