Telekom-Ausfall

Warum Ratsherr Greiten von der Außenwelt abgeschnitten ist

Wolfgang Greiten, Ratsherr aus Benolpe (Gemeinde Kirchhundem) ist sauer auf die Deutsche Telekom.

Wolfgang Greiten, Ratsherr aus Benolpe (Gemeinde Kirchhundem) ist sauer auf die Deutsche Telekom.

Kirchhundem-Benolpe.   Sturm Friederike und die Folgen: Ratsherr Wolfgang Greiten aus Kirchhundem ist seit dem 19. Januar von der digitalen Außenwelt abgeschnitten.

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Wolfgang Greiten, der am Rande des kleinen Dörfchens Benolpe in der Gemeinde Kirchhundem wohnt, viele Jahre Geflügel-Landwirt war und seit mehreren Wahlperioden für die Unabhängigen Kirchhundemer (UK) im Gemeinderat sitzt, ist sauer. Sauer auf die Deutsche Telekom, den bekanntlich größten deutschen Netzbetreiber, was Telefon und Internet angeht: „Da wird überall vom digitalen Zeitalter gesprochen, aber wenn einem auf dem Land so etwas passiert, ist man erst einmal aufgeschmissen“, schimpft der 67-Jährige.

Seit durch den Sturm Friederike am 19. Januar ein paar standschwache Bäume in der Nähe seines Hofes umgestürzt sind, ist Greiten, wie drei seiner Nachbarn auch, von der digitalen Außenwelt abgeschnitten. Was natürlich passieren könne, zeigt der Ex-Landwirt durchaus ein gewisses Verständnis für höhere Gewalt.

Versprechen nicht gehalten

Zornig macht ihn das Verhalten des Netz-Riesen aus Bonn in zweifacher Hinsicht: „Zunächst hat man mir zugesagt, am 31. Januar sei alles wieder in Ordnung. Dann kam ein Techniker und hat angedeutet, bei der Witterung sei es schwierig, da müsse man wohl auf besseres Wetter warten.“ Und das, obwohl der Boden an dem Tag nur etwas aufgeweicht gewesen sei, wundert sich Greiten.

Wir sehen uns die Situation vor Ort an, dort, wo die umgestürzten Bäume und die gekappte Oberleitung zu sehen sind. Greiten zuckt mit den Schultern: „Sehen Sie sich das an, hier kommt man doch mit einem Werkstatt-Fahrzeug hin.“

Um herauszufinden, wie es denn nun weitergehe mit seiner Leitung, habe er sich mehrfach an den Telekom-Service gewandt. Und das sorgte dann für den zweiten Grund, weshalb Greiten nicht gut auf die Telekom zu sprechen ist: „Nach einem dieser Gespräche habe ich nach ein paar Tagen einen Brief bekommen, in dem stand, ich hätte telefonisch einen Auftrag für einen monatlichen Computer-Service erteilt. Knapp sechs Euro pro Monat, Vertragslaufzeit 24 Monate. Da bin ich aus allen Wolken gefallen. Ein völliger Blödsinn.“ Der Auftrag habe inhaltlich gar nichts mit dem Sturmschaden und dessen Auswirkungen zu tun gehabt: „Ich kann mich genau an das Gespräch erinnern.“

Auftrag für Computerhilfe S

Die schriftliche Auftrags-Bestätigung der Telekom, die er uns vorlegt, zeigt, was er tatsächlich erhalten und bezahlen soll: einen monatlichen Computer-Service-Check (Computerhilfe S) für jeweils 5,90 Euro, zwei Jahre lang. Macht unterm Strich 141,60 Euro.

„Dem habe ich natürlich sofort widersprochen, mit Einschreiben“, grinst Greiten und tippt sich an die Stirn. Interessant sei auch das Drumherum gewesen. Denn einen Tag nach dem mysteriösen 16-Minuten-Gespräch, aber vor dem Auftrags-Brief aus Bonn, habe ein anderer Telekom-Mitarbeiter angerufen und sich nach dem Gesprächsverlauf erkundigt: „Der hat gefragt, ob der Mitarbeiter freundlich gewesen sei und ob er mir etwas verkauft hätte. Ich habe natürlich gesagt, nein. Denn damit, dass mir wenige Tage später tatsächlich ein Auftrag ins Haus flattert, hätte ich nie gerechnet.“

Da er am Rande von Benolpe auch nur einen eher zufälligen Mobilfunk-Empfang habe, müsse er jetzt wohl nochmal Druck machen: „Wir bekommen als Ratsherren unsere Informationen für Rat und Ausschüsse digital aufs IPad.“ Wenn er die lesen wolle, müsse er jedes Mal zu Bekannten, oder Verwandten: „Meist fahre ich zu meiner Tochter nach Grevenbrück. Aber das kann ja kein Dauerzustand sein.“

Telekom reagiert sofort

Die Pressestelle der Telekom reagierte auf unsere Anfrage sofort. Die Presse-Hotline hörte sich den Fall Greiten an, und versprach, ihn umgehend weiterzuleiten.

Einen Tag später erklärte Stephan Althoff aus der Presseabteilung der Telekom, seine Kollegen aus dem Kundenservice hätten sich umgehend mit Greiten in Verbindung gesetzt. Der Auftrag für die Computerhilfe werde storniert und man versuche, den Entstör-Termin vorzuziehen.

Althoff: „Wir haben nach Friederike mehrere Tausend Schäden an oberirdischen Kabeln, die jetzt von den Kollegen aus der Technik abgearbeitet werde müssen. Das dauert, weil es zu wenig Unternehmen gibt, die solche Schäden beheben können.“

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