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Diese Erfindung soll den Hofladen Sauerland verbessern

Abholboxen für Lebensmittel: So könnten die Abholboxen des Hofladens Sauerland zukünftig aussehen.

Foto: Hofladen Sauerland

Abholboxen für Lebensmittel: So könnten die Abholboxen des Hofladens Sauerland zukünftig aussehen. Foto: Hofladen Sauerland

Arnsberg/Hamm.   Die Hochschule Hamm-Lippstadt hat für den Hofladen Sauerland ein Abholkonzept entwickelt. Ein großes Problem soll damit nicht mehr auftreten.

Manche Ideen überzeugen, weil sie überraschen. An anderen überrascht, dass sie nicht schon längst auf dem Markt sind. Solch eine Idee ist die Lebensmittel-Abholbox, die Alexander Stuckenholz, zu Hause in Wetter-Volmarstein und Professor für Praktische Informatik an der Hochschule Hamm-Lippstadt, für den Hofladen Sauerland entwickelt hat.

Lieferdienste nur in Ballungszentren

Noch ist der Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland ein Nischenmarkt, der weniger als zwei Prozent der 2017 umgesetzten mehr als 180 Milliarden umfasst. Noch konzentrieren sich Rewe und Edeka mit ihren Lieferdiensten auf die Ballungsgebiete, noch ist Amazon Fresh im Versuchsstadium. Aber gerade im ländlichen Raum, wo die Läden weniger werden, scheint eine Alternative zum stationären Handel attraktiv.

Darauf setzt seit einigen Jahren hofladen-sauerland.de. Das Konzept: Der Vertrieb regionaler Produkte von kleinen Höfen, familiengeführten Metzgereien oder Landbäckereien in der Fläche. Zusätzlich zum Online-Angebot existiert seit Juli 2017 eine Filiale in Arnsberg-Neheim, im Frühsommer soll eine weitere in Meschede eröffnen, kündigt Geschäftsführer Christian Schulte an. „Das Geschäft wächst“, sagt er, „inzwischen haben wir 800 Artikel von 45 Lieferanten im Angebot.“

Nicht nur eine simple Kiste

Allerdings tauchen bei der Auslieferung an den Kunden bisweilen die gleichen Probleme auf wie überall: Keiner daheim. Das ist unpraktisch für alle Beteiligten inklusive der Nachbarn. Die Alternative könnten Abholboxen sein. Aber wie müssen die aussehen, um möglichst unkompliziert und allgemein nutzbar zu sein? Mit dieser Frage hat sich auf Bitte von Hofladen Sauerland ein Forschungsprojekt an der Hochschule befasst, das vom NRW-Wirtschaftsministerium gefördert wurde.

„Ergebnis ist eine offene Plattform, die mehr kann als eine simple Kiste“, sagt Stuckenholz. Und zwar was? „Man könnte morgens, bevor die Wäscherei öffnet, seine dreckigen Hemden hineintun und sie abends gereinigt und gebügelt abholen. Oder wenn viele Eltern mit kleinen Kindern in einer Straße wohnen, könnten in einer Box immer Windeln sein.“

Erster Prototyp soll bald stehen

Aber das sind nur Ideen. Bislang existiert ein Prototyp aus Holz, den Christian Schulte jetzt in Metall nachbauen lässt und vor dem Laden in Neheim aufstellen will. Als Test. Was ihm wichtig war: eine leichte Bedienbarkeit auch für ältere Kunden. Deshalb ist keinerlei Anmeldung nötig: Der Kunde bekommt einen QR-Code per SMS oder E-Mail, im Laden oder per Post, den scannt eine Kamera und öffnet ein Fach. Die Box braucht deshalb Strom und Internetzugang. Eine Kühlfunktion ist nicht vorgesehen: „Wir versenden ja auch deutschlandweit mit Kühlpads“, erklärt Schulte.

Zugänglich für andere Händler

Und die einfache Gestaltung fördert die universelle Nutzbarkeit: „Wir müssen mal schauen, ob wir das anderen Händlern zugängig machen“, sagt der Geschäftsführer. Das wäre der große Unterschied zu DHL-Boxen, die nur DHL nutzt. Alexander Stuckenholz sieht darin die Zukunft: „Für einen einzelnen Anbieter wird sich das wahrscheinlich nicht rentieren.“

Und wann beginnt der Test? Christian Schulte muss schätzen: „Unser Laden ist in einem denkmalgeschützten Haus; wir brauchen eine Genehmigung. Drei Monate wären wohl optimistisch.“ Optimistisch ist er auch, was den Einkauf der Zukunft in ländlichen Regionen angeht: „Innovationen müssen nicht immer in den Großstädten stattfinden.“

Interesse jedenfalls scheint vorhanden zu sein. „Nach einer Ankündigung des Projekts durch die Hochschule haben wir schon mehrere Anfragen von Bioläden und von der Landwirtschaftskammer bekommen“, erklärt Stuckenholz. Wie das so geht, wenn eine Idee überzeugt.

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