Wilderer im Hasper Wald

Dubiose Schüsse stören nächtliche Ruhe in Hagens Wäldern

Jagdaufseher Jürgen Blasberg wünscht sich, dass die Hagener den Tieren des Waldes den notwendigen Respekt entgegenbringen. Stattdessen muss er sich mit Wilderern, streunenden Hunden und Müll herumärgern. Foto:Michael Kleinrensing

Jagdaufseher Jürgen Blasberg wünscht sich, dass die Hagener den Tieren des Waldes den notwendigen Respekt entgegenbringen. Stattdessen muss er sich mit Wilderern, streunenden Hunden und Müll herumärgern. Foto:Michael Kleinrensing

Haspe.   Das gibt es nicht bloß in alpinistisch angehauchten Heimatfilmen – auch in Hagens Wäldern sind Wilderer unterwegs. Und sie sind schwer zu packen.

Der markdurchdringende Knall eines Schusses durchbricht die Stille der Nacht. Offensichtlich ist ein Wilderer in den Hasper Wäldern entlang der Grundschötteler Straße unterwegs. Wenn es sich um einen legitimierten Jäger handeln würde, wäre Jürgen Blasberg informiert. Jetzt muss der engagierte Jagdaufseher davon ausgehen, dass in seinem Bezirk – dieser umfasst den Hasper Norden zwischen Spielbrink und Gevelsberger Stadtgrenze – im Schutze der Dunkelheit jemand illegal auf Tiere anlegt.

Schüsse in der Nacht

Mehrfach im Monat wird der 52-Jährige von Informanten aus seinen Netzwerken auch nachts alarmiert, dass ungewöhnliche Aktivitäten oder gar Mündungsfeuer in den Hasper Forstrevieren für Aufmerksamkeit sorgen. Mal sind es Leute, die als Besitzer eines kleinen Waffenscheins schlichtweg ihre Schreckschusspistole ausprobieren, mal sind es klassische Wilderer, die aus purer Jagdlust und mit der Hoffnung auf billige Beute bevorzugt auf Rehwild anlegen.

Konkret erwischt hat der amtlich bestätigte Jagdaufseher, der zu ganz unterschiedlichen Zeiten seit sechs Jahren nahezu täglich und vor allem ehrenamtlich durch sein 400 Hektar großes Zuständigkeitsgebiet streift, bislang noch nie einen dieser kriminellen Schützen: „Das ist auch nicht ganz ungefährlich, diese Leute sind schließlich bewaffnet“, hofft Blasberg darauf, sich zumindest mal das Autokennzeichen eines Verdächtigen notieren zu können.

Doch meist entdeckt er nur noch das, was der eilige Jagdfrevler in der Dunkelheit vergeblich gesucht und dann sterbend zurückgelassen hat. Zuletzt lag unweit der Grundschötteler Straße ein verendetes Reh im Gras – von einem Kleinkalibergewehr tödlich verletzt. „Der Treffer stammte nicht aus der Waffe eines ausgebildeten Jägers, das Tier ist elendig gestorben“, konnte Blasberg bloß noch Anzeige erstatten, um den Fall bei der Kripo zumindest aktenkundig zu machen.

„Uns bleibt nichts anderes übrig, als Präsenz zu zeigen und dabei immer wieder an die Menschen zu appellieren, einerseits die Lebens- und Rückzugsräume der Tiere zu respektieren und andererseits Verdächtige den Jagdaufsehern oder direkt der Polizei zu melden.“

Gefahr durch streunende Hunde

Dabei blickt er auch auf jene Hundehalter, die ihre Tiere abseits der Wege durchs Gehölz streifen lassen: „Wenn ein Hund im Winter ein Reh verfolgt, kann das tödlich sein. Die Tiere haben bei Kälte einen anderen Stoffwechsel und zehren bei der Flucht ihre Fettreserven auf. Passiert solch eine Hetzjagd zweimal, kann das Reh seine Reserven bei Schneelagen durch äsen nicht mehr auffüllen.“

Aber auch für trächtige Ricken können Nachstellungen durch streunende Hunde tödlich enden: Der Stress löst blutige Fehlgeburten aus. „Wir reden daher viel mit Hundehaltern, und meist zeigen diese auch Verständnis“, setzt der Jagdaufseher auf offenen Austausch. Dennoch muss er immer wieder beobachten, dass in den Brut- und Setzzeiten Hunde über Futterwiesen tollen, dort Jungtiere im hohen Gras beschnuppern, die im Anschluss von ihren Muttertieren angesichts des fremden Geruchsbildes im Stich gelassen werden und verhungern.

Vielfalt als Reichtum der Natur

„Wir sollten in Hagen gemeinsam auf das aufpassen, worauf wir so stolz sind – nämlich die Natur“, berichtet Blasberg nicht bloß von Rehwild, Füchsen, Dachsen und Mardern, sondern auch von Feldhasen, Eulen, Uhus und Rotmilanen. Lediglich Fasane, Rebhühner und Wildschweine sind im Hasper Norden seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet worden, während auf den Höhen der gegenüberliegenden Ennepe-Seite die Schwarzkittel im Übermaß durchs Unterholz streifen.

„Diese Vielfalt sollten wir wertschätzen und bewahren“, hofft er bei seinen täglichen Runden durch sein Revier auf die Vernunft und die Unterstützung all derer, die die Hagener Wälder als Naherholungsraum genießen.

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