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Medienwissenschaftler zum Star-Wars-Film „Die letzten Jedi“

Rey (Daisy Ridley) und Luke Skywalker (Mark Hamill) in einer Szene des Films „Star Wars - Die letzten Jedi“.

Foto: Jonathan Olley/dpa

Rey (Daisy Ridley) und Luke Skywalker (Mark Hamill) in einer Szene des Films „Star Wars - Die letzten Jedi“.

Hagen/Siegen.   Auch „Die letzten Jedi“ lassen die Kinokassen klingeln. Ein Interview mit Medienwissenschaftler Andreas Rauscher über die Star-Wars-Faszination.

Der neue Star-Wars-Film „Die letzten Jedi“ ist seit vergangener Woche in den deutschen Kinos zu sehen. Er wird kontrovers diskutiert. Wir haben den Medienwissenschaftler Dr. Andreas Rauscher von der Universität Siegen gefragt, worum es in dem Epos überhaupt geht. Der 44-Jährige thematisiert die Science-Fiction-Saga in seinen Kursen und ist leidenschaftlicher Fan.

Waren die ersten drei Teile, die Prequels, tatsächlich Mist?

Andreas Rauscher: Nein. „Die dunkle Bedrohung“ (1999), „Angriff der Klonkrieger (2002) und „Die Rache der Sith“ (2005) haben ihre Schwächen, weil zu sehr auf das digital Mögliche gesetzt wurde. Aber mit den technischen Voraussetzungen der Jahrtausendwende konnten Szenarien erschaffen werden, die man so noch nie gesehen hatte wie beispielsweise eine Stadt, die einen ganzen Planeten umfasst. Allerdings hat Produzent und Regisseur George Lucas mit Jar Jar Binks (männlicher Gungan vom Planeten Naboo) übertrieben.

Worum geht es in dem Epos wirklich?

Auf der einfachen Ebene um den Kampf zwischen Gut und Böse. Das wird mit viel Fantasie erzählt. Das Besondere ergibt sich aus dem komplexen Universum, das die Filme nach und nach erschaffen haben. Star Wars vermischt Science-Fiction mit Elementen aus Western, Piraten-Filmen etc. Das macht den Reiz aus.

Der galaktisch zerstrittene Senat - kann man einen Vergleich zur ­UN-Vollversammlung ziehen?

Bei Star Trek sind die realen Bezüge offensichtlich. Bei Star Wars erschließen sie sich nicht sofort. Senator Palpatin zum Beispiel ist von Richard Nixon inspiriert, der Kampf der Ewoks (dem auf dem Waldmond Endor lebenden Naturvolk) aus „Der Rückkehr der Jedi“ zeigt Parallelen zum Vietnamkrieg. „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich“ – Darth Vaders Zitat aus „Die Rache der Sith“ entstammt US-Präsident George W. Bush nach den Terroranschlägen am 11. September 2001.

Ist Star Wars Sinnbild der Bedrohung der Demokratie von innen heraus?

Der Bezug kann durchaus gezogen werden, vor allem in den Prequels. Allerdings weniger bei den neueren Filmen.

Sind die Jedi noch zeitgemäß?

Das Bild der Jedi ist in den aktuelleren Filmen nicht mehr so an das ritterliche angelehnt. Es ist ambivalenter. Es folgt dem moderneren Konzept, Helden nicht nur als gut oder böse, sondern als dazwischen Schwankende darzustellen. Dafür steht die neue Jedi-Figur, gespielt von Daisy Ridley.

Ist George Lucas Hollywoods größter Weltenerschaffer?

George Lucas ist ein Geschichten-Kurator. Die wahre Qualität des Epos ergibt sich aber erst durch die unterschiedlichen Einflüsse der verschiedenen Autoren.

Wann wurde Ihre Leidenschaft für die Saga entfacht?

Star Wars war der erste Film, den ich in den frühen 80er Jahren im Kino gesehen habe. Ich war schon von der Fernseh-Serie Star Trek („Raumschiff Enterprise“) fasziniert, vor allem von den spektakulären Eindrücken fremder Welten. Die Parallelen zu gesellschaftlichen Problemen, die in späteren Star-Wars-Filmen gezogen wurden, haben das Interesse vertieft. Ich finde es interessant, wie das Genre unsere Gegenwart in fantastischen Welten reflektiert.

Eher Han Solo oder Luke Skywalker - wen hätten Sie lieber zum Freund?

Eindeutig Han Solo und Chewbacca. Mit denen hätte man viel mehr Spaß. Mit Luke Skywalker könnte man besser philosophieren...

Star Trek oder Star Wars? Wenn Sie sich für eine der Welten entscheiden müssten, welche wäre es?

Wenn es unbedingt sein muss, dann Star Trek. Dort gibt es Replikatoren (die Essen, Getränke etc. beliebig replizieren können, Anmerkung der Redaktion). In der Welt von Spock, Kirk und Co. setzt sich immer die Utopie durch. Allerdings müssten auf den Holodecks der Star-Trek-Raumschiffe sämtliche Star-Wars-Filme zu sehen sein.

Wie wichtig ist der ökonomische Aspekt? Spielt er bei der Produktion der Filme eine Rolle?

Ja - und das könnte noch zu einem echten Problem werden. Seit Disney 2012 die Rechte gekauft hat, verdichtet sich die Befürchtung, dass kommerzielle Ziele stärker als zuvor im Vordergrund stehen werden. Im nächsten Jahr soll ein Film starten, der auf die jungen Jahre von Han Solo eingeht. Die Nachwuchsregisseure sind wegen kreativer Interessen gefeuert worden...

Wie soll Star Wars enden und welcher Titel sollte den letzten Film zieren?

„Das Gleichgewicht der Macht“ gefällt mir. Zum Abschluss der Saga gibt es kein eindeutiges Gut und Böse mehr, sondern psychologisch komplexe Figuren. Zu Beginn der Saga waren die Helden und ihre Gegenspieler künstlich angelegt, zuletzt sollten sie aus Fleisch und Blut sein.

Wie hat Ihnen der neue Film „Die letzten Jedi“ gefallen?

Ich finde ihn sehr gut. Der Fokus liegt auf den neuen Charakteren rund um Daisy Ridley. Die älteren Figuren treten unterstützend auf. Es ist ein Film für die neue Generation.

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