Glasfasernetz

Ein breites Band an Förderungen in Südwestfalen

Es sieht ganz harmlos aus, kann aber viel transportieren: Glasfaserkabel sind Voraussetzung für das schnelle Internet.  Bildfunk+++

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Es sieht ganz harmlos aus, kann aber viel transportieren: Glasfaserkabel sind Voraussetzung für das schnelle Internet. Bildfunk+++ Foto: dpa

Südwestfalen.   Das schnelle Internet kommt auch aufs Land. Nur nicht so schnell. EU, Bund und Land geben Geld aus vielen Töpfen. Ständig werden neue Projekte bewilligt.

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So ein guter, alter DSL-2000-Anschluss, kann schon etwas: ein PDF-Dokument übertragen etwa. Wenn das zehn Megabit groß ist, dauert es acht Minuten. Mit Glasfaserkabel ginge es in 0,8 Sekunden. Das ist nicht ein wenig besser, das ist eine andere Welt. Teile Südwestfalens leben noch in der alten Welt. Ohne schnelles Internet. Mit 100 Millionen Euro, die aus Fördertöpfen von Bund und EU stammen, will die Landesregierung nun speziell in ländlichen Gebieten den Breitbandausbau fördern. Da müsste doch Jubel aufkommen. Oder Panik, weil noch keine Förderanträge fertig sind?

Weder noch. Zum einen klingt 100 Millionen zwar viel, aber das Geld ist für ganz NRW gedacht. Und ein flächendeckendes Glasfasernetz nur für Südwestfalen würde je nach Ausbauquote schon zwischen 317 und 910 Millionen Euro kosten. „Wir gehen aktuell von 430 Millionen Euro für 85 Prozent der Haushalte aus“, sagt Stefan Glusa von der Telekommunikationsgesellschaft (TKG) Südwestfalen, in der die fünf südwestfälischen Kreise zusammengeschlossen sind. Und allein im Ennepe-Ruhr-Kreis rechnet Breitbandkoordinator Ulrich Schilling mit 121 Millionen Euro für den flächendeckenden Ausbau. „Peanuts“, sagt er deshalb zum neuen Programm. Und was ihn noch ärgert: „Die 100 Millionen gibt es gar nicht zusätzlich. Die sind aus einem alten Topf.“

Was den Laien noch verwirrt: Was denn nun: flächendeckend oder 85 Prozent? Beides. Das ist auf allen politischen Ebenen der Sprachgebrauch: Flächendeckend heißt 85 Prozent. Das lässt dementsprechend viele weiße Flecken.

Der zweite Grund, aus dem nun nicht plötzlich alles anders wird: Die angeblich zusätzlichen 100 Millionen sind nur eines von vielen Förderprogrammen. Es wird also bereits seit Jahren - nahezu flächendeckend - Fördergeld beantragt und bewilligt. „Wir haben bereits drei Förderprojekte abgeschlossen und werden im Sommer neue beantragen“, erklärt Schilling. Die TKG verweist darauf, dass der Kreis Olpe gerade sechs Millionen bekommen habe, Siegen-Wittgenstein einen Antrag gestellt und der HSK, der Märkische Kreis und der Kreis Soest dies im dritten Quartal tun würden: „Wir werden für Südwestfalen so viel wie möglich herausholen“, verspricht Glusa.

Platz 1 der Flächenländer

Das Problem: Die Kosten sind so unterschiedlich - das geht von ein paar hundert bis ein paar tauschend Euro pro Bürger. Und die letzten Prozente, abseits der Ortskerne, sind die teuersten. Immerhin: „NRW liegt auf Platz 1 der Flächenländer“, sagt Glusa. Was auch an den Ballungsgebieten im Land liegt. Deshalb betont er: „Wir dürfen uns nicht ausruhen. Schleswig-Holstein baut derzeit schneller aus.“ Fördergeld sei aber nicht alles: „Programme gibt es genug. Jetzt müssen wir mit dem Bauen hinterherkommen.“ Das heißt? „Es wird dauern.“

Das nun von Umweltminister Johannes Remmel verkündete Förderprogramm ist nur eines von fünf Programmen, von denen Südwestfalen derzeit profitieren kann. Daraus sind in den vergangenen acht Jahren insgesamt 10 Millionen Euro nach Südwestfalen geflossen, teilt ein Sprecher der Bezirksregierung in Arnsberg mit. 800 000 Euro in Gewerbegebiete; 9,2 Millionen gab es für Regionen, in denen die Versorgung unter 6 MBit lag.

Für das aktuelle Programm liegen der Bezirksregierung noch keine Anträge aus Südwestfalen vor, da die Förderrichtlinien nun erst bekannt geworden sind.

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