Homosexualität

Erzbistum Paderborn lässt homosexuelle Priester zu

Der Hohe Dom zu Paderborn.

Der Hohe Dom zu Paderborn.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Essen/Paderborn.   In der katholischen Kirche gibt es eine neue Haltung zum Thema Homosexualität. Nicht alle sind damit jedoch einverstanden.

Homosexuelle Männer werden im Erzbistum Paderborn offiziell zur Priesterausbildung zugelassen. Die Pressestelle des Erzbistums Paderborn bestätigte gestern eine entsprechende Meldung des Portals katholisch.de. Der Vatikan hatte noch 2016 schwule Männer praktisch von der Priesterweihe ausgeschlossen. Im Westen deutet sich nun eine Änderung an.

Denn auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wirbt für eine neue Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen. In einem Artikel für die „Herder-Korrespondenz“ betonte Overbeck, „jeder Mensch kann äußerst respekt- und liebevolle zwischenmenschliche Beziehungen eingehen“. Entsprechende Bibel-Aussagen zur Homosexualität müssten in ihrer Zeitbedingtheit gelesen werden. Die kirchliche Lehre dürfe sich „nicht gegenüber der Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz und ihrer vertieften Erkenntnis abschotten“, so Overbeck weiter.

Keine Verbindung zu Missbrauch

Overbeck fordert eine Entpathologisierung des Themas Homosexualität. Die katholische Kirche könne „im Grunde nur froh sein, wenn aufgrund vertiefter Erkenntnisse über die menschliche Sexualität Vorurteile vergangener Zeiten, die bis heute fatal nachwirken, überwunden werden“, schreibt er: Nun sei es Zeit, „die kirchliche Debatte über die Wahrnehmung und Bewertung von Homosexualität so zu führen, dass die kaum vernarbten Wunden vergangener Verletzungen nicht erneut aufgerissen werden“.

Overbeck wendet sich gegen Versuche, die Missbrauchsdebatte mit Homosexualität in Verbindung zu bringen. Es sei „geradezu abwegig“ zu behaupten, das Problem sexuellen Missbrauchs ließe sich etwa dadurch lösen, den Zugang zum Priestertum nur auf heterosexuelle Männer zu beschränken.

Demgegenüber hatten in den vergangenen Wochen konservative Kirchenführer immer wieder Zusammenhänge zwischen dem Thema Missbrauch und der Tatsache, dass es homosexuelle Priester gibt, hergestellt. Auch Kardinal Walter Brandmüller (90) hatte vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa) behauptet, es sei „statistisch erwiesen“, dass es einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gebe.

Papst Franziskus hatte sich noch im Dezember dahingehend geäußert, dass er homosexuelle Männer nicht in der Kirche haben möchte: Homosexuelle Menschen im Klerus und in Priesterseminaren bereiteten ihm Sorgen, es sei eine „sehr ernste Angelegenheit“. Menschen mit „dieser tief verwurzelten Tendenz“ sollten nach Meinung des Papstes nicht in Seminaren oder zu religiösen Orden zugelassen werden, zitiert dpa ein in Buchform veröffentlichtes Interview mit Franziskus. Darin heißt es auch: „In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche.“

Gespräche bei der Aufnahme

Die Pressestelle des Erzbistums Paderborn kritisierte gestern zugleich die verkürzte Darstellung der Thematik. „In der Priesterausbildung des Erzbistums Paderborn findet im Rahmen eines differenzierten Aufnahmeverfahrens vor dem Hintergrund der Zölibatsverpflichtung für Priester mit Bewerbern auch ein Gespräch über Fragen der Sexualität statt. Dabei spielt auch das Thema der sexuellen Orientierung des Kandidaten eine Rolle. Dieses Gespräch findet vertraulich unter Führung therapeutisch geschulter Experten statt“, so Sprecherin Maria Aßhauer auf Anfrage unserer Zeitung. „Im Rahmen der Ausbildung wird diese Thematik dann sowohl in Lehrveranstaltungen im Seminar als auch in vertraulichen Einzelgesprächen mit den jeweiligen geistlichen Begleitern der Priesteramtskandidaten weiter verfolgt. Dabei wird im gegebenen Einzelfall durchaus im Sinne der Vorgaben des Vatikans zwischen dem homosexuellen Empfinden und der homosexuellen Praxis unterschieden.“

Homosexualität allein sei kein Ausschließungsgrund, so Aßhauer, aber „was letztlich zählt, ist die Selbstverpflichtung der Kandidaten, den Zölibat einzuhalten und somit enthaltsam zu leben.“

Das Bistum Essen hat kein eigenes Priesterseminar mehr, der Ruhrgebiets-Klerus wird in Münster ausgebildet.

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