Wirtschaft

Experten sehen kaum Probleme bei Umstellung auf H-Gas

Wird von l- auf H-gas umgestellt, müssen in der Regel Düsen in den Brennern ausgetauscht werden. In weiten Teilen Südwestfalens strömt bereits H-Gas.

Foto: Norbert Försterling

Wird von l- auf H-gas umgestellt, müssen in der Regel Düsen in den Brennern ausgetauscht werden. In weiten Teilen Südwestfalens strömt bereits H-Gas. Foto: Norbert Försterling

Hagen.   Die Niederlande denken darüber nach, weniger L-Gas zu fördern. In Westfalen sind davon inzwischen die meisten Haushalte nicht mehr betroffen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die komplette Umstellung von L- auf H-Gas „ist ein riesen Prozess“, sagt Uwe Reuter. Der Sprecher des Energieversorgungsunternehmens Enervie mit Sitz in Hagen blickt dabei weit über das eigene Versorgungsgebiet hinaus. Diese Einschätzung teilen Fachleute, es bedeutet aber nicht, dass die einzelne Umstellung beim Kunden besonders aufwändig oder schwierig wäre. Es ist schlicht eine logistische Herausforderung für die Gasnetzbetreiber, die einer langen Planung folgt. Davon abgesehen, sind in unserer Region weit mehr Haushalte bereits umgestellt als es mitunter scheint.

Branche reagiert noch gelassen

In Westfalen haben bereits mehrere Umstellungswellen stattgefunden. In Hagen etwa wird nur noch ein kleiner Teil des Stadtgebietes mit dem zehn Prozent weniger energiereichen L-Gas versorgt.

Die Gevelsberger AVU hat wie die Stadtwerke Witten bereits vor 20 Jahren umgestellt, „von Schwelm über Ennepetal und Gevelsberg bis Breckerfeld“, erinnert AVU-Sprecher Jörg Prostka. Seitdem kommt das Erdgas nicht mehr aus den Niederlanden, sondern wird über große Pipelines von der Nordsee bezogen. „Damals haben wir alle Erdgas-Geräte in Haushalten und Gewerbe mit neuen Düsen ausgerüstet und die Geräte entsprechend eingestellt“, blickt der Wittener Energieberater Nikolaos Amanatidis zurück.

Eine solche Umstellung steht zwar tausenden Erdgaskunden in Südwestfalen noch bevor, dennoch dürfte niemand befürchten müssen, kurzfristig ohne Gas für die Heizung oder andere Geräte im Haus dazustehen, auch wenn die Niederlande wegen zunehmender Erdbebengefahr am Gasfeld in Groningen die Förderung von L-Gas zurückfahren.

Im Notfall müssten wohl weitere Konvertierungsanlagen gebaut werden, die H-Gas in L-Gas umwandeln. Diese hohen Kosten für eine Übergangsphase möchte man seitens Netzbetreiber und Versorger aber gerne vermeiden – letztendlich würden sie möglicherweise sogar auf die Verbraucher umgelegt werden, zumindest zum Teil. Wie auch die regulären Umstellungskosten. Der Aufwand für notwendige Umrüstung von L- auf H-Gas reicht vom simplen Wechsel einer Düse und einer Feinjustierung bis hin zum kompletten Austausch von Anlagen. Für ältere Brenner ist gesetzlich ein Zuschuss vorgesehen, für ganz alte mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel nicht. Da dürfte allenfalls Kulanz des Anbieters helfen.

„Etwa 14 000 Geräte müssen in unserem Gebiet umgestellt werden“, erklärt Bigge-Energie-Geschäftsführer Ingo Ehrhardt. In Attendorn und Olpe strömt noch bis 2022 L-Gas durch die Leitungen in die Haushalte. Die Planung sieht vor, dass dies in Olpe im Juni und Juli 2022 passiert, in Attendorn im August 2022. „Das ist durchaus machbar“, glaubt Ehrhardt.

Schwierigkeiten waren bekannt

Die Schwierigkeiten der Niederländer seien bekannt gewesen. Sollten sie sich allerdings entschließen, die Zeitpläne zu ändern, hält Ehrhardt „Engpässe bei den Kapazitäten“ nicht für ausgeschlossen. Es gebe nur rund zwei Dutzend Fachfirmen bundesweit, die sich auf diese Umstellungen spezialisiert haben. Um diese wie in Olpe und Attendorn vorgesehen innerhalb weniger Wochen über die Bühne zu bekommen, bräuchte man aber eine größere Fachfirma. Das heimische Handwerk allein würde die Umrüstung in kurzer Zeit kaum stemmen können. Ein Auftragsvolumen, das der Bigge-Energie-Chef mit 3,6 Millionen Euro beziffert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik