Rock trifft Klassik

Green spielt Symphonic Floyd in Hagen

Die Band Green (Hier haben sich ehemalige und aktive Musiker der beiden erfolgreichsten und bekanntesten Hagener Bands Grobschnitt und Extrabreit zusammengetan) und das philharmonische Orchester Hagen spielen Songs der Band „Pink Floyd".

Die Band Green (Hier haben sich ehemalige und aktive Musiker der beiden erfolgreichsten und bekanntesten Hagener Bands Grobschnitt und Extrabreit zusammengetan) und das philharmonische Orchester Hagen spielen Songs der Band „Pink Floyd".

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Pink Floyd ist ein Rock-Klassiker. Wenn die klassische Hagener Rockband Green die Stücke aber mit klassischem Orchester einspielt, entsteht Neues.

Es beginnt klassisch mit der Ouvertüre, die kommende Attraktionen zusammenfügt. Nur sitzt das Philharmonische Orchester nicht im Orchestergraben des Hagener Theaters, sondern auf der Hinterbühne. Nun betritt die Band „Green“ den Raum davor und hinten marschiert der Theaterchor auf. Orgel, Gitarre, Bass, Streicher - ein langsamer Spannungsaufbau, der Gesang setzt ein. „Remember when you were young...“ Dann alle zusammen, das Licht explodiert, und erstmals erklingt, was David Gilmour, Roger Waters und Richard Wright für den Pink-Floyd-Gründer Syd Barrett schrieben: „Shine On You Crazy Diamond“. Gewaltig. Mitreißend. Ergreifend. Von dem Moment an kann nichts mehr schiefgehen.

Grenzüberschreitungen

Dabei ist die Kombination von Klassik und Rock so oft missglückt: Das Orchester kann das Filigrane und Differenzierte nicht zeigen, den Rockern fehlt die Kraft. Warum das beim Programm „Symphonic Floyd“, das am Freitag und Samstag Premiere hatte und am Ostersamstag und -sonntag wiederholt wird, anders ist? Weil Pink Floyds Musik immer schon souverän Grenzen überschritten hat. Und weil Experten am Werk sind.

„Green“ gab es eigentlich schon immer. Gefühlt. Historisch korrekt seit 1975. Eine Coverband aus Hagen. Aber dann wechselten Musiker zu Grobschnitt oder Extrabreit und Green löste sich auf. Aber immer wieder kommt die Band für besondere Projekte zusammen. Und nun eben auch mit Orchester und Chor. Und einer Theatertechnik, die sich vor Giganto-Rock-Events nicht verstecken muss.

Die Arrangements (Andres Reukauf) sind wichtig. „If“ spielen die Philharmoniker alleine, bei „One Of These Days“ braucht die Band kaum Unterstützung. Mal liefern die Streicher nur den Teppich für Bubi Hönigs Sologitarre, aber meist funktioniert die Kooperation bereichernd. „Run Like Hell“ mag in schlechten Momenten nach Foreigner klingen, und vielleicht wird „High Hopes“ ein wenig sehr bombastisch, doch die Eindrücke lösen sich schnell wieder auf, eine Ballade, ein Saxophon-Solo, eine bei Pink Floyd nicht vorgesehene Geige und Leadsänger Milla Kapolke, der alles im Griff hat. Und als der Kinderchor „Another Brick In The Wall“ schmettert, gäbe es kein halten mehr. Wenn nicht Pause wäre.

Danach wird es ernst. „Atom ­Heart Mother“, das Stück, das die ganze erste Seite des 1970er-Albums mit der Kuh auf dem Cover füllt, das mit großen Orchester aufgenommen und deshalb so gut wie nie live gespielt wurde, das aber nun das Zentrum des Hagener Projekts bildet. Befürchtungen: Wird sich wieder einmal bewahrheiten, das nichts älter wird als die Avantgarde von gestern? Halb so wild. Bis auf eine kurze Passage in der zweiten Hälfte, in der sich alles aufzulösen scheint und ein Klang zwischen Free Jazz und Donaueschingen irritiert, ist die 24-Minuten-Suite auch ohne bewusstseinserweiternde Drogen erstaunlich eingängig, mit wiedererkennbaren Melodien sowie elegischen Passagen und steigert sich am Schluss zu einer klassischen Floyd-Hymne mit ordentlich Pathos.

Auf der Rückseite des Mondes

Es zieht Bühnennebel auf. Und dann überschlagen sich die Höhepunkte auf der Rückseite des Mondes: „Breathe In The Air“, „Time“, „Money“ (mit live erzeugtem Registrierkassengeräusch und vom Bühnenhimmel regnenden Scheinen), „Us And Them“. Kein Versuch, das Album zu kopieren. Das Orchester klingt auf einmal jazzig. Wiedererkennbarkeit ist wichtig, aber mehr möglich.

Und Schluss. Kann nicht sein. Da fehlt doch noch was. Genau: Zwei Zugaben. „Wish You Were Here“ und „Comfortably Numb“. Die Euphorie ist groß, die Jubel reißt nicht ab, die Musiker wirken glücklich erschöpft. Lohnt sich der Aufwand für nur vier Aufführungen? Hätten nicht mehr Menschen das überwältigende Erlebnis verdient? Vielleicht. Aber das Besondere muss sich rar machen.

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