Konzernumbau

Familienfreundlichkeit adé – Wie Douglas sich verändert hat

Foto: Archiv/WP / WP

Hagen/Offenbach.   Douglas hat sich verändert. Seit vier Wochen gibt es einen Gesamtbetriebsrat. Das war als Familienunternehmen nicht nötig, sagen die Mitarbeiter.

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Der Douglaskonzern hat sich in den letzten Jahren mächtig verändert. Äußerlich betrachtet vielleicht gar nicht so sehr, aber offenbar hinter der Fassade. Aus dem früheren Lifestylekonzern mit Herz, wie sich Douglas selbst immer bezeichnet hatte, scheint sich mit der Übernahme durch US-Finanzinvestoren auch das einst familiäre Betriebsklima deutlich abgekühlt zu haben. 2014 wurde in einer Offenbacher Filiale der erste Betriebsrat gegründet. Mittlerweile gibt es an neun Standorten Mitarbeitervertretungen und seit vier Wochen sogar einen Gesamtbetriebsrat.

In einem Konzern mit Tausenden Beschäftigten sind Betriebsräte wahrlich nichts Ungewöhnliches. Bei Douglas war dies in der Vergangenheit aber kein Thema. „Als das Unternehmen noch in der Hand der Familie Kreke war, hatten die Beschäftigten nicht das Gefühl, dass Betriebsräte nötig wären“, sagt Katja Deusser, als Verdi-Gewerkschaftssekretärin für den Raum Frankfurt zuständig.

Filialleiterin aus Offenbach gewählt

Die Situation sei mittlerweile eine andere, erklärt die Ende Januar zur ersten Gesamtbetriebsratsvorsitzenden gewählte Anke Hochstein-Werner gegenüber einem Medium vor Ort. Die 51-Jährige ist langjährige Mitarbeiterin und Filialleiterin in Offenbach. Eine Interviewanfrage der WESTFALENPOST lehnt sie aus terminlichen Gründen ab. Auch die Pressestelle des einst so weltoffen erscheinenden Konzerns bleibt gegenüber dieser Zeitung stumm.

Douglas ist nicht im Arbeitgeberverband, entlohnt aber nach Gewerkschaftsauskunft in Anlehnung an den Einzelhandelstarif. Den Betriebsräten geht es aber gar nicht um Finanzielles. Den Beschäftigten stößt anderes auf. Als Jörn und später sein Sohn Henning Kreke als Vorstandschefs noch die Geschicke des Konzerns bestimmten, wurde das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf groß geschrieben.

Die Douglas Holding gab in diesen Zeiten acht darauf, dass Privates und Beruf unter einen Hut passten. Flexible Arbeitszeitmodelle, Gleitzeit, Teilzeit - Douglas warb mit der Möglichkeit zur „eigenverantwortlichen Gestaltung der täglichen Arbeitszeit“.

Führungskräften in den Filialen wurde in der Vergangenheit der nötige Spielraum eingeräumt, um gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen passgenaue Modelle zu entwickeln. Auch für die Beschäftigten in der Zentrale in Hagen-Bathey wurde einiges getan. 2009 wurde dort eine „Minifiliale“ gegründet, einer der ersten Betriebskindergärten in der Region. Für diese vorbildliche Initiative wurde Douglas 2010 ausgezeichnet. Im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ wurde zu einem der „ausgewählten Orte in Deutschland“.

„Atos“ plant Einsatz zentral

Und heute? Rücksicht auf Familie können sich die Mitarbeiterinnen offenbar abschminken. Das Unternehmen wirbt zwar damit, dass Frauenförderung auf sämtlichen Unternehmensebenen gelebte Praxis sei. Bis zum Sommer dieses Jahres sollen in der ersten und zweiten Führungsebene dauerhaft mindestens 30 Prozent der Vorstände weiblich sein. Ein Beschluss des Aufsichtsrates, in dem Jörn Kreke Ehrenvorsitzender ist. Sein Sohn Henning fungiert aktuell als Aufsichtsratsvorsitzender, nachdem er vor gut einem Jahr den Vorstandsvorsitz in Frauenhände abgegeben hat. Dort lenken nun die Vorsitzende ist Isabelle Parize, Finanzvorstand Erika Tertilt und Claudia Reinery Parize als Verantwortliche für Deutschland, Österreich und die Schweiz die Geschicke des Konzerns. An der Spitze also alles spitze in Sachen Frauenförderung. Nur die Basis wurde wohl vergessen.

Der Hauptanteilseigner, der US-Investor CVC Capital Partners, hatte bei der Übernahme 2015 die Devise ausgegeben, Europas größte Parfümeriekette möge schneller und schlagkräftiger werden. Die dezentrale, flexible also familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung vor Ort ist mittlerweile einem zentralen Personalplanungssystem zum Opfer gefallen. Das Programm heißt „Atos“ und gibt vor, zu welchen Zeiten wer zu arbeiten hat, „und zwar völlig ohne Rücksicht auf Familie“, sagt Verdi-Expertin Deusser. „Atos“ sieht nach Auskunft der Gewerkschafterin auch mehr Samstagsarbeit und kürzere Urlaube vor. Drei Wochen am Stück im Sommer - für Familien mit kleinen Kindern eine echte Hilfe - soll es künftig nicht mehr geben.

„Douglas fällt nicht jeden Tag negativ auf. Aber es hat sich aus Sicht der Beschäftigten schon vieles wesentlich verschlechtert“, resümiert die Gewerkschaftssekretärin Deusser. Neun Betriebsräte bundesweit in rund zwei Jahren, das ist aus Sicht von Verdi ausbaufähig. Durch den Gesamtbetriebsrat findet nun aber eine Vernetzung statt, die möglicherweise auch an anderen Standorten Mut macht.

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