Wirtschaft

Das Hotel 4.0 nimmt weiter Fahrt auf

Ein Saugroboter reinigt selbstständig ein zimmer im Familotel Ebbinghof im Sauerland. Ein Versuch, der aus  Personalnot geboren wurde und sich bewährt hat.

Ein Saugroboter reinigt selbstständig ein zimmer im Familotel Ebbinghof im Sauerland. Ein Versuch, der aus Personalnot geboren wurde und sich bewährt hat.

Foto: Lukas Schulze

Schmallenberg.   Die Digitalisierung hält weiter Einzug in die Hotelbranche und hilft mitunter auch dort, wo Fachkräfte fehlen.

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Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch ins Hotelzimmer. Die Branche gehört mit ihren zahlreichen Buchungsportalen ohnehin zu den Pionieren bei der Nutzung digitaler Techniken. Mittlerweile nimmt das Thema Hotel 4.0 aber weiter Fahrt auf – zum Beispiel in Form von Saugrobotern wie im Familotel Ebbinghof im malerischen Sauerland.

Die Skepsis ist verflogen

„Meine Chefin des Housekeepings war erst sehr skeptisch als wir ,Robert’ angeschafft haben“, sagt Daniela Tigges, Inhaberin und Chefin des auf Familien mit Kindern besonders spezialisierten Hotels in der Ortschaft Ebbinghof-Schmallenberg. Seit ein paar Monaten dreht „Robert“ in den Zimmern im Familotel seine Runden, während die Abteilung

„Housekeeping“ sich um andere Aufgaben kümmern kann. Auslöser für den Test mit einem Saugroboter war für Daniela Tigges letztlich die vergebliche Suche nach einer Fachkraft in der Abteilung. Als „Housekeeping“ werden in der Branche die Arbeiten bezeichnet, die sich darum drehen, dass alles akkurat ist. Das reicht von der Reinigung der Zimmer, Flure und Foyers, über die Kontrolle der Dienstbekleidung bis zur Nachschub-Versorgung – vom Seifenspender bis zur Minibar. In einigen Häusern fällt auch die Gestaltung des Dienstplanes in dieses Aufgabengebiet.

Im sauerländischen Familotel läuft das ganz modern über eine App. „Es ist eine Art Facebook für die Belegschaft“, sagt Tigges. Bis auf zwei der 70 Beschäftigten haben alle ein Smartphone mit dieser speziell für Hotelzwecke entwickelten Software darauf. „Dienstplanung ist im Hotel wirklich spannend, weil wir keine 5-, sondern eine 7-Tage-Woche haben mit Arbeitszeiten von 5.45 bis 23 Uhr“, beschreibt die Hoteliersfrau die Kniffeligkeit. Die App sei hier eine enorme Erleichterung. Ist eine Schicht frei, können Beschäftigte sich über die App darauf bewerben. Stimmt die Ruhezeit von einem auf den anderen Tag nicht mit dem Arbeitszeitgesetz überein, zeigt die App „rot“. Die Abteilungsleiter entlaste dieses Tool bei der Planung.

All dies nützt nichts, wenn sich partout niemand auf eine Stelle im Housekeeping bewirbt. In Schmallenberg liegt die Arbeitslosenquote regelmäßig um drei Prozent. Das bedeutet Vollbeschäftigung. Fachkräfte im Hotel- und Gaststättengewerbe sind ohnehin rar.

Für den kleinen Saugroboter, der beim Start Geräusche wie ein Düsenjet von sich gibt, wurde also kein Arbeitsplatz abgebaut. „Robert“ hat sich bewährt. Im Frühjahr beginnt im Hotel ein größerer Umbau, ein Seitentrakt wird abgerissen, auch Außenanlagen neu gestaltet. „Der Umbau wird jetzt roboterfreundlich gedacht“, sagt Daniela Tigges. Bis hin zum Mähroboter, was nicht unproblematisch ist. Zwar kann der leise seine Runden drehen und stört niemanden – im Gegensatz zum Aufsitzmäher, der bislang zum Einsatz kam –, allerdings ist diese Aufgabe die Passion des 70-jährigen Seniorchefs. Hier gibt es noch Gesprächsbedarf.

Gastronomie hinkt hinterher

Aus Sicht des Hotel-und Gaststättenverbandes Dehoga kann die Digitalisierung in der Branche Prozesse vereinfachen und zum Teil auch Fachkräftemangel kompensieren. Der persönliche Kontakt werde aber weiter eine große Rolle spielen. „Da, wo Kundenkontakt besteht, wollen wir als Mensch beim Gast sein“, sagt Thorsten Hellwig, Sprecher von Dehoga-NRW. Als problematisch betrachtet Dehoga die Entwicklung durch Plattformen wie „Airbnb“, also die Vermittlung von Privatzimmern, die aus Sicht des Verbandes mitunter gar keine privaten Zimmer mehr sind. „Wenn Wohnungen nur noch vermietet werden, dann müssen dort auch die Standards wie in der regulären Hotelbranche gelten, etwa beim Brandschutz oder der Hygiene“, fordert Hellweg. Dehoga hat jüngst sogar eigens eine App entwickeln lassen, die Qualitätsstandards in Hotels und Gastronomie sichern soll. „Q4me“ passt auf, dass Kühlketten oder Hygienevorschriften eingehalten werden. Statt im Aktenordner liegen die Nachweise in einer „Cloud“, also als Datei auf einem zentralen Server. „Die Gastronomie ist noch weit hinter der Hotelerie beim Thema Digitalisierung“, sagt Hellwig. Auf Dauer werden es sich aber weder die einen noch die anderen leisten können, analog zu bleiben, glaubt der Branchenexperte.

NGG wünscht Kombination aus Mensch und Technik

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will diese Entwicklung aufhalten, noch könnte sie es. „Eine Kombination aus Mensch und Technik ist wünschenswert“ findet Isabell Mura, NGG-Chefin für Südwestfalen, die sich im Projekt „Arbeit 2020“ mit dem Thema beschäftigt. „Bei Arbeit 2020 ist die Qualifikation von Beschäftigten ein großes Thema, aber auch die Regelung von Arbeitszeiten“, so Mura. Heim arbeit etwa könne eine Entlastung, aber auch entgrenzend sein. „Man muss hier jeden Betrieb im Einzelnen sehen.“ Von menschenleeren Rezeptionen oder Roboterhotels hält Mura nicht viel.

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Das ist aber auch nicht der Weg, den Daniela Tigges im Familotel Ebbinghof einschlagen möchte. „Wir haben hier sogar eine Ebbinghof-Ausbildungsakademie“, erklärt die junge Unternehmerin. Und über die App verständigt sich das Team auch darüber, wann es sich das nächste Mal zum Pizzaessen trifft – dann ohne „Robert“.

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