Haartrends

Der Mut der Frauen zur Farbe

Marlon Uszkureit mit seinem wichtigsten Arbeitsgerät, dem Farbpinsel, im Dortmunder Salon Schnittstelle.

Marlon Uszkureit mit seinem wichtigsten Arbeitsgerät, dem Farbpinsel, im Dortmunder Salon Schnittstelle.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Der Dortmunder Friseurmeister Marlon Uszkureit ist als Color Technician für den German Hairdressing Award nominiert, den Oscar der Friseure.

Frauen sind mutiger. Ist das eine überraschende Aussage? Nicht unbedingt. Und schon gar nicht, wenn sie sich auf Mode bezieht und von einem Friseur stammt. Aber für Marlon Uszkureit ist die Tatsache, dass die Damen sich deutlich mehr trauen, sehr wichtig. Denn der 29-jährige Dortmunder ist Spezialist für Farbe auf dem Kopf. Und da gibt es beim Trend zu neuen Trends ein klares Geschlechtergefälle, einen Color-Gap, könnte man sagen. Insofern ist es selbstverständlich, dass sich Uszkureit mit einem weiblichen Model beim German Hairdressing Award beworben hat. Und dort ist er nun nominiert in der Kategorie Color Technician.

Der Pixel-Effekt

Was also hat der Friseur, der gerade seine Meisterprüfung bestanden hat, Besonderes kreiert? „Es geht um den Pixel-Effekt“, erklärt Marlon Uszkureit. Das hilft dem Laien aber nicht viel weiter. Also greift der Profi zum Foto, das er auch eingereicht hat bei der Jury. Auf dem ist eine junge Dame zu sehen, deren Haare in unterschiedlichen Blond-, Braun- und Rottönen aufscheinen. Aber das geht nicht stufenlos ineinander über, sondern ist deutlich voneinander abgesetzt. Klare Kanten. Längs und quer. Das erinnert tatsächlich an Pixel, relativ große allerdings. „Ein sehr schöner Effekt bei glattem Haar“, meint Uszkureit. Da muss der Laie zustimmen. Auffällig.

Der Aufwand dafür allerdings ist beträchtlich. „Sechs Stunden dauert die Prozedur“, erklärt der Anwärter für den Oscar der Friseure. Für den ist er übrigens schon zum dritten Mal nominiert. „Ein kleiner Ritterschlag für mich und den Salon“, meint er. Der Salon heißt Schnittstelle und liegt nicht schick in der Innenstadt, sondern vor den Toren der City, am Westfalendamm.

Marlon Uszkureit hat hier gelernt und ist geblieben. Er fühlt sich wohl, genießt das familiäre Umfeld, die Unterstützung für seine Wettbewerbs-Ambitionen Und es ist nicht so, dass seine Künste hier nicht nachgefragt wären. „Die Kunden nehmen zunehmend wahr, dass sie hier auch etwas Besonderes bekommen können“, sagt er. Oder eher: die Kundinnen.

Uszkureit macht natürlich auch die normale Arbeit, die Alltagsschnitte. Bei Männern wie Frauen. Aber er probiert schon gerne etwas aus. Und die Damen sind da deutlich experimentierfreudiger. „Man muss schon Selbstbewusstsein mitbringen und die Lust aufzufallen“, kommentiert der Friseur. Viele Kundinnen bringen aber noch mehr mit: ein Foto. Ein Vorbild. Einen Wunsch-Look. Auf dem Smartphone. „Instagram ist extrem wichtig für die Branche“, sagt der 29-Jährige.

So verbreiten sich Trends. Und welche herrschen aktuell? „Es gibt eigentlich fast nichts, was es nicht gibt.“ Geht es vielleicht eine Spur genauer? „Ultranatürlich und weiblich auf der einen Seite, grell, knallig, avantgardistisch auf der anderen. Und alles dazwischen.“ Farben? Blond geht immer. „70 Prozent bewegen sich in dem Spektrum.“ Und das wird nicht langweilig? „Im Gegenteil, Blond ist sehr interessant, weil man die Pigmentierung schwächer ansetzen muss und die richtige Intensität finden. Und es gibt interessante Nuancierungen in Richtung Rosé oder Silberblond.“

Ist Beratung gefragt? „Das ist wichtig. Aber da geht es meist um Details. Die meisten Kunden wissen schon, wie sie aussehen wollen.“ Und das schränkt den Friseur nicht ein? „Nein, ich finde das gut. Ich sehe mich nicht als künstlerischer Gestalter, sondern als Dienstleister.“ Der Ehrgeiz besteht dann darin, schwierige Techniken zu meistern. Aber es passt doch nicht jede Frisur zu jedem Typ, oder? Auch eine Frage der Technik: „Man kann fast alles für jeden tragbar machen.“

Gute Farbwahrnehmung

Wie ist Marlon Uszkureit überhaupt zum Beruf gekommen? „Eine Bekannte war Friseurin und meinte, ich hätte doch eine gute Farbwahrnehmung. So hat sich das ergeben. Zufall.“ Selbst legt er keinen Wert auf eine auffällige Frisur. Kein asymmetrischer Schnitt, keine Farbe. Eine überraschende Zurückhaltung? Natürlich nicht. Er ist eben auch nur ein Mann.

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