Stellenabbau

Dura droht Arbeitskampf nach Ablehnung des Schlichterspruchs

Beim Automobilzulieferer Dura stehen die Zeichen auf Arbeitskampf.

Beim Automobilzulieferer Dura stehen die Zeichen auf Arbeitskampf.

Foto: Funke Foto Services

Plettenberg/Kirchhundem.   Die Geschäftsführung hüllt sich nach Ablehnung des Schlichtervorschlags in Schweigen. Wache vor dem Werkstor. Arbeitsniederlegungen werden immer wahrscheinlicher.

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Nach der Ablehnung des Schlichterspruchs (u. a. Abbau auf 532 Stellen bis Ende 2017) am Freitag schweigt sich die Dura-Unternehmensführung erst einmal aus. Dabei wird gerade jetzt eine Frage immer drängender: Wie geht es mit dem angeschlagenen Automobilzulieferer mit seinen rund 1300 Beschäftigten im Sauerland weiter?

Die Geschäftsführung

Es gebe „keine Neuigkeiten“, ließ das Unternehmen über eine Münchener PR-Agentur auf unsere Nachfrage gestern mitteilen. Die Holding, hinter der die US-amerikanische Geschäftsfrau Lynn Tilton steht, und ihre Verhandler vor Ort spielen einmal mehr auf Zeit – mit jeder Woche, die verrinnt, dürfte allerdings am Ende die Sanierung des Betriebs schwieriger werden. Und vor allem auch teurer. Im Abwarten des Unternehmens sehen nicht wenige den Versuch, US-amerikanische Umgangsformen bei der Betriebssanierung durchzusetzen – trotz deutscher Sozialgesetzgebung und deutschem Arbeitsrecht. Nur zur Erinnerung: Die ersten Nachrichten von einem geplanten massiven Stellenabbau datieren von Dezember 2015.

Die Gewerkschaft

„Wir sind weiter gesprächsbereit“, sagt ein Sprecher der IG Metall Märkischer Kreis, die die Arbeitnehmerseite in der Auseinandersetzung vertritt, auf unsere Nachfrage – und spielt den Ball damit den Dura-Verantwortlichen zurück. Um die andere Seite wieder an den Verhandlungstisch zu holen, werden nach Informationen dieser Zeitung Arbeitskampfmaßnahmen immer wahrscheinlicher. Schon am Wochenende gab es in Plettenberg eine Torwache: Damit kein Beschäftigter Mehrarbeit am Wochenende schiebt. Diese Möglichkeit hat der Arbeitgeber mit der Ablehnung des Vorschlags von Landesschlichterin Anja Weber am Freitag gleich mit vertan; bei Zustimmung wäre die Mehrarbeit an Wochenenden bis Jahresende geregelt gewesen. „Der Arbeitgeber beschwert sich über mangelnde Produktionskapazitäten, vertut aber die Chance zur Fortsetzung der Mehrarbeit“, kommentiert die IG Metall. Nach dem Scheitern der Verhandlungen über einen Sozialplan hatte der Dura-Betriebsrat erfolgreich vor dem Arbeitsgericht Lüdenscheid geklagt: Anordnungen zu Mehrarbeit muss der Betriebsrat zustimmen, entschieden die Richter Mitte Juli. Und diese Zustimmung geben die Arbeitnehmervertreter in der festgefahrenen Situation nicht.

Die Aussicht

Es soll, abseits des Unternehmer-Angebots, das Werk Leisten & Blenden für einen Euro an die Mitarbeiter zu verramschen, durchaus Übernahmeinteressenten geben – die wollen aber wenn, dann wohl nur das gesamte Dura-Europageschäft haben. Offenbar stimmen bisher Angebot und Preisvorstellungen nicht überein. Derweil fragen sich IG Metall und Dura-Betriebsrat nach dem Abbruch der Sozialplanverhandlungen und der Ablehnung des Schlichterspruchs, wie ernst die Unternehmensleitung die Verhandlungen über eine Sanierung (noch) meint. Die einzigen, die für Aufklärung sorgen könnten, sind die Dura-Verantwortlichen. Aber die haben offenbar derzeit nichts zu sagen.

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