Minijobs

Frauen aus Südwestfalen überdurchschnittlich oft im Minijob

Eine Reinigungskraft bei der Arbeit.

Eine Reinigungskraft bei der Arbeit.

Foto: imago/Sven Simon

Hagen.   Geringfügige Beschäftigung in Südwestfalen ist vor allem weiblich. Der Anteil der Frauen in 450-Euro-Jobs liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Aber er sinkt

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Die Zahl der Minijobber ist im vergangenen Jahr gesunken – bundesweit wie auch in der Region. Aber der Anteil der geringfügig beschäftigten Frauen liegt in Südwestfalen noch immer deutlich über dem Bundesschnitt. Das hat eine Auswertung von Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung sowie der Minijobzentrale durch die ­WESTFALENPOST ergeben.

Demnach ist in den Kreisen Olpe, Hochsauerland und Siegen-Wittgenstein jeweils mehr als jede vierte Frau in Arbeit allein auf Basis eines sozialversicherungsfreien 450-Euro-Jobs beschäftigt, im Kreis Soest, im Märkischen und im Ennepe-Ruhr-Kreis ist es fast jede vierte Frau (siehe Grafik). Auch in Hagen liegt der Anteil der Frauen (allein) in Minijobs klar über dem Bundesschnitt, aber unter dem im Vergleich hohen Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen.

Traditionelles Rollenmodell

„Das traditionelle Ein-Verdiener-Modell mit dem Mann als Ernährer ist in NRW wie auch im Saarland länger gelebt worden als andernorts“, versucht sich Christina Klenner an einer Erklärung. Ein Minijob passe perfekt zu diesem Modell, sagt Klenner, Referatsleiterin im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Auch schlechte Strukturen in der Kinderbetreuung wirkten sich aus – schon darauf, „was ich mir überhaupt vorstellen kann“, sagt die Wissenschaftlerin. Der Ausbau der U3-Betreuung löse hier erst mit der Zeit Einstellungsänderungen aus.

Die Skepsis mancher Arbeitgeber gegenüber Teilzeitarbeit macht Klenner als weiteren Grund für den hohen Frauenanteil bei Minijobs aus. Gerade in ländlichen Regionen könnten Frauen dann nicht einfach auf einen anderen Job ausweichen, weil Alternativen fehlten. „Dann bleibt oft nur der Minijob“, sagt Klenner. Generell sei die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Südwestfalen „unterdurchschnittlich“, ergänzt Thomas Becker, Sprecher der Arbeitsagentur Siegen-Olpe.

Die Zahlen bei Frauen sind seit Jahren rückläufig

Viel Gutes kann Klenner an Minijobs nicht finden. „Aus der Perspektive einer eigenständigen Versorgung im Alter“ seien die Frauen vom Staat über Steuerbonus und Sozialversicherungsfreiheit gewissermaßen „in eine Falle“ gelockt worden, sagt sie – und ergänzt: „Dass ein Minijob nicht gut für die Absicherung ist, wissen die Frauen natürlich.“

Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Der Rückgang bei der Zahl der 450-Euro-Beschäftigten ist im Wesentlichen der sinkenden Zahl minijobbender Frauen geschuldet. Die Zahl der Männer in Minijobs hingegen steigt seit Jahren bundesweit wie in NRW leicht und hat 2014 jeweils einen Rekordstand erreicht. In Südwestfalen stagniert die Zahl der geringfügig beschäftigten Männer oder sinkt sogar leicht. Nur in den Kreisen Olpe und Soest erreichte sie 2015 einen Rekordstand.

Zur insgesamt sinkenden Zahl der Minijobs dürfte nach Ansicht von Thomas Becker von der Arbeitsagentur Siegen auch der florierende Arbeitsmarkt in der Region beigetragen haben. Einige Minijobber dürften die Chance genutzt haben, „aus Minijobs in eine feste Beschäftigung zu wechseln“, sagt der Arbeitsmarktexperte. Klenner macht hier den Mindestlohn als eine weitere Ursache aus. „Für Minijobs wurden lange Zeit extrem niedrige Stundenlöhne bezahlt“, sagt die Expertin. Mit Einführung des Mindestlohnes lohnten sich solche Jobs für Arbeitgeber schlicht nicht mehr.

Beschäftigt sind die Minijobber auch in Südwestfalen vor allem in Gastronomie und Hotellerie sowie im Handel – „ganz klassisch“, sagt Andreas Narozny von der Minijobzentrale. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen, etwa in Pflegeberufen, arbeiten viele geringfügig Beschäftigte.

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