Sternsinger

„Das Sternsingen ist nach wie vor sehr zeitgemäß“

In diesen Tagen schellen Sternsinger im gesamten Bundesgebiet an den Haustüren.

In diesen Tagen schellen Sternsinger im gesamten Bundesgebiet an den Haustüren.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Hagen.  Dirk Bingener, Präsident des Kindermissionswerks, über die Ansprache von jungen Leuten, Spendenbereitschaft und Termine bei der Kanzlerin.

Das Sternsingen ist dem Kindermissionswerk zufolge die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit. In diesen Tagen schellen die Sternsinger wieder an Haustüren und bitten um Spenden. „Frieden! Im Libanon und weltweit“ ist das aktuelle Motto der Aktion, bei der im vergangenen Winter mehr als 50 Millionen Euro zusammen kamen. Dirk Bingener, gebürtiger Siegerländer und katholischer Pfarrer, ist seit dem vergangenen Oktober Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ und des Internationalen Katholischen Missionswerkes „missio“.

2019 war durch „Fridays-for-Future“ bestimmt. Junge Menschen gingen auf die Straße, um für die Umwelt einzutreten. In diesen Tagen schwärmen junge Leute aus, um als Sternsinger Geld für Kinder-Projekte zu sammeln. Ist das Sternsingen in Zeiten von Fridays for Future und zunehmender Kirchenaustritte noch zeitgemäß?

Dirk Bingener: Es ist sogar sehr zeitgemäß. Hier wie da wollen junge Leute etwas bewegen – für eine bessere Zukunft. Die Sternsinger sind auf authentische Weise Kirche: Denn sie tun, was sie sagen. Sie bringen den Segen Gottes, des neugeborenen Kindes in der Krippe und werden selbst zum Segen für ihre Altersgenossen. Sie setzen sich ein für Kinder auf der ganzen Welt, denen es nicht so gut geht.

Sind Sie selbst als Sternsinger aktiv gewesen?

Ich habe das Sternsingen in meiner Heimat-Pfarrei Herz Jesu in Wilnsdorf-Niederdielfen sozusagen von der Pike auf gelernt. Ich erinnere mich, dass ich mir so manch nasse Füße im Schnee geholt habe und immer gespannt war, wer die Haustür öffnet. Es sind durchweg gute Erinnerungen.

Was hat sich in all den Jahren beim Sternsingen verändert?

Gar nicht so viel. Auf vielen Dörfern wird nach wie vor von Haus zu Haus gegangen und an jeder Tür geklingelt. In manchen Gemeinden aber besuchen die Sternsinger nur die, die sich vorher in eine Liste eingetragen haben. Neu ist: Mit Hilfe unserer Sternsinger-App können sich die Gruppen jetzt noch besser organisieren und ihre Verteilung auf Stadtteile und Straßen einfacher planen.

Finden Sie noch genügend Kinder und Jugendliche, die mitmachen? Oder ist es schwieriger geworden, junge Leute zu motivieren?

Die Zahlen bewegen sich auf einem konstanten Niveau: 300.000 Sternsinger und 90.000 Begleitende sind in diesen Tagen im Bundesgebiet unterwegs. Bei der vergangenen Aktion 2019 machten 78 Gemeinden mehr als im Vorjahreszeitraum mit. Aber: Man kann die jungen Leute nicht mehr einfach so schicken. Sie wollen wissen, wofür sie gehen und wozu ihr Engagement gut ist. Und es ist wichtig, dass sie spüren: wir können etwas bewegen. Damit dies deutlich wird, haben wir unsere Kommunikation im Social-Media-Bereich verstärkt oder besuchen mit unserem „Sternsingermobil“ Schulen und Gemeinden.

In jüngster Vergangenheit wird zunehmend der nachlassende Respekt in der Gesellschaft beklagt. Spüren auch die Sternsinger, dass der Umgang zwischen den Menschen rauer geworden ist?

Der überwiegende Teil der Menschen, die die Haustüren öffnen, freuen sich auf die Sternsinger. Es gibt nach wie vor unglaublich viele Menschen, die gerne helfen, die bereit sind, etwas abzugeben.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel freut sich auf die Sternsinger – beim traditionellen Empfang im Kanzleramt. Sie waren auch schon einige Male dabei. Welche Erinnerungen haben Sie an die Begegnungen­?

Man spürt, dass für Frau Merkel der erste Termin des neuen Jahres eine Herzensangelegenheit ist. Das ist aber beim Besuch des Bundespräsidenten oder in den Rathäusern ebenso. Die Sternsinger werden von allen sehr herzlich empfangen.

Die Sternsinger haben im vergangenen Winter 50 Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt. Wohin fließt das Geld?

Zunächst einmal: Geld ist natürlich nicht alles. Aber viel hilft viel. Wir unterstützen weltweit 1300 Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, gegen Kinderarbeit und für Kinderrechte, auch Flüchtlingsprojekte. Nehmen wir den Libanon, das diesjährige Beispielland. Dort leben sechs Millionen Einwohner; man hat eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Es ist multireligiös, und es geht darum deutlich zu machen, dass diese Vielfalt der Religionen als Reichtum verstanden wird. Die Projekte arbeiten religionsverbindend und tragen so zum Frieden bei.

Da ist es folgerichtig, dass bei den katholischen Sternsingern in Deutschland auch Kinder anderer Religionen und Konfessionen mitmachen können, oder?

Natürlich. Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein.

Abschlussfrage: Was macht ein Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“?

Er leitet ein Haus mit über 100 Mitarbeitenden, die durch eine gute Bildungsarbeit dazu beitragen, dass Kinder Zusammenhänge verstehen, in diesem Jahr, wie man einen Beitrag zum Frieden leistet. Und die dafür sorgen, dass die Spendengelder wirkungsvoll für Projekte weltweit verwendet werden. Mit dem Ende der Sternsinger-Besuche rund um den Dreikönigstag fängt die Arbeit neu an, denn: Nach dem Sternsingen ist vor dem Sternsingen.

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