Wohnen

Gevelsberger bauen einmaliges Haus in Breckerfeld

Die Gevelsberger Eckhardt Fenner (2. von rechts) und Stefan Ellinghaus (rechts) bauen das Acht-Parteien-Haus im Herzen von Breckerfeld mit zahlreichen Helfern und Unterstützern.

Die Gevelsberger Eckhardt Fenner (2. von rechts) und Stefan Ellinghaus (rechts) bauen das Acht-Parteien-Haus im Herzen von Breckerfeld mit zahlreichen Helfern und Unterstützern.

Foto: Stefan Scherer

Gevelsberg/Breckerfeld.   Die Gevelsberger Eckhardt Fenner und Stefan Ellinghaus bauen in Breckerfeld ein Mehrfamilienhaus, das einmalig in NRW ist. Topmoderne Technik.

Was die beiden Gevelsberger Eckhardt Fenner und Stefan Ellinghaus im Breckerfelder Stadtkern schaffen, ist laut ihrer Aussage einmalig in ganz Nordrhein-Westfalen. Sie bauen ein Haus mit acht Wohneinheiten zwischen 70 und 116 Quadratmetern, und versprechen den künftigen Mietern monatliche Nebenkosten im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich.

Erdwärme aus 187 Metern Tiefe

Auf der Baustelle herrscht reges Treiben, und auf den ersten Blick sieht der Rohbau aus wie jeder andere auch. Doch hier entsteht ein „wegweisendes Projekt“ wie Bürgermeister André Dahlhaus sagt, das den Energieeffizienz-Standard „40 plus“ erfüllen soll. Was sich dahinter verbirgt erläutert Architekt Peter Gerbote: „Es dürfen maximal 40 Prozent an Primärenergie hinzugekauft werden.“ Den Strom liefert eine Solaranlage, deren Clou sich in einem eigenen Raum im Keller befindet: ein riesiger Speicher, der wie ein Akku funktioniert und die nicht benötigte Energie aufnimmt. Die Heizung läuft über Erdwärme, und auch hier bauen die Gevelsberger in außergewöhnlichen Dimensionen. Mit 187 Metern ist die Bohrung etwa doppelt so tief wie normalerweise. Hinzu kommt eine topmoderne Lüftungsanlage, die für das richtige Klima innerhalb der 50 Zentimeter dicken Wände sorgt. Zu jeder der Wohnungen gehört eine Garage mit Ladestation für E-Mobile beziehungsweise Pedelecs. „Diese Art zu bauen und die Energie dort zu erzeugen, wo sie verbraucht wird, wird bald Standard werden“, ist sich Gerbote sicher.

Geldanlage und Zukunftsthema

Doch was hat die beiden Gevelsberger dazu bewogen, in ein solches Projekt zu investieren und den Bau in Breckerfeld zu errichten? „Die Familie meiner Frau kommt aus Breckerfeld“, sagt Eckhardt Fenner. Bei einem Treffen mit Peter Gerbote sei diese Idee geboren worden. Seinen Freund Stefan Ellinghaus brauchte er nicht lange zu überreden; einerseits weil Geldanlagen während der Niedrigzinsphase ohnehin schwierig sind, andererseits, „weil mich dieses riesige Zukunftsthema, die Nebenkosten nicht zu einer zweiten Miete werden zu lassen, sofort gereizt hat“, wie Ellinghaus sagt, der zuvor kaum Berührungspunkte mit der Stadt Breckerfeld hatte. Mittlerweile ist ihm die Nachbarkommune ans Herz gewachsen: „Wir haben eine komplette Infrastruktur, die Geschäfte sind fußläufig zu erreichen, die Lage ein Traum.“

Kein reines Wohnen für Alte

Dies war auch ein ganz wichtiges Kriterium für die Standortwahl des Energieeffizienzhauses, das seinen Bewohnern neben der Barrierefreiheit auch etliche weitere Annehmlichkeiten bietet. Mülleimer rausstellen, den Flur putzen, Schnee schippen, das alles erledigt ein Hausmeister-Service. Die Wohnungen, die allesamt mit Einbauküchen vermietet werden und für Smart-Home ausgelegt sind, haben zudem so breite Türen, dass Rollstühle und sogar Krankenbetten problemlos hindurchpassen. Zudem ist Platz vorgesehen, dass auch eine Pflegekraft in jeder Wohnung übernachten könnte.

„Allerdings ist das Projekt nicht als reines Wohnen für alte Menschen angelegt“, betont Eckhardt Fenner. Dies zeigen auch die bisherigen Interessenten, die oftmals ihr Eigenheim verkaufen, um auch ohne Not so zu wohnen, dass sie deutlich weniger Arbeit haben und andererseits potenziell im Alter nicht mehr umziehen müssen.

Ab Sommer bezugsfertig

Die winterliche Witterung hat ein wenig Verzug in das Vorzeigeprojekt gebracht, doch „irgendwann im Sommer“, so Peter Gerbote, werden die ersten Mieter in das Mehrfamilienhaus einziehen. Sie sollen begeistert sein, und die beiden Gevelsberger gehen davon aus, dass ihr Projekt viele Nachahmer finden wird.

INFOBOX

Unterstützt wird das Projekt auch vom regionalen Energieversorger AVU, der mit der AVU Netz GmbH den Bau begleitet.

Um einen reibungslosen Betriebe zu gewährleisten – selbst wenn an allen Ladestationen gleichzeitig Autos angeschlossen werden – musste die AVU die entsprechende Technik schaffen, unter anderem eine Netzstation komplett erneuern.

„Dieses Thema wird mit zunehmender E-Mobilität immer wieder auf uns zukommen“, sagt AVU-Sprecher Jörg Prostka.

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