Außenansicht

Ferien „gut und günstig“ im Sauerland

Thomas Weber, Chef von Sauerland-Tourismus

Thomas Weber, Chef von Sauerland-Tourismus

Foto: Funke Foto Services / Matthias Graben

Hagen/Schmallenberg.  Der kleine Theo liebte es, durch den Wald zu toben. Mit Bruder und Mutter verbrachte er die Ferien „gut und günstig“ im Sauerland. Ein Kommentar.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der kleine Theo liebte es, durch den Wald zu toben. Frei und unbeschwert. Sein Bruder und er verlebten die Ferien mit der Mutter „gut und günstig“ im Sauerland. Der Vater kam am Wochenende manchmal nach - er musste sich zuhause im Ruhrgebiet um das Geschäft kümmern. Das, was das Sauerland bot, gab es einfach so und ohne Marketing. Später wurden aus Theo und seinem Bruder Karl Albrecht zwei der erfolgreichsten Familien. Doch das Sauerland vergaßen sie nicht und wurden hier – inkognito – so manches Mal gesehen. Die Gästezahlen der populären Kurzreiseregion Sauerland entwickelten sich wie die Unternehmen der Familien bestens und sind inzwischen mit über zwei Millionen Besuchern und über sieben Millionen Übernachtungen auch 2017 ständig gestiegen.

Und das, was damals so einfach und unverfälscht angeboten wurde, gibt es auch heute noch. Aber es wird in einem großen Netzwerk mehr denn je durchdacht, auseinander genommen, nach Zielgruppen sortiert und immer wieder gemäß den anspruchsvollen Sehnsüchten der Menschen verpackt und vermarktet.

Wusste man früher nichts von der Notwendigkeit einer Wintersport- oder einer Bikearena, sind es heute gerade diese neuen Angebote, die die Menschen erreichen und locken. Denn das Sauerland erlebt eine Renaissance. Eine Wiedergeburt und ein neues Bewusstsein für die eigenen Stärken. Und das drückt sich nicht nur im selbstbewussten Autoaufkleber aus, der auch an großen Karossen als Bekenntnis wie selbstverständlich prangt. Als sich nämlich der Wirtschaftsraum Südwestfalen zu formieren begann, startete auch das Sauerland durch. Und heute arbeitet man bestens zusammen. Weil man sich gegenseitig braucht. Und wir ahnen, dass so mancher Besucher beim Radeln, Wandern oder Ausspannen nachdenkt, ob dieser Lebens- und Freizeitraum nicht was für länger wäre … Gute Jobs in einem guten Freizeitumfeld.

Die kostenintensive Attraktivierung der Landschaft mit neuen Rad- und Wanderrouten und einer neuen Aufenthaltsqualität in Städten und Dörfern, an Seen und Flussufern hat viel gebracht. Und dieser Prozess der gefühlten Runderneuerung hält an. Dazu kommen teilweise enorme Investitionen des Gastgewerbes und der Freizeitwirtschaft. Dabei ist eins wie damals geblieben, nämlich die liebevolle Hinwendung zum eigenen Haus und Hof. Propper, sagen die Leute, und „Bei euch sieht´s immer wie Pfingstsonntag aus!“ Denn gerade im ländlichen Raum gibt es sie noch, die Liebe zum Detail, zum kleinen Spaß am Gartenzaun und zum Mitmachen. Und dieses spürbare, starke ehrenamtliche Mitziehen ist etwas spezifisch Sauerländisches, es erdet uns und gefällt Besuchern aus nah und fern. Weil es menschelt. Und weil das persönliche Erlebnis nunmal nicht im Internet zu haben ist.

Alles in allem hat sich in den letzten Jahren das Bild vom Neuen Sauerland in Südwestfalen geformt. Inzwischen wird nicht nur über den Baustil jetzt und in Zukunft, sondern auch darüber nachgedacht, wer wir sind und wie wir uns geben. Also, was uns im Sauerland ausmacht. Finden wir die Antwort, wenn wir Oktoberfeste importieren? Oder lernen wir selbst nachzudenken und auszuprobieren, womit und wie wir alle zusammen untergehakt in Erscheinung treten. Dass die heimische Industrie viele gute Produkte bereit hält, um das Sauerland-Selbstbild mit Markennamen zu füllen ist das eine. Dass die Bürger sich als die wichtigsten und ersten Touristen verstehen, um die Heimat neu und mit Lust zu erkunden, ist das andere.

So kann es funktionieren, dass sich auch in Zukunft viele kleine Theos in einer naturentfremdeten Zeit wieder aufmachen, fröhlich pfeifend durch die Wälder zu streifen.

Ein Gast-Kommentar von Thomas Weber.

  • Thomas Weber ist Chef vom Sauerland-Tourismus.
  • Er war einer der Initiatoren des "neuen Wanderns" und des Rothaarsteigs.
  • Heute führen und lotsen er und sein Team durch eine Vielzahl nicht nur touristischer Netzwerke.
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben