Fortsetzungskrimi

Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 8

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Foto: HSK

Schulthof ließ seine Gedanken noch einmal zum gestrigen Abend kurz vorm Einschlafen beim Schinkenwirt zurückschweifen.

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Was er bis jetzt in diesem Fall gesehen und gehört hatte, ließ Zweifel in ihm wachsen. Waren wirklich Gangster am Werk – Diebstahl und Lösegeldforderung? Nur 5000 Euro Lösegeld für die jahrhundertealte „Schwarze Hand“ von Bödefeld. Will ihn jemand mit der ganzen Geschichte auf den Arm nehmen, wissend, dass er als freier Schreiber auf jeden Auftrag angewiesen ist. Aber wer?

Sein Freund, der Kommissar? Nein, der sicher nicht, er ist schließlich sein ältester Kumpel.

Oder sonst ein Informant? Oder war das Ganze nur ein Reklamegag, um das Thema touristisch wieder interessant zu machen? Wer stiehlt aus einer Kirche schon die mumifizierte rechte Hand eines Mädchens, die bei der Erbauung der Kirche im Jahre 1722 gefunden wurde und um die sich mehrere Legenden ranken?

Ja, so kann es sein, ein Reklamegag. Bödefeld gehört zu Schmallenberg. Und die Schmallenberger Touristiker sprechen doch laufend als Reklamegag vom Schmallenberger Sauerland. Schulthof hat das nie verstanden. Als Sauerländer hat er früher mal ein paar Jahre im Allgäu gearbeitet. Dort spricht man doch auch nicht vom Füssener Allgäu, vom Isnyer Allgäu oder vom Oberstdorfer Allgäu. Müssen denn jetzt hier eigentlich auch die anderen 11 Städte und Gemeinden im Hochsauerlandkreis ihr eigenes Sauerland haben, so wie die Schmallenberger? Aber noch vor dem Einschlafen verwarf er seine zweifelnden Gedanken.

Auf dem Borberg tut sich in diesem Kriminalfall heute Morgen nichts. Keine Schwarze Hand, keine Lösegeldübergabe. Der Borberg, beliebtes Wanderziel der Briloner und Olsberger, auf Briloner Stadtgebiet gelegen, ist ein geschichtsträchtiges Stück Erde. Die Borbergterrassen mit ihren Wällen, Gräben und Hügeln faszinieren die Besucher immer wieder. Die ältesten Erdwälle stammen aus der Zeit von Christi Geburt. Auf dem höchsten Punkt von 670 Metern befindet sich die Friedenskapelle. Über den Borberg verläuft der bekannte Wanderweg Rothaarsteig, der einen grandiosen Ausblick auf Olsberg und Bigge bietet.

Wo um Gottes Willen sollte er nur weiter suchen? Im Briloner Wald war das unmöglich. Schließlich nennen die Briloner 7750 Hektar oder 77,5 Quadratkilometer Stadtwald ihr Eigen und sind damit die größte Wald besitzende Kommune Deutschlands. Wo anfangen und wo aufhören? Aber in der Stadt, da würde er weiterkommen. Die Briloner haben doch im Sommer das „Stadtmuseum Haus Hövener“, getragen durch die Stiftung Briloner Eisenberg und Gewerke, eröffnet. Hier sind die Expertinnen und Experten für Geschichte und für Exponate, die sich auszustellen lohnen.

Die Polizeibeamten der Wache Brilon nahmen ihn und Kripomann Wendler mit in die Stadt. Wo er sein altes Auto abgestellt hatte, und auch das geliehene E-Bike, hatte er fast vergessen. In Brilon besuchte er erstmal inkognito das Museum. Musste ja nicht gleich jeder erfahren, was er suchte.

Er war überwältigt. Ein Museum mit insgesamt 24 Räumen, die sich auf 1150 Quadratmeter verteilen. Im Kellergeschoss besichtigt er den Iguanodon, dessen Knochen 1978 in einem Steinbruch bei Nehden gefunden wurden und dessen Skelett zu Demonstrationszwecken mit einer Dermoplastikhaut überzogen wurde.

Im interaktiven Stadtmodell werden mehrere hundert Jahre Briloner Stadtgeschichte dokumentiert. In diesem Umfang ist es in Deutschland einmalig und stellt eines der wichtigsten Exponate dar. Das Sauerland war in früherer Montanvergangenheit eine blühende Industrie- und Handelsregion. Das ist genauso dokumentiert wie der Kaltspatbergbau und die Bleiverhüttung und der Ofenkunstguss. Und auch Brilon als Stadt mit einer Glockengießerei und die historische Waldnutzung werden demonstriert.

Das Museum faszinierte ihn. Über allem hatte er fast vergessen, was er hier wollte. Er wollte eine Spur der gestohlenen Schwarzen Hand. Aber auch vorsichtiges und danach intensiveres Nachfragen bei den Damen im Museumsdienst brachten keine neuen Erkenntnisse.

Guter Rat ist teuer. Da fällt ihm im Informationsständer des Briloner Museums ein Prospekt in die Hand, der ihn sofort aufmerken lässt.

Brilons Nachbarstadt Marsberg hat mit Hilfe eines Fördervereins einen Teil des alten Klosters Bredelar restauriert. Vielleicht gibt es da ein Anpackende. Also per Anhalter von Brilon nach Bestwig zurück und mit dem eigenen, wenn auch altersschwachen Golf nach Bredelar.

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