Gastronomie

Gewerkschaft NGG kritisiert Arbeitgeber im ländlichen Raum

Bei  9,25 Euro pro Stunde fängt der Tarif an. In den untersten drei Lohngruppen bieten die Arbeitgebervertreter ein Prozent mehr an – knapp zehn Cent.

Bei 9,25 Euro pro Stunde fängt der Tarif an. In den untersten drei Lohngruppen bieten die Arbeitgebervertreter ein Prozent mehr an – knapp zehn Cent.

Hagen.   In der Gastro- und Hotelbranche in NRW wird gerade um Lohnerhöhungen gerungen. Knapp zehn Cent die Stunde bieten die Arbeitgeber Hilfskräften.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Gewerkschafterin Isabell Mura ist bedient. Sie hat nach der zweiten Verhandlungsrunde um einen neuen Entgelttarifvertrag für die Gastronomie- und Hotelbranche in Nordrhein-Westfalen sprichwörtlich den Kaffee auf: „Die Arbeitgeber haben auf stur geschaltet.“ Ausgerechnet für diejenigen, die mit 9,25 Euro pro Stunde eh schon am billigsten abgespeist werden, bieten die Arbeitgeber am wenigstens Aufschlag. Ein Prozent – Reallohnverlust. Für eine Stellungnahme der Geschäftsführung von Dehoga-Westfalen gab es dort gestern keine Kapazitäten.

23 000 Minijobber

Mura, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für Südwestfalen, spricht von „Lohn-Diät“ für Ungelernte wie Spülkräfte, Küchenhilfen, Zimmerfrauen und Aushilfskellner. „Hilfskräfte bekommen in der Gastronomie oft nur einen Appel und ‘n Ei.“ Schuften auf Hochtouren, verdienen auf Sparflamme – das gelte nicht nur für die 23 000 Minijobber in der Branche in Südwestfalen. 9,25 Euro – ab Januar 2019 wird sogar der gesetzliche Mindestlohn bei 9,19 Euro liegen.

Die Verhandlungen seien zäh. Aus Muras Sicht liege dies auch daran, dass die Arbeitgebervertreter der Dehoga es im Grunde kaum allen recht machen können. Während in Großstädten und Ballungsräumen schon mal über Tarif gezahlt werde, weil sonst keine Beschäftigten zu bekommen seien, sehe es im ländlichen Raum anders aus: „Dort würden die Gastronomen und Hoteliers am liebsten nur gesetzlichen Mindestlohn zahlen“, sagt Mura. Nun ließen sich in Tarifverhandlungen für kleinere Betriebe bei Nachweis entsprechender wirtschaftlicher Zwänge auch Ausnahmen vereinbaren. Auf dem Lohnniveau, auf dem man sich bewegt, lehnt dies die NGG aber ab: „Die Branche ist schon flexibel genug“, sagt Mura von der NGG, die sich auch gegen Ausweitungen der Arbeitszeiten wehrt, die vom jetzigen Gesetz nach oben abweichen. Diese Debatte dürfte allerdings erst wieder bei Manteltarifverhandlungen Fahrt aufnehmen.

Kein Kavaliersdelikt

In der Branche in NRW gilt ein Flächentarifvertrag, der auch für die untersten drei Lohngruppen seit 2016 allgemeinverbindlich ist. Das heißt, alle Gastronomen und Hoteliers müssen sich daran halten und mindestens 9,25 Euro zahlen.

Ein Zuschlag täte dem Image der Branche sicher gut. zumal nach den letzten beiden Tagen mit Mindestlohnkontrollen durch den Zoll. Wie häufig die Beamten Verstöße festgestellt haben, wird erst am Wochenende feststehen. „Die Kontrolle ist wichtig, um zu zeigen, dass es sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt handelt“, sagt Kirsten Schüler, Sprecherin des Hauptzollamtes Bielefeld, das für den Hochsauerlandkreis zuständig ist.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben