Energieeffizienz

Ein Haus, das sich mit 15 Teelichtern beheizen lässt

Unternehmensgründerin Ute Lefarth (links) und Diplom-Ingenieurin Anna Kaufhold vor dem Passivhaus in der Wuppertaler Ausstellung.

Foto: Carsten Menzel

Unternehmensgründerin Ute Lefarth (links) und Diplom-Ingenieurin Anna Kaufhold vor dem Passivhaus in der Wuppertaler Ausstellung.

Medebach/Wuppertal.   Aus Medebach kommt ein mustergültiges Passivhaus – mit einem Spitzenwert in der Energieeffizienz. Noch ist die Immobilie ein Luxus-Objekt.

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Nahezu eine Viertelmillion Besucher hat die Fertighauswelt Wuppertal, eine Musterhausausstellung unweit der A 46 in Wuppertal-Oberbarmen, seit der Eröffnung vor fünf Jahren gezählt. Das steht für das Unternehmen Partner-Haus aus Medebach, das zu den 19 Ausstellern gehört, gar nicht so sehr im Vordergrund. Das Passivhaus aus dem Hochsauerland hat innerhalb eines Forschungsprojekts des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP), das alle Musterhäuser der Ausstellung untersucht hat, am besten abgeschnitten.

Für das Jahr 2016 bescheinigt das IBP dem Passivhaus einen Stromüberschuss von rund 5550 Kilowattstunden (kWh/a): mit Abstand der beste aller Werte. Prognostiziert hatte Partner-Haus, berechnet gemäß Energieeinspar-Verordnung (EnEV-Nachweis), einen Überschuss von 3374 kWh/a.

Der Spitzenwert bei der Energieeffizienz ist auf die Planung, die Bauweise und die Energieversorgung des Ein-Familien-Hauses mit 171 Quadratmetern (qm) Wohnfläche zurückzuführen: „Das Haus lässt sich mit 15 Teelichtern heizen“, verdeutlich Anna Kaufhold, Juniorchefin des Familienbetriebs. Oder anders ausgedrückt: „Das Haus ist so energieeffizient, dass ein Kaminofen zwar eingebaut werden kann, der dann aber Wassertaschen braucht, die Energie aufnehmen“.

Luxus-Modell

Die Herangehensweise beschreibt die Diplom-Ingenieurin so: „Nach Süden hin mit viel Fensterflächen zum Sonnenlicht öffnen, nach Norden hin mit kleinen Fenstern abschirmen“, sagt Anna Kaufhold zur Ausrichtung des Gebäudes. Dabei ist auch die Photovoltaikanlage (64 qm) auf dem Dach berücksichtigt. Die Fenster sind dreifach verglast; geheizt – und im Sommer gekühlt – wird die Raumluft über eine Belüftungsanlage und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Wird mehr Strom aus Sonnenlicht produziert als verbraucht, geht die Energie in einen Speicher im Haus oder in eine externe Großbatterie, an die alle Häuser der Ausstellung angeschlossen sind.

Hergestellt ist das Ein-Familien-Haus in Holzständerbauweise; verwendet werden ökologisch einwandfreie Nadelhölzer, „die thermisch behandelt sind und daher ohne Chemie auskommen“, erklärt Anna Kaufhold.

Das Haus in der Ausstellung ist dabei „der Bentley unter den Häusern“ des Unternehmens, vergleicht Kaufhold mit der Autowelt: Das zweigeschossige Gebäude hat, gerade in den beiden Badezimmern und Toiletten, aber auch durch mit LED hinterleuchtete Glaselemente im Treppenhaus, eine Luxusausstattung – alles zusammen schlägt sich im Preis nieder: Rund 280 000 Euro kostet das Ein-Familien-Haus so, wie es in der Musterhausausstellung steht.

14 der 19 ausgestellten Musterhäuser blieben, teils deutlich, unter den vorhergesagten Stromüberschüssen. Das seit 2006 erscheinende Jahresmagazin „Passivhaus-Kompendium“ spricht angesichts der Ergebnisse des Forschungsprojekts von ungenutzten Chancen der Fertighaushersteller, die ihre Werte nicht eingehalten haben, und von Ernüchterung bei den Kunden wegen der nicht eingehaltenen Zusagen.

Alle Häuser haben, so der Betreiber der Fertighauswelt, Energieverbräuche wie ein Ein-Familien-Haus: Durch eine (Außen-)Beleuchtung, die die Gebäude werbewirksam in Szene setzt, und durch Stromverbräuche durch die in den Häusern eingerichteten Büros, in denen Beratungsgespräche stattfinden, und durch Geräte wie Kaffeemaschinen und Computer.

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