Südwestfalen

Fünf Ideen gegen die Landflucht in Südwestfalen

Südwestfalen in Bewegung: 28 Jugendliche diskutieren in Hilchenbach, wie die Region für junge Menschen attraktiv bleibt – oder wird.

Foto: FUNKE Foto Services / Volker Hartmann

Südwestfalen in Bewegung: 28 Jugendliche diskutieren in Hilchenbach, wie die Region für junge Menschen attraktiv bleibt – oder wird. Foto: FUNKE Foto Services / Volker Hartmann

Hilchenbach.   28 Jugendliche diskutieren auf Einladung der Südwestfalen Agentur darüber, wie das Leben auf dem Land attraktiv bleibt.

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Roxana Küthe ist keine, die still erduldet. Wenn etwas sie stört, verschweigt die junge Frau dies nicht. Roxana hat aber auch von ihren Eltern gelernt: „Wer nörgelt, muss etwas tun.“ Deshalb ist die 21-Jährige an diesem Wochenende hier, im Bürgerhaus Müsen bei Hilchenbach, um mit 27 anderen Jugendlichen über die Zukunft der Region zu sprechen.

Die Südwestfalen Agentur hat die jungen Leute zu dem Workshop „Utopia“ eingeladen, weil sie der Landflucht etwas entgegen setzen möchte. „Was zieht die jungen Leute aus der Region in die großen Städte?“, will die Institution erfahren. Und was muss passieren, damit Jugendliche doch bleiben oder zurückkehren? Dafür sollen die jungen Frauen und Männer an diesem Nachmittag kreative, auch verrückte Lösungen finden. Knappe fünf Stunden Zeit für ein Problem, das die Erwachsenen seit Jahren nicht gelöst bekommen.

Stolze Landeier

Ein Problem, das es, wenn man sich an diesem Nachmittag im Saal des Bürgerhauses einmal umhört und umschaut, gar nicht geben dürfte. „Landei – und stolz darauf“ lautet der Titel einer der Arbeitsgruppen. Eine Aussage, die vermutlich alle 28 hier unterschreiben würden. Nach Hamburg, München, Berlin scheint niemanden etwas zu ziehen. „Die Stadt ist kurzlebig und stressig“, sagt Jana Saßmannshausen aus Erndtebrück-Birkelbach. „Bei uns im Dorf, da treffe ich immer jemanden, den ich kenne. Da gibt es echte Nähe.“ Weggehen – das kommt für sie ebenso wenig in Frage wie für die anderen hier.

Deshalb arbeiten sie fünf Stunden lang an Lösungen, wie Südwestfalen attraktiv bleibt. Hochkonzentriert. „Design Thinking“ nennt sich die Methode, nach der gearbeitet wird unter Anleitung von Juliane Bublitz, „Zukunftsinstitut Workshop GmbH“ Frankfurt. Thema verstehen, Empathie entwickeln, Erkenntnisse filtern, Lösungen suchen, Prototypen bauen – so die vorgeschriebenen Arbeitsschritte. Schwammige Begriffe, die mit Inhalten zu füllen, den Jugendlichen zunächst schwer fällt. In fünf Grüppchen sind sie zusammengewürfelt worden. Jedes Team soll eine Frage bearbeiten: Wie können kreative Köpfe unterstützt werden? Wie bringt man die Jugendlichen dazu, auf dem Land zu wohnen? Wie kann die Region authentisch vermarktet werden? Wie kann aus dem „Kuhkaff“ ein „Hotspot“ werden? Wie lässt sich Südwestfalen besser mobilisieren?

Der Takt ist schnell. Zehn Minuten, um sich kennenzulernen. Zehn Minuten, um das Problem zu definieren. Doch das Tempo beflügelt. Und so wird aus unsicherem Abtasten schnell ein lebhaftes Gespräch. Jeder Gedanke, jede Idee wird auf einen Haftzettel notiert, an ein Board gepappt. Hunderte der bunten Post-its werden so im Laufe des Nachmittags bekritzelt. Keine Idee ist zu spinnert, lautet die oberste Regel.

Rollen oder teleportieren?

„Ganz viel essen und dann rollen“ – das könnte vielleicht eine Lösung für das Mobilitätsproblem sein. Teleportieren, K.o.-Tropfen schlucken oder einfach Termine reduzieren, sind auch im Gespräch. Die Mobilität auf dem Land – ist ganz offensichtlich das Hauptproblem. Am Ende finden die 28 auch zu konkreten Lösungsvorschlägen.


Ein Bus, der abends über die Dörfer fährt, um die Jugendlichen in die Städte zu den Partys zu bringen und sie später wieder zurückbringt.
Ein Sammelpunkt in der Stadt für Leute, die Mitfahrgelegenheiten suchen. Wann es wohin gehen soll, melden die Jugendlichen über eine App an.
Für Kinder eine App, um sich mit anderen zu verabreden. Eine App auch für diejenigen, die kreative Ideen haben und Gleichgesinnte oder Unterstützer suchen.
Ein idealer Treffpunkt im Dorf für Alt und Jung, für Kinder und Senioren. Zum Spielen, Musikhören, Kaffetrinken. Das zu realisieren, ist schwierig, so die Jugendlichen selbst. Ein bisschen Utopie bleibt.

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