Bahn

400-Meter-Zug wäscht tonnenweise Schotter im Gleisbett

Schwerte.   Schotter glänzt wie neu. Waschgang für 42 000 Tonnen Grauwacke nach 25 Jahren im Gleisbett. 400 Meter langer Spezialzug im Einsatz.

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Die Bahn lässt ihren Schotter waschen. Das klingt seltsam. Ein Kessel Graues? Ist Geld über? Will sie von anderen Baustellen ablenken? Schlimmer noch, leiden Vorstandsmitglieder unter Waschzwang? Wer mit einem 400 Meter langen und rollenden gelben Riesen der portionierten Grauwacke im Gleisbett zu Leibe rückt, muss mit Spott rechnen. Ralf Gruner, Leiter Maschineneinsatz der MGW Gleis- und Weichenbau-Gesellschaft aus Berlin, lächelt. Er weiß. Er kennt auch alle Antworten auf die vielen Fragen.

„Schotter muss eckig sein, damit er sich gut verzahnt und den täglichen Belastungen standhält“, sagt Gruner. „Nach gut 25 Jahren sind die Kanten aber abgewetzt und leicht gerundet. Das Gleis wird dadurch instabiler. Besonders auf stark befahrenden Strecken.“ Nicht zuletzt sammelten sich Dreck, der Abrieb der Bremsen und Pflanzenreste. In der Folge verkleinerten sich Hohlräume und das Wasser könne nicht mehr abfließen. All das fördere den baulichen Gesamtzustand nicht.

100 Meter in einer Stunde

Dann ist die Stunde der Hochleistungsbettungsreinigungsmaschine mit integriertem Schotterwaschmodul und Abwasserkläranlage gekommen. Ein Wortungetüm. Daran wäre selbst Klementine, die Waschfrau der Nation, früher gescheitert. Für Fachleute: Es ist die RM 95 - 800 W. Bundesweit sind davon drei Exemplare im Einsatz. Der Kaufpreis liegt bei 25 Millionen Euro. Mit diesem Zug der Weißmacher werden in der Stunde 100 Meter Gleisbett auf Vordermann gebracht. Wo genau? Zwischen Westhofen und Schwerte sowie Schwerte und Heide werden Gleise und Untergrund erneuert. Auf einer Länge von elf Kilometern werden etwa 42 000 Tonnen Schotter recycelt. Was passiert genau?

Eine Panzerkette mit fünf Fingern zieht den Schotter in die Maschine. Hier wird er durch Siebe geschüttelt und gerüttelt. Kleine, unbrauchbare Bestandteile werden entsorgt. Nächste Station: die sogenannte Prallmühle. Hier wird es laut. Die Steine werden gegen Stahlplatten geschleudert, bekommen so neue und scharfe Kanten. Nach dieser Härtebehandlung wartet die Waschmaschine auf Schienen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Grauwacke strahlt porentief rein. Der grau-braune Schleier ist raus.

Die Rechnung geht aus Sicht der Bahn auf. Von den 42 000 Tonnen bearbeitetem Schotter können 25 000 Tonnen wiederverwendet werden. 17 000 Tonnen Neuschotter ergänzen das im neuen Glanz strahlende Gleisbett. Auch aus Gründen des Umweltschutzes zieht die Bahn eine positive Bilanz.

2000 Lkw-Fahrten gespart

Die Aufbereitung des Schotters vor Ort erspart aus ihrer Sicht 2000 Fahrten mit Sattelzügen, das entspreche 150 000 Straßenkilometern. Dadurch würden die Abgasemission erheblich reduziert. Der Preis einer frisch geschwaschenen und wieder verlegten Tonne Schotter wird auf Nachfrage mit 15 bis 30 Euro pro Tonne beziffert.

Die Gesamtkosten für die gesamte Baumaßnahme liegen laut Thomas Laxy, Leiter Bauüberwacher der Bahn, bei drei Millionen Euro. Viel Geld für die Liebe zur Wäsche? Auf den ersten Blick. Laxy: „Insgesamt erhält die Strecke auch 22 000 Meter neue Schienen, über 18 000 Schwellen und eben 17 000 Tonnen neuen Schotter.“

Dass die Baumaßnahme den Reiseverkehr seit Wochen, genau seit dem 17. Juli, erschwert, wissen Bahnreisende längst. Neu ist das Versprechen von Laxy: „Wir haben alles im Griff, wir sind am 30. August um 4 Uhr fertig.“

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