Oldtimer

Garagen-Gold zieht Betrüger an

Bei Oldtimer-Käufern zählen frühe Versionen des Porsche 911 zu den begehrtesten Klassikern. Gerne werden in Fälscherwerkstätten Basismodelle zu hochpreisigen Topmodellen umgebaut.

Bei Oldtimer-Käufern zählen frühe Versionen des Porsche 911 zu den begehrtesten Klassikern. Gerne werden in Fälscherwerkstätten Basismodelle zu hochpreisigen Topmodellen umgebaut.

Foto: Knut Vahlensieck

Hagen.   Der Oldtimer-Markt boomt. Die große Nachfrage und die steigenden Preise in Zeiten einer Niedrigzinspolitik ziehen aber auch Kriminelle an. Fälscher versuchen von der Wertsteigerung zu profitieren.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Alte Liebe rostet nicht. Wer dies anzweifelt, sollte sich auf dem Oldtimer-Markt umsehen. Klassische Automobile erleben einen Boom, die Zahl der Liebhaber wächst. Die große Nachfrage und die steigenden Preise locken allerdings Nepper, Schlepper, Bauernfänger an. Vorsicht Fälschung!

Der Boom

„Ja, es gibt derzeit einen Hype um Oldtimer“, sagt Dr. Götz Knoop, Anwalt für Oldtimerrecht aus Lippstadt. In Zeiten einer Niedrigzinspolitik entdecke so mancher Wohlhabender Auto-Klassiker als Wertanlage. „Es ist nicht immer nur der Spaß am Fahrzeug.“ Friedhelm Schwicker von der Prüfgesellschaft Dekra bestätigt: „Garagen-Gold ist schwer im Kommen.“ Durch die große Nachfrage erleben Oldtimer eine teils immense Wertsteigerung. Weil die Preise „durch die Decke gehen“, wie es Knoop ausdrückt, tummeln sich unseriöse Anbieter auf dem Markt, die das schnelle Geld wittern. Experten verweisen gerne auf den Mercedes 300 SL, einem Coupé mit Flügeltüren, der zwischen 1954 und 1957 verkauft wurde: Es seien mehr Fahrzeuge im Umlauf, als jemals gebaut wurden.

Die Marken

„Besonders hoch im Kurs stehen Premium-Marken“, sagt Friedhelm Schwicker. Zu den begehrtesten Klassikern zählen frühe Porsche 911. Der Carrera RS 2.7, der in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gut 1500 Mal gebaut wurde, hat eine kontinuierliche Wertsteigerung erlebt. Die Basis-Version wurde seinerzeit für 34 000 DM angeboten. Heute sind Auto-Liebhaber bereit, mehr als 1 Million Euro zu bezahlen. Gefragt sind ebenfalls leistungsstarke Baureihen-Modelle wie der BMW 2000 ti, der NSU TT/TTS, der Mercedes-Sportwagen W 113 (Pagode) sowie der VW-Bulli der zweiten und dritten Generation. Der Wert des SEL Flügeltürers von Mercedes ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 300 Prozent gestiegen.

Die Fälscher

Betrüger fälschen nicht nur Fahrzeug-Brief und Fahrzeug-Ident-Nummern (FIN) von alten Autos. Durch größere Umbauten – man rüstet ein Basis­modell zu einem Topmodell auf - vervielfacht sich der Auto-Wert. Anwalt Knoop zufolge sind Fälschungen eher nicht das Werk krimineller Banden. Er geht von einzelnen Händlern bzw. „Schraubern“ aus, die möglichst wenig Mitwisser ­haben wollen. Das Vorgehen ist hochprofessionell: „Viele Fälschungen sind so gut gemacht, dass auch Experten ins Schlingern ­kommen. Eigentlich sind sie nur nachzuweisen, wenn Fehler gemacht werden.“ Dekra-Sprecher Schwicker berichtet von Fälscherwerkstätten im europäischen Ausland, die Teile originalgetreu nachbauen und Oldtimer perfekt restaurieren.

Der Sachverstand

Die Höhe des Kaufpreises steht nicht immer im Einklang mit dem Fachwissen des Käufers. „Das ist ein Problem“, spricht Götz Knoop an, dass Geldanleger es Betrügern häufig zu einfach machen. „Und dann kommt auch noch Gutgläubigkeit hinzu.“

Die Justiz

Welches Ausmaß der Betrug angenommen hat, lässt sich nur schwer feststellen. Nur wenige Opfer gehen an die Öffentlichkeit. Dennoch: Oldtimer beschäftigen zunehmend deutsche Gerichte. So klagt der Käufer eines angeblich gefälschten Porsche RS 2,7 Lightweight von 1972 in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht Arnsberg gegen mehrere Personen, die an dem Verkauf beteiligt waren. Er wirft ihnen vor, dass sie ihm im Jahr 2013 ein restauriertes Fahrzeug für 459 000 Euro verkauft und die Echtheit des Oldtimers vorgetäuscht hätten. Der Preis eines ­echten Wagens sei bis heute um knapp das Dreifache gestiegen. Die Beklagten bestreiten die ­Vorwürfe. Gegen zwei Beteiligte hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg ­Anklage wegen Betruges in einem besonders schweren Fall erhoben.

Der Rat

Dr. Götz Knoop, Anwalt für Oldtimerrecht, rät, beim Oldtimer-Kauf einen Sachverständigen hinzuziehen, der „Ahnung von dem Fahrzeugtyp hat.“ Und er empfiehlt eine „nüchterne Betrachtung“: „Viele schalten vor Begeisterung den Verstand aus. Nehmen Sie die rosarote Brille ab!“

Die Zukunft

China denkt über das Ende des Einfuhrverbots für Oldtimer nach. Sollte sich der weltgrößte ­Automarkt für alte Schätzchen ­öffnen, „wird der Markt für alte Autos noch enger“, sagt Friedhelm Schwicker. Das dürfte noch mehr Betrüger auf den Plan rufen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben