Computerspiele

Ostwestfale macht Senioren für die Computerspielwelt fit

Generation Atari: Auf den Spiele-Messen sind die Silver Gamer längst angekommen.Foto:imago stock&people

Generation Atari: Auf den Spiele-Messen sind die Silver Gamer längst angekommen.Foto:imago stock&people

Hagen/Soest.  Software-Entwickler Maik Hanau bringt Senioren die Welt der Computerspiele näher. Dafür hat der Ostwestfale etwas Besonderes entwickelt.

Elektrotechnik-Ingenieur Maik Hanau hat eine Mission: Der ehemalige Student der Fachhochschule Südwestfalen in Soest will Senioren die Welt der Computerspiele erschließen, genauer: die Welt der beruhigenden Pixelmännchen, die jenseits von Ego-Shootern für einen Aquariumeffekt sorgen.

Dafür hat der Software-Entwickler und gebürtige Ostwestfale das Internetportal „Pixelpenne“ ins Leben gerufen. Dort erhalten Computerspiele-Anfänger die nötigen Informationen für einen erfolgreichen Start.

Ein halbes Jahr Arbeit

Fast ein halbes Jahr arbeitete Hanau an seiner Seite. Vor zwei Monaten ging sie online. Nutzern werden dort nicht nur Fachchinesisch, sondern auch Hardware wie Konsolen erklärt. Er gibt Tipps bezüglich der persönlichen Anforderungen an ältere Spieler. Für spezielle Fragen wird ein Forum angeboten, in dem man sich mit Experten austauschen kann.

„Mir geht es darum, Berührungsängste zu nehmen“, sagt Hanau. Die Idee für sein Projekt kam dem 37-Jährigen als ihn immer wieder Menschen aus seinem Freundeskreis ansprachen, die nicht mit Computern vertraut waren.

Nachhilfe im Netz sucht man vergeblich

„Irgendwann habe ich beschlossen, daran etwas zu ändern.“ Fachzeitschriften und Bücher zu dem Thema gebe es genug. „Aber niemand holt die Menschen wirklich ab.“ Im Netz suche man eine vergleichbar umfassende Nachhilfe für Computerspiel-Interessierte vergeblich.

Für Maik Hanau ist das Projekt ein Hobby. „Ich verdiene daran nichts. Irgendwann einmal soll Werbung zumindest die Kosten decken.“ Dass der Vlothoer aus purer Leidenschaft täglich an seinem mittlerweile auf 180 Seiten angewachsenem Portal arbeitet, darauf deutet auch die Internetseite corsaforum.de hin.

Zehntausende Nutzer

Die stellte Hanau 1997 ins Netz. „Ein paar Wochen nachdem ich meinen ersten Pkw gekauft hatte.“ Mittlerweile hat die Seite, die mit Tuning- und Reparaturtipps glänzt, Zehntausende von Nutzern. Ein Bekannter hat sie von ihm vor Jahren übernommen.

Pixelpenne sieht der Ingenieur als Bindeglied zwischen dem riesigen Spiele-Angebot und älteren Menschen, die bei den Silver Gamern, wie die Spiele-Industrie in Anspielung auf das graue Haar ihre neue Zielgruppe nennt, mitmischen wollen.

Mehr als nur Ballerspiele

Für Hanau sind moderne Videospiele mehr als nur Ballerspiele: „Sie sind zum Teil fantastische Kunstwerke, die durchaus auch anspruchsvolle Unterhaltung bieten.“ Und die sollten auch Senioren nicht verschlossen bleiben.

Jörg Müller-Lietzkow, Professor am Institut für Medienwissenschaft an der Universität Paderborn, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit dem digitalen Markt. „Die Zahl der Silver Gamer steigt tatsächlich“, berichtet er dieser Zeitung. Die stetige Vereinfachung der Bedienung reduziere die Angstschwellen. Außerdem seien die Spiele durch den Einsatz von Smartphones und Tablets als Casual Games zugänglicher geworden.

Generation Atari

Manche Silver Gamer, so Müller-Lietzkow, seien aber schlicht mit den Spielen alt geworden: „Immerhin gibt es die Computerspiele-Industrie seit 45 Jahren.“ Einen Spezialmarkt für die „Generation C64“ oder „Generation Atari“ suche man vergeblich.

„Die Mehrzahl der älteren Spielergeneration spielt das, was sie aus ihrer Jugendzeit kennt: Spiele, die an klassische Brettspiele angelehnt sind“, berichtet der Professor. Vor allem ab 70 schlage die Stunde der „Serious Games“, der ernsthaften Spiele, die das Gedächtnis trainierten oder bei denen man etwas lerne. Unter dem neuen Trend leide allerdings die Brettspielkultur: „Mensch ärgere dich nicht, Kartenspiele, all das ist in Deutschland auf dem Rückzug.“

Therapeutische Computerspiele

Zahllose Studien, darauf weist Müller-Lietzkow hin, belegten, dass ältere Menschen durch „Serious Games“ etwas lernen können. Die Forschung zu diesen Spielen wachse rasant. „Mittlerweile werden spezielle Computerspiele therapeutisch genutzt, zum Beispiel als Bewegungstraining für Demenzkranke.“ Nichts spreche dagegen, dass durch kognitive Aktivitäten das Gedächtnis gefördert wird. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, könnte man Maik Hanaus Initiative als positiv bezeichnen.

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