Holzbau

Heimische Holzbranche profitiert kaum vom Holzhaus-Trend

Die nordrhein-westfälische Ministerin für Umwelt,Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Christina Schulze Föcking (CDU), eröffnet am Montag (09.10.17) in Olsberg im Kompetenzzentrum, mit Zimmerleuten, dem Landrat Karl Schneider, dem parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Matthias Kerkhoff, und dem Olsberger Bürgermeister Wolfgang Fischer (v.l.) das Trainingshaus für den Holzbau. Foto: Volker Hartmann

Die nordrhein-westfälische Ministerin für Umwelt,Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Christina Schulze Föcking (CDU), eröffnet am Montag (09.10.17) in Olsberg im Kompetenzzentrum, mit Zimmerleuten, dem Landrat Karl Schneider, dem parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Matthias Kerkhoff, und dem Olsberger Bürgermeister Wolfgang Fischer (v.l.) das Trainingshaus für den Holzbau. Foto: Volker Hartmann

Olsberg.  16 Prozent aller Neubauten werden in Deutschland aus Holz gefertigt. Südwestfalens Holzbranche profitiert von dieser Entwicklung aber weniger.

Der Trend zum Holz hält weiter an. 16 Prozent aller Neubauten werden in Deutschland mittlerweile aus Holz gefertigt. Wer durch die Lande fährt, bemerkt den Wandel allerdings nicht: Verputzt oder gestrichen sind die oft modern-kubistisch gehaltenen Gebäude kaum von konventionell gemauerten Häusern zu unterscheiden.

Während im Süden Deutschlands die Holzbauquote den Handwerkern Flügel verleiht, profitiert Südwestfalens starke Holzbranche von dieser Entwicklung nicht wie erhofft. Ein Überblick über noch nicht völlig verpasste Chancen.

Die Situation:

In anderen Ländern werden bereits Holzwolkenkratzer gebaut: So im norwegischen Bergen. Dort steht der höchste der Welt. 14 Stockwerke türmen sich 50 Meter in die Höhe. Von solchen Projekten aus Holz können Ingenieure hierzulande nur träumen. Im Gegenteil: Bundesweit belegt NRW bei Mehrfamilienhäusern hintere Plätze, bei Einfamilienhäusern liegt die Quote bei nur neun Prozent. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg sind es 30 Prozent.

Die Gründe:

Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Holzbaubranche in NRW liegen laut Michael Arns, Freudenberger Architekt und Präsident der Architektenkammer NRW, auf der Hand: „In den 70er, 80er und 90er Jahren waren Stahl, Glas und Beton Inbegriff der Moderne.“ Das Vertrauen in Holz sei in dieser Zeit verloren gegangen. Auch bei Ingenieuren und Statikern. Viele würden die Vorzüge des modernen Holzbaus nicht kennen.

Das ändere sich nun, in NRW langsamer als im Rest der Republik. Markus Becker aus Medebach, Vorsitzender des Landesbeirats Holz NRW, fordert bessere Ausbildungsmöglichkeiten: „Es fehlt ein umfassender Holzbau-Studiengang wie in Rosenheim. Dort werden alle Aspekten des modernen Holzbaus berücksichtigt.“ Allgemein, so der Sauerländer, habe die Holzbaubranche in Südwestfalen keinen Fachkräftemangel, aber es mangele an Holzbauingenieuren. Nach Ansicht Beckers und Arns’ müssen vor allem die Richtlinien für den Holzhausbau geändert werden. Die Landesbauordnungen in NRW sei restriktiver als die in Baden-Württemberg. Vor allem die Vorgaben rund um den Brandschutz schreckten viele Planer ab.

Die Vorzüge:

Vergleicht man die Baukosten eines herkömmlich mit Mauerwerk errichteten Einfamilienhaus mit einem modernen Holzhaus, so stellt man fest: „Die Baukosten sind in der Regel mit 2000 Euro pro Quadratmeter gleich“, berichtet Becker. Das Holzhaus stehe aber bereits nach zwei Tagen und „ist nach drei Monaten bezugsfertig“. Das konventionell gebaute Haus sei es erst nach zwölf Monaten. Beim Holzbau kämen geringere Baukosten durch eine niedrigere Fehlerquote hinzu: „Holzhäuser sind vorgeplant. Jedes Stückchen wird am Computer errechnet, die Informationen gleich an entsprechende Maschinen weiter gegeben.“ Beim konventionellen Bau, an dem bis zu 20 Gewerke beteiligt sind, steige die Anzahl der Mängel.

Die Energieeffizienz

Der Holzbau setzt Standards beim klimafreundlichen Bauen: Um eine Tonne Beton zu produzieren, wird soviel Energie benötigt, dass dabei 130 Kilogramm CO2 entstehen. Holz absorbiert beim Wachstum CO2. Ein Festmeter Fichtenholz bindet eine Tonne des Gases, ein 150 Quadratmeter großes Einfamilienhaus 50 Tonnen.

Das Trainingshaus

Welche Möglichkeiten Holz Bauherren bietet, das kann man sich in Deutschlands einzigartigem Trainingshaus für modernen Holzbau im Zentrum Holz in Olsberg vorführen lassen. Im Trainingshaus, das am 9. Oktober von der neuen Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) eingeweiht wurde, werden Schulungen durchgeführt und führen Holzbaugewerbe und Firmen ihre neuen Baumaterialien vor.

Die Baubuche

Die Holzbau-Branche will in Zukunft weniger auf die Fichte und mehr auf Laubbäume setzen. Das Konstruktionsholz der Zukunft ist nach Angaben von Martin Schwarz vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW die Baubuche. Dabei handele es sich um einen neuen Werkstoff. In einem thermischen Verfahren werden drei Millimeter starke Buchen-Schälfurniere faserparallel beziehungsweise kreuzweise verklebt und als Furnierschichtholz zu Trägern, Platten und Paneel weiterverarbeitet. Dank ihrer hohen Festigkeit und Steifigkeit ermögliche die Baubuche eine hohe Tragfähigkeit auf engstem Raum, so Schwarz.

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