Die Waldkrise

„EU muss stärker auf Holz setzen“

Schweres Gerät übernimmt die Rodung eines kompletten Fichtenbestandes. Waldschäden gibt es aufgrund von Trockenheit und, zumindest bei Fichten, von Borkenkäferbefall. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Schweres Gerät übernimmt die Rodung eines kompletten Fichtenbestandes. Waldschäden gibt es aufgrund von Trockenheit und, zumindest bei Fichten, von Borkenkäferbefall. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Brilon/Hagen.  Die SPD-Fraktion im Bundestag fordert, bei der EU-Agrarförderung mehr für den Wald zu tun.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Borkenkäfer, Dürre, Stürme: Der Wald steckt in der Krise. Und viele Experten sagen: in einer existenziellen. Für den 25. September hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zum Waldgipfel nach Berlin geladen, schon in der kommenden Woche will die CDU-Politikerin mit Waldbesitzern, Naturschützern, Forstwirtschaft und anderen Interessenvertretern über das Thema „Wald und Klimawandel“ sprechen. Die SPD-Fraktion im Bundestag befeuert die Diskussion jetzt mit einem Forderungskatalog.

Diskussion mit dem Koalitionspartner

Mit dem Positionspapier „Ökologischer Waldumbau und Holzbau-Initiative“, das dieser Zeitung vorliegt, wollen die Sozialdemokraten die unter der Borkenkäfer-Plage leidende Forstwirtschaft unterstützen und den klimaresistenten Waldumbau fördern. „Wir geben das Papier jetzt in die zuständigen Gremien und Verbände und steigen dann in die Diskussion mit dem Koalitionspartner ein“, sagt Mit-Autor Dirk Wiese, forstpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Der Briloner hofft auf konstruktive Gespräche: „Angesichts der schwierigen Lage des Waldes arbeiten alle Beteiligten bisher sehr lösungsorientiert.“

Das könnte sich ändern, wenn die konkreten Forderungen auf den Tisch kommen und die Finanzierungsfragen beantwortet werden müssen. Klöckner taxiert die Kosten für die Rettung der schwer geschädigten deutschen Wälder auf mindestens 1,5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren. Die Holzbau-Initiative der SPD ist da noch gar nicht eingepreist. Die Maßnahmen könnten sich allerdings als kleines Konjunkturprogramm für die Forstwirtschaft auch wieder auszahlen. Im Holzhandwerk seien schließlich immerhin 100.000 Betriebe und mehr als 300.000 Beschäftigte tätig, argumentiert die SPD. Außerdem würde die mittelständisch geprägte Holzindustrie, die rund 40 Milliarden Euro erwirtschafte und knapp 250.000 Arbeitnehmer beschäftige, gestärkt. Davon könne insbesondere der ländliche Raum wie Südwestfalen profitieren, betont Wiese. Sein Papier ist ohnehin auf Langfristigkeit angelegt: Bis Bund und Länder das Baurecht zugunsten des Baustoffs Holz geändert haben, dürften Jahre vergehen.

Dass sich die SPD mit der Forderung, Geld aus den Flächensubventionen der Landwirtschaft für den Waldumbau auszugeben, keine Freunde beim Deutschen Bauernverband machen dürfte, ist Wiese bewusst. „In Brüssel laufen gerade die Haushaltsverhandlungen für die nächste Förderperiode“, sagt er. „Jetzt bietet sich die Gelegenheit, Geld sinnvoll umzuschichten. Die EU muss bei der Agrarpolitik stärker auf Holz setzen.“

Klimarobuster Waldumbau

Die Europäische Union müsse die Mittel aus der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (Gap) zukünftig stärker als bisher für die Förderung von ökologischen Maßnahmen im Wald einsetzen, fordern die SPD-Experten. Zehn Prozent der Gap-Mittel sollen für den klimarobusten Waldumbau und ökologisch sinnvolle Neuanpflanzungen bereit stehen. Es geht um gewaltige Summen: Allein Deutschland stehen seit 2014 für die Agrarförderung jährlich rund 6,2 Milliarden Euro an EU-Mitteln zur Verfügung.

Die SPD fordert nicht weniger als eine „Abkehr von einer bedingungslosen Flächen- und damit Eigentumsförderung hin zu einer allgemeinwohlorientierten Förderung, in die auch die Forst- und Waldwirtschaft einbezogen werden muss“. Das ist Sozialdemokratie pur – und mit der starken Bauernlobby in der Union wohl kaum zu machen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben