Tanzen

Der Swing macht in Tanzschulen dem Discofox Konkurrenz

Tanzlehrer André Christ (50) mit Tanzpartnerin Jasmine Hohenstein (21) beim West Coast Swing.

Tanzlehrer André Christ (50) mit Tanzpartnerin Jasmine Hohenstein (21) beim West Coast Swing.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Konkurrenz für den Discofox: Der West Coast Swing erobert die Tanzschulen in Südwestfalen. Er gilt besonders bei jungen Leuten als cool und sexy.

Ein Tanz erobert zurzeit die Tanzschulen in Deutschland: der West Coast Swing. Der Paartanz wird von Tanzschülern als besonders sexy und cool bezeichnet, und die Lehrer trauen ihm das Potenzial zu, den dominierenden Discofox auf dem Tanzparkett abzulösen. Früh, so die Profis, sei erkannt worden, dass es vor allem bei jüngeren Leuten eine Sehnsucht gebe, nach langsamen Stücken im Viervierteltakt zu aktuellen Charthits zu tanzen. Das biete der West Coast Swing. Im Gegensatz zu vielen anderen wird der Tanz, der Michael Jackson zu seinen aufwendigen Moves angeregt haben soll, nicht von Filmen wie „Dirty Dancing“ getragen. Eine Ausnahme. Der Siegeszug überrascht aber auch, weil die Schrittfolge vor allem für die Männer nicht einfach ist.

Aktuelle Popmusik ertönt in der Tanzschule von André Christ in Hagen. Die Boxen vibrieren, Hüften schwingen. Die Frauen bewegen sich entlang sogenannter Slots, lassen den Herrn bestimmen, wann sie passieren oder rotieren dürfen. Fließende Bewegungen, die Kursteilnehmer lachen, sie haben Spaß. Dabei sind einige noch gar nicht so lange dabei. Auf die Füße steigen kommt dabei selten vor, weil man sich bei diesem Tanz nicht so oft nahe kommt.

Nach jedem Lied werden – typisch für den West Coast Swing – die Partner gewechselt.

Von Trends wird schnell gesprochen, manchmal entpuppen sie sich als reine Werbung für ­Eintagsfliegen. Dass der West Coast Swing nicht dazu gehört, dafür steht das jährlich stattfindende „Euro Dance Festival“ im Europa Park Rust. Die besten Tänzer und Trainer der Welt unterrichten dort Anfänger, Fortgeschrittene und Profis in den unterschiedlichsten Tanzstilen – von Latein über Salsa bis hin zum Tango Argentino. Auf mehreren Bühnen werden die angesagtesten Tänze vorgestellt. Im diesem Jahr waren 100 der 500 Darbietungen West-Coast-Swing(-Varianten).

Der Tanz-Traum aller Männer

„Es ist das Spiel miteinander, das den Reiz des West Coast Swing ausmacht“, berichtet Tanzlehrer und Tanzsporttrainer André Christ. Er lebe vom Zug zueinander. „Es ist einer der coolste Paartänze, die ich kenne.“ Seit sechs Jahren bietet der 50-Jährige ihn an. Und die Kurse sind gut besucht. „Dabei ist der West Coast Swing nicht so einfach zu erlernen“, sagt der ehemalige Profitänzer. Bei Discofox haben die Schüler eher ein Erfolgserlebnis. „Andererseits: Wer ihn einmal vorgeführt bekommt, der will schnell genauso übers Parkett gleiten“, erzählt der gebürtige Hagener, der in Ennepetal wohnt. Vor allem für Männer sei der Tanz ein Traum: „Sie lernen schnell, wie man führt – und Frauen lassen sich beim West Coast Swing gerne führen.“

Mittlerweile läuft in der Hagener Tanzschule Soul. Auf zwei Schritten folgen zwei Wechselschritte. Die Variation der Grundfiguren ist noch ausbaufähig. „Die Regeln sind überschaubar, Improvisation ist gefragt“, erklärt Christ. Wie die Frau zum Beispiel die Bewegungen beim Slot ausführe, sei ihr überlassen. „Dadurch entsteht viel Augenkontakt zwischen den Partnern.“

Der Tanz bei der Hochzeitsfeier

Julia (30) und David Siewert (32) aus Wetter lieben diese Kommunikation, diesen Austausch miteinander. Sie hat das West-Coast-Swing-Fieber seit eineinhalb Jahren fest im Griff: Seither feilen die Verwaltungsangestellte und der angehende Elektrotechniker an „Underarm Pass“ und „Two Hand Tuck Turn“. „Wir haben in der Tanzschule André Christ mit Standard vor drei Jahren angefangen. Als unser Lehrer den Tanz demonstrierte, wollten wir nichts anderes mehr tanzen“, berichtet Julia Siewert. Sie erinnert sich gern an den Eröffnungstanz bei ihrer Hochzeitsfeier im Mai: „Der West Coast Swing hat alle Gäste umgehauen. Wir haben langen Applaus für die Darbietung bekommen.“

David ist von der Ästhetik des Tanzes begeistert, Julia mag, dass man sich auch zu sehr langsamen Stücken ausdrucksvoll bewegen kann. „Zum Beispiel zu Human von Rag’n’Bone Man.“ Gemeinsam Zeit zu verbringen, gemeinsam an etwas zu arbeiten, sei ihnen wichtig. Vor allem in der kalten Jahreszeit. Der West Coast Swing, sagen Julia und David Siewert, fordere sie mehr als alle anderen Tänze heraus, von Woche zu Woche besser zu werden. Ganz nebenbei fühlen sie sich ganz beswingt.

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