Pyrotechniker

Faszination Feuerwerk: Für Männer laut – für Frauen schön

René Osterhage wollte als Kind nichts von Böllern wissen. Heute ist er Pyrotechniker mit eigener Firma („Westfälisches Feuerwerk“).

René Osterhage wollte als Kind nichts von Böllern wissen. Heute ist er Pyrotechniker mit eigener Firma („Westfälisches Feuerwerk“).

Foto: Jakob Studnar

Hagen.   Die Faszination Feuerwerk ist für die Bundesbürger ungebrochen. „Feuerwerk hat etwas Mystisches“, sagt Pyrotechniker René Osterhage.

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Jedes Feuerwerk erzählt eine eigene Geschichte, sagt René Osterhage. Würde der Pyrotechniker seine eigene Geschichte in den Nachthimmel feuern, kämen sehr unterschiedliche Farben hinaus. Zunächst sehr gedämpfte, denn das Böllern hat Osterhage als Kind überhaupt nicht gereizt - „ich hatte so viel Schiss“. Mit 18 Jahren, erzählt er, war er nicht mehr zu bremsen. Heute ist sein Leben bunt. Der Profi-Feuerwerker brennt für seinen Job. Ohne pyromanisch veranlagt zu sein, wie er betont. Am Silvesterabend 2016 wird der Mann, der es häufig bei Aufträgen in Südwestfalen krachen lässt, die Silvester-Feuerwerke am Parktheater und am Hotel Vierjahreszeiten in Iserlohn zum Glitzern bringen.

„Wo soll ich anfangen?“ fragt der Geschäftsleiter der Firma „Westfälisches Feuerwerk“ auf die Frage, wie er sich die Faszination fürs Feuerwerk erklärt. Er spricht von einer tief in der Psyche verwurzelten Leidenschaft, dann erinnert er an die Anfänge der Menschheit, als das Feuermachen entwickelt wurde. „Das hat zur Zivilisation des Menschen beigetragen.“

Eine Spaßgeschichte

Wir leben in modernen Zeiten, in denen High-Tech-Lasershows für Aufmerksamkeit sorgen. Dennoch: „Mit einer noch so tollen Lasershow trifft man die Leute nicht so wie ein Feuerwerk“, sagt Osterhage. „Ein Feuerwerk hat etwas Mystisches.“ Das Geheimnisvolle scheint insbesondere am Jahreswechsel gefragt zu sein. Das Böllern um Mitternacht sei eine reine Spaßgeschichte, findet der Pyrotechniker. „Die Leute müssen sich mal nicht an tausend Regeln halten, können nach Herzenslust Krach machen.“ Das sei für viele befreiend.

Voll im Trend bleibt Batteriefeuerwerk, mit dem sich bunte Sterne und Kometensalven in die Höhe schießen lassen. Der Verkauf von Chinaböllern, den zylindrischen Knallkörpern, geht Jahr für Jahr zurück.

Es bleibt gefährlich

Apropos China: 90 Prozent der Feuerwerkskörper, die hierzulande verkauft werden, kommen aus China. „Sie sind sicher“, sagt Rene Osterhage, „wenn man zugelassene Produkte in normalen Geschäften kauft und nicht auf dubiosen Märkten oder Internetseiten.“ Die Vorschriften in Deutschland seien sehr rigoros, so der Fachmann. Aber: „Es geht um Feuer. Auch geprüfte Sachen bleiben gefährlich. Besonders wenn man leichtsinnig ist.“

Leichtsinn ist auch der Gegner eines Profi-Feuerwerkers, der natürlich den Geschmack des Publikums genau kennt. Ein Feuerwerk müsse spektakulär sein und dürfe keine Pausen haben, sagt Osterhage. „Es gilt die Faustregel: lieber kürzer und intensiver als künstlich in die Länge ziehen.“

Und es muss laut knallen. Das gelte für Männer, weiß René Osterhage. „Frauen dagegen wollen, dass es schön aussieht.“


Die Faszination Feuerwerk ist ungebrochen. Bei Firmenjubiläen, Kirmessen, Schützen- und Stadtfesten gehört der Goldregen vielerorts dazu. Immer häufiger werden Profis zu privaten Anlässen geordert - sei es bei einer Hochzeit oder bei einem runden Geburtstag. „Das hat schon stark zugenommen.“ Als jemand, der damit sein Geld verdient, freue ihn das, sagt Osterhage. „Einerseits.“ Andererseits nähmen die Beschwerden lärmgeplagter Nachbarn zu, wenn es zu häufig kracht. Dann könne es schnell zum großen Knall, sprich: Verboten, kommen.

Mehr als 100 Millionen Euro werden in Deutschland für Silvester-Feuerwerk ausgegeben. Unter dem Motto „Brot statt Böller“ ruft das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt zu Spenden auf. „Der Spaß, den ein Feuerwerk macht, ist nur kurz. Die Freude, die durch Teilen entsteht, ist von Dauer“, heißt es auf dessen Internetseite. „Ich verstehe das Argument der reinen Geldverschwendung“, sagt Feuerwerker René Osterhage, „bin aber gegen rigorose Forderungen.“ Warum, fragt er, könne man nicht beides? Böller kaufen und Geld für soziale Projekte spenden. „Das wäre die Ideallösung.“

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