Umfrage

Große Umfrage: Was macht Ihre Stadt für Sie attraktiv?

Foto: Irmine Skelnik

Hilchenbach.   Die Uni Siegen will es wissen: Was macht Städte attraktiv? Rund 20 Kommunen aus Südwestfalen nehmen teil. Die Umfrage läuft noch bis Herbst.

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Städte wollen attraktiv sein. Aber was macht eine Stadt attraktiv? Nicht unbedingt das, von dem Politik und Verwaltung es erwarten, ahnt Psychologe Frank Luschei. Er leitet das Forschungsprojekt „Attraktivität von Städten und Gemeinden“ an der Uni Siegen. Rund 20 Städte aus Südwestfalen sind dabei. Die Befragung läuft mindestens bis Spätherbst.

Zur Umfrage der Uni Siegen

Was wünschen sich Bürger von ihrer Stadt?

„Lebensqualität“, ist dann die erste Antwort. „Unbestritten“, sagt Luschei, „aber was steckt inhaltlich dahinter?“ Die Versorgung durch Ärzte und Apotheken? Naturerlebnisse? Freundliche Nachbarn? Radwege? Arbeitsplätze? Diese und andere Kriterien, insgesamt 29, werden doppelt abgefragt. Zuerst, wie wichtig jedes Merkmal den Befragten selbst ist. Und dann, wie das einzelne Merkmal in der eigenen Stadt ausgeprägt ist.

Doch natürlich schaut Frank Luschei zwischendurch auf den Stand der Dinge. Erstes Fazit: In der Einschätzung, was wichtig ist, unterscheiden sich die Bürger verschiedener Kommunen kaum. In der Vergabe der Attraktivitätspunkte indes gebe es, von Stadt zu Stadt, „relativ große Unterschiede“. Insgesamt im Spiel sind, über Siegen-Wittgenstein hinaus, 19 Kommunen.

Macht das denn überhaupt Sinn – wo die Menschen sowieso weg vom Land in die Städte abwandern?

Landflucht, sagt Frank Luschei, ist ein Mythos. „Jährlich verlassen um die fünf Prozent der Einwohner ihre Stadt, und eine gleich große Zahl zieht hinzu.“ Luschei nennt das Beispiel der eigenen Stadt. Nicht nach Köln oder Düsseldorf, sondern nach Kreuztal oder Kirchhundem ziehen die meisten Hilchenbacher um. So viele Hilchenbacher nach Siegen ziehen, so viele Siegener ziehen nach Hilchenbach. „Es scheint also überhaupt nicht so zu sein, dass viele Studierwillige dorthin ziehen und diese Verluste auch nicht ausgeglichen werden.“ Insofern, sagt der Demografieforscher, lohnt es sich für die Städte auf dem Land, an ihrer eigenen Attraktivität zu arbeiten. Die Erhebung, was Bürgern wichtig ist, kann spannend sein. Allenfalls ein einziges Risiko gehe die teilnehmende Kommune ein: „Dass man Ergebnisse kriegt, die einem nicht gefallen.“

Also: Gewerbegebiete, Autobahnanschluss, Glasfaserkabel?

Ja, sagt Frank Luschei, Breitbandanschlüsse sind wichtig, ob ein Bürger eine Stadt attraktiv findet. „Das hat mich selbst überrascht.“ In der Ausbauqualität unterscheiden sich die Städte voneinander. Wobei gar nicht die Daten-Höchstgeschwindigkeit ausschlaggebend ist. Sondern eine gute Versorgung für den Hausgebrauch. Die aber auch im kleinen Ortsteil.

Der Rest wiederum ist Mythos, sagt Luschei. Nicht, weil die Menschen sich so äußern. Sondern weil schon die Zahlen antworten.

Beispiel Gewerbegebiete: „Der Zusammenhang zwischen der Arbeitsplatzdichte und dem Wanderungssaldo ist statistisch nicht signifikant“, heißt es in Luscheis Aufsatz für die Zeitschrift des Forschungskollegs Siegen (FoKoS). Wer Gewerbegebiete hat, kann trotzdem Einwohner verlieren, wie das Beispiel der Stadt Olpe zeigt. Auf Deutsch: „Den Leuten scheint es am Ende wurscht zu sein, wenn ihr Arbeitsplatz in der Nachbarkommune ist.“

Beispiel Autobahnanschluss: „Systematischer Zusammenhang nicht nachweisbar“, lautet der Befund. Kommunen, auf deren Gebiet ein Autobahnanschluss liegt, haben zwar mehr Zuzüge als Kommunen ohne. Aber auch mehr Fortzüge. Der zweite und der dritte Autobahnanschluss bringt dann ähnlich viel wie — kein Autobahnanschluss.

Was können und sollen die Kommunen mit dem Ergebnis der Umfrage anfangen?

Die Städte erhalten wichtige Informationen, was für wen relevant ist. „Das ist wichtig, wenn man sich auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren will“, sagt Frank Luschei. Familien werden ihre Attraktivitätspunkte anders verteilen als junge Singles oder ältere Einwohner. Um Attraktivität bemüht sei auch heute mehr oder weniger jede Kommune. „Es werden aber keine Schwerpunkte gesetzt.“

Hintergrund zur Studie:

  • Die Teilnahme an dem Forschungsprojekt, das die Universität aus einem Sonderfonds finanziert, ist für die Kommunen kostenlos.

  • Allerdings sollten Kommunen ihre Bürger für die Mitarbeit gewinnen, sagt Studienleiter Frank Luschei. „Der Rücklauf ist stark von ihrem Engagement abhängig.“

  • Hier geht's direkt zur Umfrage der Uni Siegen. Die Online-Fragebögen sind auch auf den Startseiten der teilnehmenden Städte verlinkt.

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