Ausstellung

Sauerland-Museum Arnsberg will Gedächtnis der Region sein

Mit einer Ausstellung zur Eiszeit verabschiedet sich Dr. Jürgen Schulte-Hobein als Direktor des Sauerland-Museums  in Arnsberg. Foto Jakob Studnar

Mit einer Ausstellung zur Eiszeit verabschiedet sich Dr. Jürgen Schulte-Hobein als Direktor des Sauerland-Museums in Arnsberg. Foto Jakob Studnar

Arnsberg.  Museumsleiter Jürgen Schulte-Hobein zieht in Arnsberg Bilanz: Weg vom Vitrinen-Denken

Der Mies van der Rohe-Award ist der offiziellen Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur. Deutschland darf sieben Nominierungen einreichen. Das Sauerland-Museum in Arnsberg gehört dazu. Das ist nur ein Grund, warum Dr. Jürgen Schulte-Hobein weiß, dass er vieles richtig gemacht hat. Als Museumsdirektor hat sich der 65-Jährige für den Neubau am historischen Landsberger Hof in der Arnsberger Altstadt engagiert. Deshalb kann er jetzt zum Ruhestand zufrieden Bilanz ziehen: „Ich gehe mit dem Gefühl, vom ersten Tag an dabei gewesen zu sein, ein neues Museum zu entwickeln und zu konzipieren. Aber ich gehe auch mit großer Wehmut, weil ich mein Hobby zum Beruf machen und mit einem wunderbaren Team arbeiten durfte.“

Als Schulte-Hobein vor 21 Jahren die Leitung des Sauerland-Museums übernahm, war das Haus im Prinzip eine bessere Heimatstube mit 7000 Besuchern im Jahr, ohne Museumspädagogik, ohne Café. „Wir wollten weg vom Vitrinen-Denken und hin zu inszenierten Ausstellungen“, beschreibt der Arnsberger seine Vision. Bereits im Altbau, dem historischen Stadtpalais von 1605, hat der promovierte Historiker große Themen zur Geschichte des kurkölnischen Sauerlandes entwickelt, zur Säkularisation und zu dem Maler Engelbert Seibertz. „Aber meine emotionalste Ausstellung war die zu dem Gefängnisseelsorger Franz Stock.“

Der Neubau war kein einfacher Prozess

Schnell war klar, dass sich etwas ändern muss im beschaulichen Landsberger Hof, mit Blick auf die verwinkelten Räume, aber vor allem hinsichtlich der Besucherzahlen. „Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn wir hier noch mehr machen wollen, dann reicht eine Neukonzeption der Dauerausstellung nicht aus. Der Neubau war ein langer und kein einfacher Prozess.“

Kunstausstellungen sollen im neuen Sauerland-Museum mit kulturhistorischen Präsentationen wechseln. „Die grundsätzliche Ausrichtung ist historisch. Wir sind das Museum für das ehemalige Herzogtum Westfalen. Wir wollen beide Felder abdecken. Wichtig ist, dass die überregionalen Themen jeweils mit einem regionalen Bezug verankert werden.“ Außerdem soll das Programm möglichst breite Besucherschichten ansprechen, Familien, Schulklassen, Kunstfreunde und Geschichtsinteressierte.

30.000 Besucher bei Macke

Die Macke-Ausstellung zur Eröffnung 2019 verdeutlicht dieses Ziel. Mehr als 30.000 Besucher sind zu dem großen Expressionisten gekommen, ein Weltkünstler, der in Meschede geboren wurde. Die Macke-Forschung profitiert heute von den Recherchen der Arnsberger. „Wir haben uns intensiv mit der Biographie beschäftigt. Taufbuch und Geburtsurkunde waren erstmals überhaupt in einer Ausstellung zu sehen. Dabei haben wir recherchiert, dass Mackes mütterliche Vorfahren seit Generationen im Sauerland in Eversberg verwurzelt sind. Das war gar nicht bekannt.“

Derzeit warten spektakuläre Eiszeit-Szenarien auf ihre coronabedingt verschobene Eröffnung. In der kommenden Ausstellung erfahren die Besucher unter anderem, wie die Eiszeit bis heute Spuren in Südwestfalen hinterlassen hat. Schulte-Hobein: „Wir haben die Aufgabe, zu sammeln, zu bewahren und zu präsentieren. Öffentlichkeitswirksam ist nur das Ausstellen, aber das Museum ist das Gedächtnis der Region.“

HSK-Landrat Dr. Karl Schneider lässt den Museumsdirektor nicht gerne ziehen. „Er hat es immer verstanden, Ausstellungen zu konzipieren, die ein breites Publikum angesprochen haben. Er war der Impuls- und Ideengeber für das neue Museum, so wie es heute ist, das trägt seine Handschrift. Und er hat mit der Macke-Ausstellung gezeigt, dass das neue Museum mit überregionalem Echo Themen bespielen kann, die man nicht im Sauerland erwarten würde.“

Expressionisten und Hexen

In den nächsten Jahren wird das Museum noch die Handschrift seines Direktors im Ruhestand tragen, denn die Themen sind bereits gesetzt; eine Ausstellung hat mindestens zwei Jahre Vorlaufzeit. Schulte-Hobein verrät, was auf das Publikum zukommt. „An den Erfolg der Macke-Ausstellung möchten wir mit einer großen Schau über rheinische und westfälische Expressionisten anknüpfen, darauf kann man sich freuen. Solche hochkarätigen Kunstprojekte sollen eine Konstante im Profil des Hauses bleiben.“

Anschließend wird eine Präsentation zum Thema Hexenverfolgung in Westfalen aufgebaut. Familien sowie Schulen dürfen danach bei „Burgen und Ritter“ auf Zeitreise gehen. Jürgen Schulte-Hobein: „Wir zeigen große Themen, aber immer mit regionaler Komponente. Wir haben ja auch den Auftrag, unsere eigene Geschichte zu erforschen.“

Die Ausstellung „ Eiszeit. Leben im Extrem “ wartet im Sauerland-Museum aufgebaut auf Besucher. Das Museum hofft wie alle Kultureinrichtungen, im Dezember wieder öffnen zu dürfen.

Das Museums- und Kulturforum Südwestfalen ist ein Regionale-Projekt. Die Architektur von Bez + Kock hat die Auszeichnung „Vorbildliche Bauten NRW“ erhalten. www.sauerland-museum.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben