Zukunft

Studie findet heraus: E-Mobilität gefährdet Arbeitsplätze

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Montage eines E-Golfs in Dresden. In den nächsten fünf Jahren will der Konzern 30 Milliarden Euro in E-Mobilität investieren.

Montage eines E-Golfs in Dresden. In den nächsten fünf Jahren will der Konzern 30 Milliarden Euro in E-Mobilität investieren.

Foto: Arno Burgi/dpa

Frankfurt/Main.  Laut Fraunhofer-Institut sind alleine 75000 Jobs bis 2030 in der Fertigung von Antriebssträngen gefährdet. Zulieferer bangen um Aufträge.

Die Elektromobilität wird laut Fraunhofer-Institut in der Automobilindustrie zu massiven Arbeitsplatzverlusten führen. Allein in der Fertigung von Antriebssträngen mit heute rund 210 .000 Jobs könnte es unter dem Strich in Deutschland 2030 etwa 75. 000 Arbeitsplätze weniger geben.

Zu diesem Schluss kommt die von der Industriegewerkschaft Metall in Auftrag gegebene Studie „Wirkungen der Fahrzeugelektrifizierung auf die Beschäftigung am Standort Deutschland (ELAB)“ des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

IG Metall bangt um Jobs

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, macht keinen Hehl daraus, dass er spezialisierte Zulieferer aus der zweiten und dritten Reihe, die heute allein Produkte für Antriebsstränge für Verbrennermotoren herstellen, für hochgradig gefährdet hält.

„Sie haben häufig weder ausreichend Finanz- noch die Innovationskraft, um diesen Umbruch zu überstehen.“ Es werde gerade im Bereich der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) Zulieferer geben, die ihre Geschäftsmodelle nicht mehr verändern können, prognostizierte der Gewerkschaftschef am Montagabend in Frankfurt.

BMW, Volkswagen und Co. an Studie beteiligt

BMW, Volkswagen, Daimler, aber auch große Zulieferer wie Bosch, ZF Friedrichshafen, Schaeffler und Mahle sowie der Verband der Automobilindustrie haben sich an der Studie beteiligt, die Ende des Monats veröffentlicht wird und in Auszügen dieser Zeitung vorliegt.

Nach IAO-Angaben repräsentieren die beteiligten Unternehmen mehr als die Hälfte der Wertschöpfungskette in der Antriebstechnik in Deutschland. Im Gegensatz zur ersten ELAB-Studie aus dem Jahr 2012 hat das IAO nun sehr detailliert auch auf die Auswirkungen für Zulieferer geschaut.

Studie zeigt: Konsequenzen für Arbeitsplätze

„Diese Studie gibt jetzt konkrete Hinweise auf personelle Konsequenzen, weil die Ergebnisse skalierbar sind“, versichert Hofmann. Im Gegensatz zu 2012 und zu den meisten anderen aktuellen Studien zur Elektromobilität, kommt die aktuelle IAO-Studie erstmals zu dem Ergebnis, dass in den nächsten Jahren mit massiven Arbeitsplatzverlusten zu rechnen ist.

„Es ist höchstwahrscheinlich, dass der Personalbedarf (in der Automobilbranche/Red.) durch Elektrifizierung abnehmen wird. Das kann man nicht mehr wegdiskutieren“, erklärt IAO-Institutsdirektor Oliver Riedel. Es sei allerdings noch früh genug, um auf Basis dieser Zahlen entsprechend zu reagieren.

Hofmann und Riedel halten es allerdings für zwingend, dass die Bundesregierung den Strukturwandel mit geeigneten Maßnahmen zur Qualifizierung, Innovationsförderung und mit Arbeitsmarkt-Förderinstrumenten begleitet.

VW investiert 30 Milliarden Euro

Abgeleitet wird diese Forderung an die Politik aus dem direkten Zusammenhang zur Einhaltung von Klimaschutzzielen, also der Reduktion des CO2-Ausstoßes. Die Gewerkschaft halte die Ziele für machbar und trage sie auch mit, „aber wir müssen nicht nur über Klimaschutz nachdenken, sondern auch über Perspektiven für Beschäftigte“, fordert Hofmann.

Der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh sieht den weltgrößten Autobauer bei diesem Thema gut aufgestellt. VW werde in den nächsten fünf Jahren rund 30 Milliarden Euro in Elektrifizierung investieren, „aber vielleicht kommt ja auch die Brennstoffzelle, am Ende entscheidet der Kunde“.

E-Auto schneller gebaut als Diesel

Elektrofahrzeuge seien in jedem Fall schneller gebaut als Verbrenner. Für einen konventionellen Golf brauche VW beim Zusammenbau heute rund 20 Stunden, „für den E-Golf vielleicht 14 oder 15 Stunden“, sagt Osterloh. Der Fertigungsaufwand für einen Elektro- im Gegensatz zum Dieselmotor mit einem Vielfachen an Teilen liege bei „eins zu zehn“, erklärt der Bosch-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hartwig Geisel: „Das sind dramatische Einschnitte.“

Aussagen, die die Ergebnisse der ELAB2-Studie realistisch erscheinen lassen, auch wenn es zahlreiche Unwägbarkeiten gibt. Betrachtet wurden die Auswirkungen in Deutschland mit Blick auf den europäischen Markt, während ELAB1 noch auf globalen Annahmen basierte.

Die Fokussierung dient einer exakteren Annäherung an die Wirklichkeit. Als wahrscheinlich angenommen wird, dass bis 2030 ein Viertel der Fahrzeuge in Deutschland rein elektrisch angetrieben wird, 15 Prozent Plug-in-Hybride sind und 60 Prozent mit Otto- oder Dieselmotor fahren.

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