Warstein.

„Es gibt immer einen Ausweg“

Warstein.   Dr. Petra Hunold (Foto) ist Leiterin der Abteilung für die Behandlung depressiver Menschen an der LWL-Landesklinik in Warstein. Zum konkreten Fall in Neheim kann sie naturgemäß nichts sagen, wohl aber Grundsätzlich zum Thema Suizid und erweiterter Suizid.

Dr. Petra Hunold ist Leiterin der Abteilung für die Behandlung depressiver Menschen an der LWL-Landesklinik in Warstein. Zum Fall in Neheim kann sie naturgemäß nichts sagen, wohl aber grundsätzlich zum erweiterten Suizid.

Was geht in einer Mutter vor, die ihre Kinder tötet und sich selbst?

Petra Hunold: Wer sich selbst tötet, ist verzweifelt und sieht keine Möglichkeit, aus der Krise herauszukommen. Dann fragt er sich: Was wird aus den Kindern? Wie sollen sie ohne mich überleben? So entsteht die Vorstellung, der Tod sei das Beste für die Kinder, in ihrem eigenen Interesse. Es gibt auch eine egoistische Motivation: Wenn ich sie nicht habe, soll sie auch kein anderer haben. Diese Überlegungsprozesse spielen sich aber meist nicht auf einer bewussten Ebene ab.

Kommt erweiterter Suizid häufig vor?

Hunold: Äußerst selten.

Ist das spontan oder geplant?

Hunold: Echte Suizide, keine Hilferufe, sind fast immer vorbereitet. Ein akutes Ereignis kann Auslöser sein, aber der Plan war dann trotzdem vorher da.

Können Außenstehende das erkennen?

Hunold: Das ist sehr schwer. Es gibt verschiedene Phasen. Wer anfangs darüber nachdenkt und darüber redet, sucht noch Kontakt mit anderen. Es gilt: Jeder der von Suizid spricht, ist gefährdet. Dann zieht sich der Betroffene immer mehr von der Außenwelt zurück. Wenn er sich entschlossen hat, haben Menschen in seiner Umgebung oft den Eindruck, dass es ihm besser geht. Er fühlt sich auch besser, weil er nun entschieden ist. Nahestehende spüren das häufig nicht und haben hinterher Schuldgefühle.

Verhalten Männer sich anders als Frauen?

Hunold: Männer greifen zu härteren Methoden und sind häufiger erfolgreich. Frauen nehmen oft Tabletten und werden gerettet.

Steigt die Zahl der Suizide?

Hunold: Nein, sie sinkt seit Jahren. Das liegt wohl an einer größeren Offenheit für seelische Erkrankungen.

Was können Menschen tun, die einer depressiven Person nahestehen?

Hunold: Wichtig ist es, Hilfe zu holen. Es gibt immer einen Ausweg. Die Depression lässt Scheuklappen wachsen.

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