Interview

Fußball-Linienrichter Fischer aus Hemer über Druck und Betrugsversuche

Linienrichter Christian Fischer (li.) neben Hamburgs Rafael van der Vaart, der eine Ecke ausführt.

Linienrichter Christian Fischer (li.) neben Hamburgs Rafael van der Vaart, der eine Ecke ausführt.

Foto: firo/El-Saqqa

Hagen.  Der 150. Einsatz für Christian Fischer als Bundesliga-Linienrichter ist ein besonderer: Das Jubiläumsspiel ist die erste Partie von RB Leipzig nach dem Eklat von Dortmund.

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So ganz genau weiß Christian Fischer gar nicht mehr, bei welchem Erstliga-Spiel er erstmals an der Seitenlinie stand. „Es war 2005 in Hannover“, überlegt der Unparteiische, „und ich weiß noch, dass ich mein Debüt an der Seite von Dr. Franz-Xaver Wack geben durfte.“ Das Spiel der 96er gegen Werder Bremen endete 0:0. Gute elf Jahre später feiert Fischer ein kleines Jubiläum: Am Samstagnachmittag fungiert der Hemeraner bei der Bundesliga-Partie zwischen Leipzig und dem Hamburger SV zum 150. Mal als Schiedsrichter-Assistent im Fußball-Oberhaus.


Christian Fischer, an was erinnern Sie sich besonders, wenn Sie an diese Zeit zurück denken?
Fischer: In Südkorea durfte ich 2003 beim Finale in der K-League dabei sein, das war ein absolutes Highlight. Außerdem gehören sicherlich ein Einsatz in der Champions League beim Spiel zwischen Real Madrid und Juventus Turin sowie das DFB-Pokalfinale 2010 zwischen Werder Bremen und Bayern München dazu. Leider gibt es auch ein negatives Erlebnis...


Sie spielen auf das Freundschaftsspiel 2012 zwischen Fortuna Düsseldorf und Lissabon an, als der Benfica-Spieler Luisão Sie tätlich angriff.
Genau, das hat mir auch ganz schön zu schaffen gemacht. Wir haben ja alle unsere Erfahrungen in der Kreisliga gesammelt, dass so etwas aber auch in der „Komfortzone“ Profifußball passiert, war sicherlich erschreckend. Ich habe auch kurz überlegt, ob ich aufhören soll. Aber dann habe ich so viel Zuspruch von den Kollegen bekommen, dass ich schnell wusste, dass ich weitermachen werde. Der Spieler wurde ja auch bestraft und gesperrt.


Die zunehmende Gewalt auf dem Platz ist ein ständiges Thema, hinzu kommt, dass das Spiel immer komplexer wird. Was hat sich noch verändert?
Der Druck ist deutlich spürbar gestiegen – für alle Beteiligten, aber besonders für die Trainer. Die Zeiten, in denen es zwischen Mannschaften aus dem Tabellen-Mittelfeld um nichts mehr geht, sind vorbei. Das bekommen auch wir zu spüren, gerade die vierten Offiziellen. In der Analyse der Spiele stellen wir zudem fest, dass die Spieler immer mehr versuchen, zu betrügen. Das war früher anders. Auch wenn es hart klingt, muss man es so sagen: Auf dem Platz sind wir keine Freunde.


Können Sie jungen Leuten da noch guten Gewissens raten, Schiedsrichter zu werden?
Auf jeden Fall. Mir macht die Schiedsrichterei immer noch unheimlich großen Spaß. Vor allem, weil wir im Team arbeiten. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Thorsten Kinhöfer ist eine enge Freundschaft geworden, auch mit Sascha Stegemann und Sören Storks habe ich jetzt ein ausgezeichnetes Verhältnis.


Ihr 150. Einsatz ist nun die Partie zwischen RB Leipzig und dem HSV. Für die Leipziger ist es das erste Spiel nach den Vorfällen in Dortmund. Geht Ihnen so etwas durch den Kopf?
Ja, damit beschäftige ich mich im Vorfeld natürlich auch. Wir interessieren uns ja dafür, was im Fußball passiert: Dann kommt noch hinzu, dass ich in Dortmund geboren bin. Was da passiert ist, tut uns allen weh. Wenn aber um 15.30 Uhr angepfiffen wird, rückt das in den Hintergrund, dann gilt die Konzentration allein dem Spielgeschehen.

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