Kompetenzzentrum in Siegen

Digitalisierung mit menschlichem Antlitz

Das schafft nicht einmal jeder Mensch: ein Weizenbier richtig einzuschenken. Auf der Hannover Messe erledigt das ein Roboter. Foto:FABIAN BIMMER/REUTERS

Das schafft nicht einmal jeder Mensch: ein Weizenbier richtig einzuschenken. Auf der Hannover Messe erledigt das ein Roboter. Foto:FABIAN BIMMER/REUTERS

Siegen.   Das neues Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 will auch die Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigen. Offizieller Start im Frühherbst.

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Die Wirtschaftswissenschaftler der Uni Siegen befassen sich schwerpunktmäßig mit der Wirtschaft ihrer Region – also mit dem Mittelstand. Und die Wirtschaftsinformatiker haben die Digitalisierung im Blick. Deshalb war die Ansiedlung eines neuen „Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0“ naheliegend. Aber nicht selbstverständlich: Siegen ist erst der zweite Standort in NRW. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert solche Knotenpunkte derzeit bundesweit. Ende des Jahres sollen es 23 sein.

In Siegen ist die offzielle Eröffnung für den Spätsommer/Frühherbst geplant, doch jetzt wurde schon ein wenig vorgefeiert. Vor allem der Umzug der Wirtschafts-Fakultät ins Untere Schloss. Aber auch zum neuen Zentrum standen Experten Rede und Antwort.

Der Dekan

Für Prof. Volker Wulf, Dekan der Wirtschafts-Fakultät, legt besonderen Wert darauf, der „Digitalisierung ein menschliches Antlitz“ zu geben: „Wir wollen keine Vollautomatisierung, sondern mit qualifizierter Arbeit auch künftig effizient am Weltmarkt tätig sein.“ In mittelständischen Unternehmen der Region werde man die spezifische Situation betrachten und individuelle Lösungen suchen. Dabei sollen Betriebsräte und Gewerkschaften einbezogen werden.

Der Landrat

Landrat Andreas Müller (SPD) lobt diese Ausrichtung der Forschung auf die Bedürfnisse der Beschäftigten und betont, Basis sei die Infrastruktur, die Breitbandversorgung in der Fläche: „Bald rücken die Bagger an. Mit 15 Millionen Euro Fördergeld von Bund und Land erreichen wir Ende 2018 eine 50-Mbit-Abdeckung von 98 Prozent plus.“

Der Staatssekretär

Dirk Wiese (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, lobt die bisherige Arbeit der Uni Siegen im Bereich Usability, sieht das Kompetenzzentrum als Aushängeschild für die Region und verspricht eine enge Abstimmung und Vernetzung der unterschiedlich orientierten Zentren (im Hamburg geht es zum Beispiel um Logistik) miteinander.

Die Kammer

Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, hat einige Antworten – „Die Digitalisierung eröffnet unendlich viele Optionen und löst eine unbeschreibliche Bereitschaft aus zu erfinden.“ „Die Größe der Betriebe ist nicht wichtig, sondern das Tempo der Veränderungen.“ – und viele Fragen: Was heißt das für Arbeitsteilung und Hierarchie in Unternehmen? Welche Rolle können Verbände, Gewerkschaften und Kammern noch spielen? Taugen die Ausbildungs- und Bildungssysteme noch? Müsste die zweite Fremdsprache nicht eine Programmiersprache sein? Was bedeutet der kostenlose Einbau Dritter (iPhone-Kunden) in die Wertschöpfungskette? „Alle diese Fragen kann kein Akteur allein lösen.“ Deshalb sei Vernetzung so wichtig.

Der Informatiker

Prof. Matthias Jarke ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin. Er sagt, worauf es für Unternehmen ankommt: Produkte müssen durch Dienstleistungen angereichert werden, Flexibilität und Kundenfreundlichkeit sind steigerbar. Know-how-Austausch ist schön, aber der Weg zur Industriespionage nicht weit. Der Umgang mit riesigen Datenmengen muss im Mittelstand noch gelernt werden - möglichst über Netzwerke. Für Seh- oder Hörbehinderte entstehen ganz neue Arbeitsmöglichkeiten.

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