Gericht

Gericht sichtet Videos im Dortmunder IS-Prozess

In Dortmund steht ein Lippstädter wegen Terrorverdachts vor Gericht.

In Dortmund steht ein Lippstädter wegen Terrorverdachts vor Gericht.

Lippstadt.  Eine Anleitung zur Herstellung von Sprengstoff sowie eine Demonstration der Sprengkraft an einem Menschen sind auf dem Bildmaterial zu sehen.

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Im Verfahren um einen mutmaßlichen Islamisten aus Lippstadt, der der Anklage zufolge einen Terroranschlag geplant haben soll, konzentrierte sich das Landgericht Dortmund am gestrigen zweiten Verhandlungstag auf zwei Videos, die der 21 Jahre alte Angeklagte in seinem Besitz gehabt haben soll.

Das erste sei laut Anklage eine Anleitung zur Herstellung von Sprengstoff. Auf dem knapp halbstündigen Video, das beim Angeklagten gefunden worden war, ist ein maskierter Mann in Militäruniform zu sehen, der in einer Küche eine Bombe baut. Dazu verwendet er unter anderem ein Fieberthermometer, eine Salatschüssel, eine abgeschnittene Getränkedose, eine Spritze und ein Stromkabel.

Mord auf Video

Genau diese Gegenstände waren Anfang des Jahres auch beim Angeklagten gefunden worden. Auf dem Video ist später außerdem zu sehen, wie ein Mensch mit einem Rucksack in Todesangst durch die Wüste rennt und dann in die Luft gesprengt wird - offenbar um die Detonationskraft der zuvor gebauten Bombe zu demonstrieren. Auch diese furchtbar grausame Szene wurde im Gerichtssaal per Beamer an die Wand geworden.

Beim zweiten handele es sich um ein Trainings-Video, das den Messerkampf am lebenden Beispiel zeige und von der Terrororganisation Islamischer Staat stamme. Beide Videos stellte die Polizei bei der Festnahme des Deutsch-Kasachen in einer Lippstädter Pension auf einem USB-Stick sicher. Ebenso fanden die Ermittler Gegenstände wie ein Fieberthermometer, ein Stromkabel, Kanülen und eine Blockbatterie, die dem Propaganda-Video des IS zufolge für die Herstellung von Sprengstoff verwendet werden könnten.

2015 zum Islam konvertiert

Der Verteidiger des Angeklagten hatte beim Prozessauftakt vor drei Wochen ironisch „von einer explosiven Zusammensetzung von Haushaltsgegenständen“ gesprochen. Die Staatsanwaltschaft Dortmund wirft dem 21-Jährigen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor.

Der Anklage zufolge soll der junge Mann 2015 zum Islam konvertiert sein und seither einer radikal-islamistischen Glaubensrichtung angehören. Dabei soll er insbesondere eine Affinität zu der terroristischen Vereinigung Islamischer Staat zeigen. Türkische Sicherheitsbehörden nahmen ihn im Oktober 2015 an der Grenze zu Syrien fest und führten ihn nach Deutschland.

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