Ausstellung

Duckomenta schreibt Kunstgeschichte um

Raffaels Engel sind auf die Ente gekommen.

Foto: Interduck

Raffaels Engel sind auf die Ente gekommen.

Lennestadt.   Im Galileo-Park in Lennestadt sind die verrückten Enten unterwegs. In der Duckomenta begegnet der Besucher einem humorvollen Paralleluniversum.

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Die Menschheitsgeschichte beginnt mit dem ersten Affen, der vom Baum klettert. Aber stimmt das auch? Sind nicht vielmehr die Enten (Anatidae) die Pioniere des aufrechten Ganges? Neue Funde etwa zum Anas neanderthalensis oder Anas sapiens legen das nahe. Im Galileo-Park in Lennestadt-Meggen kann man jetzt diese Alternativhistorie in der neuen Duckomenta-Ausstellung erforschen. Von der Urhöhle bis zu den Men in Black und von der Nofretete bis zur Mona Lisa lässt die Schau nur einen Schluss zu: Die Enten sind mitten unter uns und haben uns auf allen Wegen durch die Hochkulturen der Erdzeitalter begleitet.

Ein Kunstprojekt

Die Duckomenta ist ein Kunstprojekt. Seit 1986 hat die Berliner Künstlergruppe Interduck ebenso kontinuierlich wie leidenschaftlich die Welt durch eine Brille auf dem gelben Schnabel betrachtet. Mehr als zwei Millionen Besucher bewunderten dieses Paralleluniversum bisher in zahlreichen Ausstellungen ebenso fröhlich wie erstaunt. Auch in Lennestadt wurden die Enten bereits gefeiert. Nun sind sie zurückgekehrt.

Der Erzähltrick besteht ganz einfach darin, die Perspektive zu wechseln. Die Gletschermumie Ötzi ist allenthalben bekannt. Aber tatsächlich lag der Erpel Dötzi schon länger im ewigen Eis. Die Königin Duckfretete gilt bis heute als eine der schönsten Enten der Welt; die Mona Lisa hat einen Schnabel, und ein unautorisiertes Cranach-Porträt zeigt, wie Martin Luther wirklich ausgesehen habehn könnte.

Die Evolution der Ente bis in die Moderne

Anhand der großen archäologischen Funde und Kunstwerke erklärt die Duckomenta, woher die Enten kommen und wie sie sich von der Antike über das Mittelalter bis zu Renaissance, Barock, Rokoko, Biedermeier und Moderne entwickelt haben. Eine kleine Ente wird vom Fernweh auf den höchsten Gipfel der Welt getrieben und inspiriert den Maler Caspar David Friedrich zu seinem berühmten Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“. Karl Marx hieß in Wirklichkeit Karl Ducks, und Monets Seerosenteich ist ein Paradies für Wassergeflügel.

Die einzelnen Epochen und Situationen sind bis ins Kleinste liebevoll inszeniert, und es lohnt sich, genüsslich nach den Details zu forschen. Denn die Interduck-Künstler lassen nichts aus. So sind beispielsweise die Römer nicht als erste über die Alpen gezogen, wie eine Gesichtsurne aus einer Grabung bei Lennestadt belegt. Die Archäologen vermuten nach diesem Fund, dass mutige Enten bereits vor den Legionen nach Nordeuropa vorgedrungen sind.

Verfremdungseffekt

Besonders hintersinnig wird das Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit, wenn die Comic-Enten aus dem Disney-Imperium in der Kunstszene Fuß fassen. Die ersten Versuche der anatiden Erdbewohner, ins All vorzudringen, bleiben dagegen ausgesprochen rätselhaft. Denn die Enten-Zivilisation ist eines Tages fast spurlos von der blauen Lugel verschwunden. Nur ein kleiner Fußabdruck auf dem Mond verrät ihre interstellaren Ambitionen. In welche Galaxis mag es sie verschlagen haben? Die Forschung geht weiter, und die Geschichte der Enten ist noch nicht zu Ende erzählt.

Die Ausstellung ist vor allem für Familien interessant. Denn der Wiedererkennungseffekt macht Spaß, aber die Verfremdung erweist sich als erstaunlich lehrreich. Wer sich durch den Geschichts- und Kunstunterricht in der Schule gequält hat, kann jetzt Elvis Ducksley in Las Vegas entdecken und lernen, dass Vincent van Gogh in Wirklichkeit van Dugh hieß. Die Botschaft dahinter ist ebenso humorvoll wie anarchistisch. Sie persifliert den Originalitätswahn des gegenwärtigen Kunstmarktes. Und sie beweist, dass selbst unumstößliche Gewissheiten in Wahrheit Enten sein können.

www.galileo-park.de

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