Drogen an Schulen

„Die meisten sind sich der Gefahren nicht bewusst“

Der Konsum von Cannabis soll legalisiert werden.

Der Konsum von Cannabis soll legalisiert werden.

Foto: Damian Dovarganes / dpa

Ennepetal.   Der Ennepetaler Schüler Luca Samlidis berichtet über Verharmlosungen und gruppendynamische Prozesse beim Drogenkonsum unter Jugendlichen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Luca Samlidis (17) nimmt keine Drogen und kann auch nicht berichten, dass es an seiner Schule in Ennepetal Probleme mit Drogenkriminalität und -konsum gibt. Aber er ist durch seine Arbeit in überörtlichen Schülervertretungen gut vernetzt. „Da hört man schon einiges“, sagt er. Dass Cannabis & Co. unter Jugendlichen zu illegalen Alltagsdrogen geworden sind – so weit will er nicht gehen. „Verallgemeinerungen und schlagzeilenträchtige Zuspitzungen helfen nicht weiter“, sagt er. Dennoch: „Man darf die Sache nicht verharmlosen. Die meisten Konsumenten sind sich der Gefahr möglicher psychischer Schäden gar nicht bewusst.“

Schüler als „Verkäufer“

Vornehmlich, so Luca Samlidis, gehe es beim Drogenkonsum bei Jugendlichen um Cannabis. „Das ist populär, weil es relativ günstig zu haben ist.“ „Verkäufer“ rund um Schulen seien in den überwiegenden Fällen Schüler selbst, „die sich in dieser Rolle cool finden und dem Reiz des Verbotenen erliegen“. Woher haben sie diese Rauschmittel? ,,Es ist kein Geheimnis, dass Bahnhöfe beliebte Drogenumschlagplätze sind“, sagt der 17-jährige Ennepetaler.

Warum nehmen Jugendliche Drogen? „Schwierige Frage“, findet Luca Samlidis. „Ich den meisten Fällen spielen sich wohl gruppendynamische Prozesse ab.“ Man befürchte den Bann der anderen, wenn man nicht mitkifft. „Ein kleiner Teil könnte es als Ablenkungsmittel gegen Leistungsdruck nutzen, quasi zum Runterkommen.“

Dass Drogen der falsche Weg sind, müsse Schülern noch intensiver vermittelt werden, findet Samlidis. „Es fehlt an Auf­klärung. In Prophylaxe-Seminaren erfährt man fast mehr über die ­Gefahren von LSD und Kokain. ­Dabei ist Cannabis von der Zahl der Konsumenten her das größte ­Problem.“

Keine Zeit im Unterricht

Weil der Lehrplan so eng getaktet ist, fehle zudem die Zeit, mal spontan über die Drogenproblematik im Unterricht zu diskutieren.

Wenn es wenigstens genügend Schulsozialarbeiter gäbe . . . „Hier hakt es an allen Ecken und Enden“, sagt Luca Samlidis. „Wie soll man nah an die Schüler herankommen, wenn man für mehrere Hundert zuständig ist?“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben