Digitalisierung

Digitalisierung: Das Tempo wächst, der Mensch muss mit

Ein 3-D-Drucker bringt eine isolierende Schicht Keramik auf einen Elektromotor. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland investieren laut einer Studie in die Digitalisierung.

Ein 3-D-Drucker bringt eine isolierende Schicht Keramik auf einen Elektromotor. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland investieren laut einer Studie in die Digitalisierung.

Foto: Jan Woitas

Bochum.   Die Telekom bringt in der Bochumer Jahrhunderthalle 2000 Unternehmer zusammen. Es ist der Start einer Veranstaltungsreihe.

„Hätten Sie ein Programm für mich?“ „Die Agenda? Die haben Sie auf der App.“ Aber weil der Reporter die App nicht hat, findet sich doch noch ein gedrucktes Exemplar, so anachronistisch das auch sein mag für eine digitale – ja: Was ist das genau, was die Telekom da in der Bochumer Jahrhunderthalle veranstaltet? 2000 Unternehmer treffen sich, 27 Referenten sprechen auf vier Bühnen, Kontakte werden geknüpft und Geschäfte angebahnt: Digital X heißt die Veranstaltung, das erste von sechs regionalen Treffen; den Abschluss bildet Ende Oktober die bundesweite Digital X in Köln.

Michael Looschen, Vizepräsident Geschäftskundenmanagement bei der Telekom, erklärt die Absicht: „2017 auf der Cebit haben wir festgestellt, dass wir näher zu unseren Mittelstandskunden gehen und mit unseren Partnern gemeinsame Lösungen anbieten müssen.“ 2018 gab es Veranstaltungen im kleinen Rahmen, 2019 bespielt man große Hallen. Das Ziel ist immer das gleiche: Die Digitalisierung voranbringen.

Start-ups werden günstiger

„Verlassen Sie sich nicht auf ihr Bauchgefühl und die Erfahrungen der Vergangenheit“, warnt Peter Arbitter von der Telekom, „die Geschwindigkeit wird gewaltig zunehmen.“ Aus vielen Gründen: Die Rechenleistung wächst. Menschen sparen Zeit. Es gibt Kapital im Überfluss. Technologien werden günstiger: Im Jahr 2000 musste ein Start-up im Schnitt 5 Millionen US-Dollar aufbringen, 2011 reichten 5000. 2025 werden 8 Milliarden Menschen vernetzt sein. Die Vernetzung von Hirn und Rechner wird mehr schöpferisches Genie hervorbringen. Das klingt schön.

Christoph Dammermann vom NRW-Digitalisierungsministerium hat es mit den Problemen der Gegenwart zu tun, mit der mangelnden digitalen Infrastruktur etwa. Die Landesregierung will nun insbesondere Gewerbegebiete sowie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen mit schnellem Internet versorgen und den Mittelstand inklusive des Handwerks digital aufrüsten: „Selbst vom Steinmetz erwartet der Kunde künftig ein Modell aus dem 3D-Drucker.“

Die Realität sieht leider noch so aus: Samsung kündigt für den Sommer die Einführung des 5G-fähigen Galaxy-S10-Smartphones an, das alle Daten in einem Gerät vereinen soll und es ermöglicht, überall einen Desktop-Arbeitsplatz zu nutzen. Aber 5G ist in Deutschland noch Zukunftsmusik.

Intelligent vernetzte Tore

Was Mittelständler schon jetzt tun können, erläutert Jörg Fischer von der Hörmann AG aus Steinhagen, Weltmarktführer bei Industrietoren. Die sind jetzt intelligent vernetzt, die Torsteuerung überträgt Daten in die Cloud, ein Servicetechniker kann mit diesen seinen Einsatz vorbereiten und die entsprechenden Ersatzteile mitbringen. Andere auftretende Probleme können gleich online gelöst werden. Dafür gab es einen Preis in der Kategorie digitale Produkte und Dienstleistungen.

So kann das funktionieren. Aber Stefan Peukert, der noch an der Uni Witten/Herdecke mit Kommilitonen die Plattform Meinpraktikum.de gründete (sie ist inzwischen an Bertelsmann verkauft) und heute Geschäftsführer der e-Learning Plattform Masterplan ist und Unternehmen berät, meint: „Es reicht nicht, ein bestehendes Geschäftsmodell etwas digitaler zu machen, sondern die Unternehmen müssen sich im Kern ändern und ein neues Modell entwickeln. Das geht nur, wenn sie die Mitarbeiter mitnehmen, die oft noch Angst haben.“ Ohne Menschen geht es eben auch digital nicht.

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