Tattoo-Serie

Dany Münker betreibt in Müsen das „Whispering Colors“

Tätowiererin Dany Münker legt viel Wert auf eine angenehme Atmosphäre. Die 37-Jährige arbeitet im Elternhaus ihres Mannes – in der Küche.

Foto: privat

Tätowiererin Dany Münker legt viel Wert auf eine angenehme Atmosphäre. Die 37-Jährige arbeitet im Elternhaus ihres Mannes – in der Küche. Foto: privat

Müsen.  Vom Abziehtattoo zum eigenen Studio – die Tätowiererin erzählt von Vorurteilen, Trends und einer besonderen Beziehung zu ihren Kunden.

Es ist Karneval. Ihre Eltern richten eine Party aus. Einige Gäste sind als Rocker verkleidet. Mit bunten Abziehtattoos am ganzen Körper und Klamotten aus schwarzem Leder. Nach der Party wird die kleine Dany Münker ihrer Mutter mit der ehrlichen Ernsthaftigkeit eines Kindes verkünden: „Wenn ich groß bin, will ich auch mal einen Nasenring und Tattoos haben.“

„Das war meine erste bewusste Wahrnehmung von bunten Bildern auf der Haut“, sagt die 37-jährige Dany Münker heute. In Müsen betreibt sie seit mehr als sieben Jahren das Tattoostudio „Whispering Colors“. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt sie von Vorurteilen, Trends und einer besonderen Beziehung zu ihren Kunden.

Studio

Verzierte Gläser voller bunter Bonbons, ein pinkfarbenes Geweih an der Wand und samtige Kinosessel als Sitzgelegenheit: Wer das kleine Studio in dem Müsener Wohnhaus betritt, fühlt sich gleich wohl. „Ich möchte Leute glücklich machen“, sagt Dany Münker. Und das beginne eben mit der richtigen Atmosphäre. Im Elternhaus ihres Mannes hat die 37-Jährige aus dem, was einst die Küche war, ein buntes Tattooparadies gemacht.

Wer die Hauptstraße in Müsen passiert, dem fällt auch von außen gleich auf, dass hinter der Hausfassade etwas Ungewöhnliches schlummert: In großen, geschwungenen lila Lettern prangen auf der Wand die Worte „Zufallsfreie Zone“. „Man landet hier mit Absicht“, erklärt Dany Münker.

Beratung

„In meiner Beratung bin ich recht gnadenlos“, sagt die Tätowiererin. Der Wunsch nach einem Tattoo müsse überzeugend genug sein, um das ganze Leben zu bestehen. „Im Prinzip ist eine Tätowierung ein Luxusgut. Und dabei ist es wichtig, dass man von diesem Luxus überzeugt ist.“ Gemeinsam mit ihren Kunden arbeitet Dany Münker Ideen aus, denkt sie weiter und entwickelt Darstellungsmöglichkeiten.

Dabei gilt: „Ich mache nur, womit beide sich wohlfühlen.“ Jeder Mensch, jede Haut sei eine neue Herausforderung. „Ich bin auch keinem Kunden böse, wenn er mal woanders hingeht“, sagt Münker. Weniger Konkurrenz unter den Studios würde sie sich wünschen.

„Man kann ja noch voneinander lernen.“ Beim Verhältnis zu ihren Kunden ist der 37-Jährigen vor allem Authentizität wichtig. „Es ist mir ein Anliegen geworden, keine Rolle spielen zu müssen. Wenn also im Tätowierungsprozess mal eine Träne fließt, dann ist das okay. Das gilt für beide Seiten“, betont Dany Münker.

Trends

„Eigentlich sind Tätowierungen mit der Entwicklung der Menschheit entstanden“, so Münker. Als Talismane oder Schutzsymbole hätten die visuellen Körpermale schon früh eine Bedeutung für ihren Träger gehabt. Mittlerweile seien die Kundenwünsche auch von Trends beeinflusst. „Wir werden mit Milliarden Eindrücken von Tätowierungen überflutet“, sagt Dany Münker.

Während die bunten Bilder auf der Haut vor dem Internetzeitalter etwas mit Rebellion zu tun gehabt hätten, seien sie jetzt salonfähiger.

„Ich kann mich für ein Tattoo entscheiden, auch wenn ich einen konservativeren Job habe“, sagt die Tätowiererin. Neben Federn, Unendlichkeitszeichen oder kleinen Vögeln sei momentan die Aquarelltechnik beliebt. „Die ist schön, weil man mit den Farbverläufen so frei ist“, so Dany Münker.

Vorurteile

Immer wieder begegne sie Menschen, die angesichts von Tattoos die Nase rümpfen würden, sagt die 37-Jährige. „Diese Form der Körpermodifizierung wird als fremdartig empfunden. So im Sinne von: Das entspricht nicht der Natur, deshalb ist es nicht richtig.“

Auch mit bestimmten Personengruppen oder Eigenschaften würden Tätowierungen verknüpft. „Früher hatten viele Seefahrer Tattoos und Randgruppen aus dem Rotlichtmilieu oder eben Rockstars. Alle galten sie als Rebellen“, sagt Dany Münker. „Deshalb hält sich heute noch das Vorurteil, dass jemand, der tätowiert ist, ein Rebell sein muss.“ Insgesamt würden die Vorurteile aber zurückgehen und einer wachsenden Neugierde weichen.

„Im Sommer beim Blumenkaufen hat mich mal ein älterer Herr gefragt: ‚Tut das nicht unheimlich weh?’“, erzählt Dany Münker. „Oder im Hallenbad: Ich betrachte die Leute, die gucken, nicht als Gaffer, sondern als Interessenten. Man sollte die Leute viel öfter hinter die Kulissen blicken lassen und ruhig mal stehen bleiben, damit sie den Spruch auf dem Bein lesen können.“

Um Vorurteilen vorzubeugen sei auch entscheidend, mit welchem Selbstverständnis man seine Tattoos trage.

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