Wildtiere

Gegen die Angst vorm Wolf haben es Fakten schwer

Die Wölfe kehren zurück. Das löst nicht nur Begeisterung aus.

Foto: Jens Büttner

Die Wölfe kehren zurück. Das löst nicht nur Begeisterung aus. Foto: Jens Büttner

Bad Berleburg.  Wie bewerten Experten die Probleme bei der Rückkehr des Wolfs?. Die Tiere sind weniger scheu als erwartet, vermehren sich schneller als gedacht.

Wittgenstein wird wilder. Nach den Wisenten ist nun auch der Wolf wieder da. Das Video eines Landwirtes, das bei Bad Berleburg aufgenommen wurde, lässt keinen Zweifel zu. Die Meldung wird in den Sozialen Netzwerken heiß diskutiert. Einer Mehrheit von positiven Kommentaren stehen äußerst kritische Stimmen von Grundbesitzern und Tierhaltern entgegen.

Wolf in Berleburg-Alertshausen

Ein Landwirt hat im Bad Berleburger Ortsteil Alertshausen einen jungen Wolf gefilmt.
Wolf in Berleburg

Was bringt der Wolf? Da könnte der Blick in Regionen helfen, die seine Rückkehr früher erlebt haben und einen Erfahrungsvorsprung haben. Kann Südwestfalen davon lernen und Fehler vermeiden? Markus Barten, Wolfsexperte beim NABU, ist skeptisch: „Der Mensch ist überall gleich. Alle Fehler werden immer neu gemacht.“

Vorsprung Sachsen

Sachsen hat der Wolf bereits zur Hälfte besiedelt. André Klingenberger vom Kontaktbüro Wölfe in Sachsen stellt fest: „Die größten Probleme haben wir dort, wo der Wolf sich neu ansiedelt.“ Und mit der Zeit gewöhnt man sich anein­ander? Ganz so nicht. „Gegen Ängste helfen sachliche Fakten nur bedingt“, hat der Mitarbeiter des sächsischen Umweltministeriums erfahren. Und natürlich sei die Betroffenheit groß, wenn tote Schafe auf der Weide liegen: „Dann schläft der Schäfer schlecht.“ Aber wenn er dann gelernt habe, Zäune sorgfältig zu bauen und zu kontrollieren, sei das Risiko gering. Und die meisten Bürger stellten nach einer Weile fest, dass sie kaum Berührungspunkte mit den Wölfen hätten. Fazit: „Es braucht Zeit.“

Keine Ruhe an der Küste

Doch Zeit allein löst keine Probleme. Der niedersächsische Landkreis Cuxhaven ist seit fünf Jahren Wolfsgebiet. Acht bis zehn Wölfe leben in der Region. „Die Situation bleibt angespannt“, berichtet Christian Döscher, Leiter der Landkreis-Redaktion der Nordsee-Zeitung. Landwirte und Schäfer fühlten sich alleingelassen, 120 Nutztiere seien gerissen worden zwischenzeitlich hätten sogar Kindergärten ihre Waldspaziergänge eingestellt. Im September 2016 sei die Mutterwölfin erschossen und demonstrativ ausgelegt worden. Zudem koche der Streit um die Wölfe im Vorfeld der Landtagswahl 2018 hoch: „Hier hat sich gar nichts beruhigt“, sagt Döscher.

Theo Grüntjens, Wolfsberater, Jäger und Förster aus Niedersachsen, kann sich vorstellen, warum das so ist: „An den Deichen ist es schwer, eine Lösung zu finden. Die lassen sich kaum einzäunen.“ Dennoch ist er aufs Ganze gesehen optimistisch, wenn die richtigen Konsequenzen gezogen werden: „Die Ministerien müssen flexibler werden. Schadensregulierungen dauern viel zu lange und sollten vor Ort entschieden werden. Es müssen Leute ausgebildet werden, die vor Ort mit den Menschen sprechen. Die müssen sieben Tage in der Woche 24 Stunden erreichbar sein.“

Vor allem müsse man Wissen vermitteln. So gut es geht: „Die Tiere verhalten sich anders als in der Literatur. Sie sind weniger scheu als erwartet und vermehren sich schneller als gedacht.“ Deshalb sei die Beobachtung wichtig: „Nur wenn wir mehr über jedes Rudel wissen, können wir richtig aufklären.“

In Niedersachsen hat der NABU Anfang des Jahres ein Herdenschutzprojekt gestartet. „Die Kosten für Zäune bekommen Tierhalter bis zu 80 Prozent ersetzt“, erklärt Peter Schütte, „aber die Mehrarbeit bezahlt ihnen niemand“. Und Schäfer sähen sich ohnehin als die Kellerkinder der Landwirtschaft. „Da wollen wir vermitteln“, sagt der NABU-Mitarbeiter.

Arbeitsgruppe Wolf in NRW

NRW bereitet sich seit 2010 auf den Wolf vor. Auf Anregung der beim LANUV eingerichteten Arbeitsgruppe „Wolf in NRW“ werden Wolfsberater ausgebildet. Seit Februar regeln die „Förderrichtlinien Wolf“ einen finanziellen Ausgleich bei Schäden durch den Wolf und die Förderung von Präventionsmaßnahmen für den Herdenschutz. „In Deutschland genießt der Wolf den höchst möglichen Schutzstatus nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Die Jagd auf Wölfe ist daher nicht gestattet“, erläutert Matthias Kaiser, Leiter der Arbeitsgruppe „Wolf in NRW“. „Der Wolf wurde in West- und Mitteleuropa fast vollständig ausgerottet. Seit Ende des 20. Jahrhunderts steht er unter internationalem Schutz.“

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