SIHK-Jahresveranstaltung

Friedrich Merz fordert von Unternehmern mehr Einmischung

Mahnte in Hagen den Erhalt der Wertegemeinschaft innerhalb der Europäischen Union und mit den USA an: Friedrich Merz, Festredner bei der 67. Jahresveranstaltung der Südwestfälischen Industrie und Handelskammer Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Mahnte in Hagen den Erhalt der Wertegemeinschaft innerhalb der Europäischen Union und mit den USA an: Friedrich Merz, Festredner bei der 67. Jahresveranstaltung der Südwestfälischen Industrie und Handelskammer Hagen. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Friedrich Merz (62), früherer CDU-Spitzenpolitiker und Brexit-Beauftragter der NRW-Landesregierung, warnt, sich von China blenden zu lassen.

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Die Wirtschaft brummt, in Südwestfalen mit der mittelständischen Industrie sowieso. Nicht zuletzt ob des andauernden Exporterfolges. Bei der Jahresveranstaltung der Südwestfälischen Indus­trie- und Handelskammer in Hagen goss Festredner Friedrich Merz wohldosiert Wasser in den allzu süßen Wein: „Die für Deutschland gute Wirtschaftslage ist auch der Politik der Europäischen Zentralbank geschuldet. Die künstliche Schwächung des Euro ist der wichtigste Grund für die deutsche Wirtschaftsstärke“, erklärte der frühere CDU-Spitzenpolitiker und heutige Topmanager gestern Abend vor rund 1000 Gästen aus Unternehmen, Politik und Gesellschaft in der Hagener Stadthalle.

Chinas Strategie

Damit widersprach Merz keineswegs den Ausführungen der Kammerspitze mit Präsident Ralf Stoffels und Hauptgeschäftsführer Ralf Geruschkat, die Industrieflächenausweisung auf Vorrat, koordinierten Ausbau der Infrastruktur auf Straße und Schiene, schnelleres Internet flächendeckend in NRW und bessere Bildung zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses einfordert. „Wir brauchen mehr Menschen im Bildungssystem“, mahnt Stoffels zusätzliche Lehrer an den Schulen an. Nicht verkehrt, vor der eigenen Haustüre zu kehren.

Merz, künftiger Brexit-Beauftragter der NRW-Landesregierung und Vorsitzender des Netzwerkes Atlantikbrücke, das sich um dauerhaft enge Beziehungen zwischen Deutschland und den USA kümmert, gibt seine Einschätzungen zur Weltlage ab. Nicht nur zu wirtschaftlichen Folgen des Brexit, Aufkündigungen von Handelsabkommen durch US-Präsident Trump und das aufstrebende und scheinbar weltoffene China, das gerade keine Gelegenheit auslässt, sich strategisch klug aufzustellen. Letzteres sollten demnach gerade die Deutschen nicht einfach zur Kenntnis nehmen, auch wenn sich der ein oder andere Unternehmer auch in Südwestfalen gerade über aufkeimende Geschäftsbeziehungen mit Firmen aus der Volksrepublik freuen mag.

„Hier steckt eine wirklich durchgerechnete Strategie dahinter“, warnt Merz vor Leichtgläubigkeit – und mehr noch vor Gleichgültigkeit. Dass Chinas Staatspräsident Xi Jinping zu Beginn des Jahres beim Weltwirtschaftsgipfel im schweizerischen Davos das hohe Lied des freien Handels sang, ist aus Merz Sicht mit größter Vorsicht zu genießen: „Mich macht es skeptisch, wenn jemand so spricht, aber eine offene Gesellschaft und Menschenrechte in seinem Land nicht zulässt.“ Klingt einleuchtend – ist aus Sicht eines mit den USA so eng verbundenen Strategen natürlich nicht wirklich überraschend.

Die tragende Säule in die Zukunft für Deutschland und Europa ist und bleibt aus der Sicht von Friedrich Merz die Beziehung zu den Vereinigten Staaten von Amerika, gleich welcher Präsident gerade im Weißen Haus sitze.

Wenn Merz von tektonischen Verschiebungen der politischen und ökonomischen Machtverhältnisse auf dem Erdball spricht, dann meint er mächtige Erschütterungen der westlichen Wertgemeinschaft: „Es geht um die Neuvermessung der Welt und da gibt es keinen besseren Partner als Europa und die USA!“ Vorsichtshalber lässt das rhetorische Schwergewicht mit Blick in den Saal noch einen Weckruf los: „Für unsere offene Gesellschaft müssen wir etwas tun, auch die Unternehmer.“ Sonst könnte es bald nicht mehr weit her sein mit Wachstum und Wohlstand.

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