Katholische Kirche

Emeritierter Papst Benedikt irritiert mit Zölibat-Plädoyer

Der emeritierte Papst Benedikt lebt zurückgezogen im Kloster „Mater Ecclesiae“. Das Bild entstand dort, als ihn Papst Franziskus, das Oberhaupt der katholischen Kirche, vor gut einem Jahr besuchte.

Der emeritierte Papst Benedikt lebt zurückgezogen im Kloster „Mater Ecclesiae“. Das Bild entstand dort, als ihn Papst Franziskus, das Oberhaupt der katholischen Kirche, vor gut einem Jahr besuchte.

Foto: dpa

Hagen.  Mit einer Buch-Veröffentlichung bringt der emeritierte Papst Benedikt seinen Nachfolger in die Bredouille. Kirchenvertreter üben Kritik.

Der emeritierte Papst Benedikt (92) hat mit seiner öffentlichen Forderung, die Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) nicht aufzuweichen, nicht nur Reformgruppen innerhalb der katholischen Kirche irritiert. Auch Priester reagierten zum Teil mit Befremden auf das Vorgehen: „Was Benedikt inhaltlich zum Zölibat sagt, teile ich zwar größtenteils“, so Michael Schmitt, Pfarrer im Pastoralverbund Meschede-Bestwig, „nicht verhehlen will ich allerdings, dass ich die Form der Äußerung für sehr befremdlich und insgesamt für unglücklich halte.“

In einem Buch, das am kommenden Mittwoch erscheinen soll, spricht Benedikt gemeinsam mit dem konservativen Kardinal Robert Sarah von einer „dunklen Zeit“, die das Priestertum durchschreite, wie der Verlag Ignatius Press mitteilte. Mit der Veröffentlichung bringt Benedikt seinen Nachfolger Franziskus in die Bredouille. Denn der hatte auf einer Bischofssynode zumindest eine Diskussion über die Ehelosigkeit von Priestern angestoßen und will dazu in Kürze in einem Schreiben Stellung beziehen.

Befürchtung: Gräben in der Kirche werden größer

„Mit seinen Äußerungen fällt Benedikt seinem Nachfolger in den Rücken und schwächt ihn“, findet Andrea Voß-Frick, Mitgründerin der Initiative „Maria 2.0“. Benedikt trage mit seiner Wortmeldung zur Spaltung der Kirche bei, so die Münsteranerin, die in Sundern aufgewachsen ist: „Ich befürchte, dass die Gräben zwischen konservativen Kräften und jenen, die Reformen wollen, noch größer werden.“

Nach Ansicht von Dechant Georg Schröder (Dekanat Hochsauerland-Mitte) sagt der emeritierte Papst zwar nichts Neues. Er mische sich allerdings­ in die aktuelle Kirchenpolitik ein. „Ob dies der katholischen Kirche dient, für die Franziskus das Papstamt inne hat, bezweifle ich.“

Drängendere Themen als die Ehelosigkeit von Priestern

Schwester Katharina Hartleib von den Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung in Olpe hält Benedikts öffentliche Äußerungen zur Ehelosigkeit von Priestern für falsch: „Die Problematik der Kirche an der Zölibatsfrage festzumachen halte ich für viel zu kurz gedacht.“ Es gebe drängendere Fragen.

Das Erzbistum Paderborn wollte am Montag keine Stellungnahme abgeben. „Es geht darum“, erklärte dessen Sprecher Benjamin Krysmann, „weitere Polarisierung zu vermeiden.“ Hilfreicher erscheine es, sich „auf die eigene Arbeit und die anstehenden Aufgaben zu konzentrieren“.

Es ist eines der heikelsten Themen in der katholischen Kirche, das der emeritierte Papst Benedikt in seiner öffentlichen Wortmeldung aufgegriffen hat. Es gebe aber drängendere Fragen als die Ehelosigkeit von Priestern, findet Schwester Katharina Hartleib von den Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung in Olpe. Als da wären: „Der schwindende Glaube der katholischen Christen, das Entsetzen über die tausendfachen Missbrauchsfälle und ihre Vertuschung, der Machtmissbrauch der Priester und Bischöfe und die seit Jahrzehnten ausstehende Antwort auf die Frage nach der Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche.“

Auch gegen die Weihe von Frauen

Joseph Ratzinger soll sich in einem am Mittwoch erscheinenden Buch auch gegen die Priesterweihe von Frauen aussprechen. Andrea Voß-Frick von der Initiative „Maria 2.0“ hält das Vorgehen für falsch: „Er hat sich bei seinem Rückzug 2013 zum Schweigen verpflichtet. Das Versprechen hat er schon mehrmals gebrochen.“ Seine jetzige Forderung, den Zölibat nicht aufzuweichen, sei ein „Politikum“: „Konservative Kräfte im Vatikan werfen Reformgruppen – wie Maria 2.0 – vor, die Kirche zu spalten. Doch was ist es denn, wenn offen gegen Papst Franziskus opponiert wird?“ Es sei zutreffend, wie es ein Kommentator ausgedrückt habe: „Der Geist der Kirchenspaltung ist aus der Flasche.“

Papst Franziskus unter Druck

Benedikt setzt seinen Nachfolger unter Druck, findet Andrea Voß-Frick: „Bisher hat Franziskus sich sehr diplomatisch zu heiklen Themen wie der Zölibat und Frauen am Altar geäußert. Sie waren in viele Richtungen zu interpretieren.“ Das werde jetzt nicht mehr gehen. „Ich bin gespannt auf seine Reaktion.“ Wenn die Äußerungen Benedikts einen positiven Aspekt hätten, dann vielleicht, dass für die Welt sichtbar würde, welche konservativen Kräfte im Vatikan im Hintergrund agierten, so Andrea Voß-Frick.

Nach Beobachtung der Olper Schwester Katharina Hartleib denkt Franziskus in vielen Fragen anders als Benedikt: „Dass es einen offenen Diskurs gibt, finde ich gut und hilfreich.“ Der Zölibat, so führt sie weiter aus, sei als Lebensform der Priester eingeführt worden, „als es Missstände in der Kirche gab und Ämter und Positionen quasi an eigene Kinder vererbt worden sind“. Aber: Alles, was einmal eingeführt wurde, könne wieder geändert werden.

Vatikan: Franziskus’ Haltung zum Zölibat ist bekannt

Vatikan-Sprecher Matteo Bruni erklärte gestern, dass Franziskus’ Haltung zum Zölibat bekannt sei. „Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist… Ich bin nicht damit einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben“, zitierte Bruni den Papst aus einer Pressekonferenz vor einem Jahr.

Kritisch äußerte sich der Kirchenexperte Andreas Püttmann: Benedikts Vorgehen sei eine „Grenzüberschreitung“: „Es geht um den Versuch, etwas zu verhindern, was die Zukunft der Kirche betrifft.“

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