Tourismus

Urlaub im Sauerland: 7 Antworten gegen die Verunsicherung

Winterberg ist immer eine Reise wert: geht auch jetzt zu Corona-Zeiten.

Winterberg ist immer eine Reise wert: geht auch jetzt zu Corona-Zeiten.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Hagen.  Mit dem Kreis Olpe wurde eine touristische Gegend zum Risikogebiet erklärt. Was das für Urlauber heißt und warum Willingen eine Ausnahme ist.

Erst waren es einzelne Gebiete, in denen so genannte Superspreader-Events wie Großhochzeiten die Infektionszahlen in die Höhe stiegen ließen. Zuletzt rissen vor allem die Ballungsgebiete die Grenzwerte an Neuinfektionen, die weitere Maßnahmen nötig machten.

Seit Mittwochmorgen gehört auch der ländlich geprägte Kreis Olpe mit einem Wert von 53,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche zu den Risikogebieten und damit auch Teile des touristischen Sauerlandes – ausgerechnet während der Herbstferien. Viele Urlauber sind verunsichert, wohin man noch unter welchen Bedingungen reisen darf. Und: Macht es einen Unterschied, ob ich selbst aus einem Risikogebiet anreise? Fragen und Antworten:

1. Urlaubsort ist Risikogebiet: Welche Auswirkungen hat das? Die wichtigste ist: Verunsicherung. „Da es keine klaren und für alle geltenden Regeln im Bundesgebiet gibt, ist die Verunsicherung bei Urlaubern groß. Das ist bei Anrufen in den Betrieben und bei örtlichen Tourismusverbänden herauszuhören“, sagt Rouven Soyka vom Sauerland-Tourismus. Er glaubt auch an einen negativen Einfluss auf die Buchungs- und Reisemoral: „Es ist nicht gut für den Tourismus im Sauerland, dass der Kreis Olpe zum Risikogebiet erklärt wurde. Wir hoffen, dass dies nicht von langer Dauer ist.

Der eine oder andere Gast wird sich jetzt überlegen, ob er den Urlaub im Sauerland antritt.“ Zur Verunsicherung der Menschen trügen unreflektierte Äußerungen in sozialen Netzwerken bei. Falsche Informationen vom Hörensagen würden als bare Münze genommen. „Ich rate jedem potenziellen Urlauber, sich auf den Internetseiten vom Sauerland-Tourismus, örtlichen Tourismusverbänden und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in NRW (Dehoga) zu informieren“, sagt Soyka.

2. Kann ich denn derzeit im Kreis Olpe Urlaub machen? Die Gesetzeslage lässt keine Zweifel zu: Natürlich geht das. „Einem Urlaub im Sauerland – oder einem Tagesausflug – steht eigentlich nichts im Wege“, sagt Soyka. Die Bundesregierung fordert zwar alle Bürgerinnen und Bürger auf, „nicht erforderliche Reisen in Risikogebiete (...) zu vermeiden“. Aber das Land Nordrhein-Westfalen setzt das so genannte Beherbergungsverbot nicht um. Es seien derzeit „keine Einschränkungen für Reisende aus oder in diese Städte und Regionen vorgesehen“, teilt das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage mit. Die Lage werde aber jederzeit geprüft und vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens neu bewertet.

3. Muss ich einen negativen Corona-Test vorzeigen, wenn ich aus einem Risikogebiet komme?
Bei innerdeutschen Reisen nach NRW ist das nicht gesetzlich nötig, aber in seltenen Fällen trotzdem vom Vermieter oder Hotelier erwünscht. „Einige Betriebe gehen auf Nummer sicher und verlangen einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist. Aber diese Vorgehensweise ist nicht flächendeckend im Sauerland“, berichtet Soyka.

Anders sieht es aus, wenn es Gäste aus den Niederlanden oder Belgien sind, die ins Sauerland wollen. Diese müssen bei der Anreise einen negativen Corona-Test vorlegen. „Der eine oder andere hat seine Reise bereits abgesagt. Nicht, weil er das Sauerland nicht mehr mag, sondern weil er den geforderten Corona-Test zeitlich nicht hinbekam“, sagt Soyka.

4. Welche Besonderheiten gibt es beim Urlaub im Sauerland? Das als Party-Örtchen bekannte Willingen ist eine Tourismus-Hochburg, die zum Sauerland gerechnet wird, aber zu einem anderen Bundesland gehört: Hessen. Dort wiederum gilt das Beherbergungsverbot. Urlauber müssen also einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist, berichtet Soyka.

5. Wird die Kategorisierung des Kreises Olpe als Risikogebiet einen negativen Einfluss auf Tagesausflügler haben? Der Biggesee im Kreis Olpe ist eine der Attraktionen, die Tagesausflügler aus der Umgebung anlocken: Spazieren gehen, eine Fahrt mit dem Schiff über den See, nachher einen Kaffee trinken. Alles weiterhin möglich, vermutlich auch ohne größere Abstriche. „Die Corona-Pandemie wirkt sich auf den Tagestourismus nicht so sehr aus. Das Wetter hat einen viel größeren Einfluss“, sagt Rouven Soyka vom Sauerland-Tourismus.

6. Wie ist die Buchungslage im Kreis Olpe? Gut, aber anders. Viele Hoteliers und Betreiber schauen auf derzeit gute Buchungszahlen. Mit einer Besonderheit: Gäste aus den Niederlanden, sonst in einer Vielzahl vertreten, sind derzeit kaum anzutreffen, berichtet Jens Boenicke vom Campingplatz Hof Biggen in Attendorn: „Bei den Tourismusgästen aus Deutschland ist die Buchungssituation positiv zu bewerten. Es liegt eine deutliche Steigerung der Übernachtungszahlen vor.“

7. Wie ist die Lage im angrenzenden Hochsauerlandkreis? Während der Kreis Olpe Risikogebiet ist, liegt die Nachbarschaft weit entfernt von irgendwelchen Corona-Grenzwerten. Aber Verunsicherung unter den Gästen gibt’s da auch. Fast alle riefen vor der Anreise noch einmal an, ob sie auch wirklich kommen könnten, sagt Daniela Tigges, Inhaberin des Familotels Ebbinghof in Schmallenberg. Bis zum Mittag gab es schon wieder mindestens zehn Anrufe und Mails deswegen.

„Wir haben Gäste aus Risikogebieten oder aus Regionen, die sich auf den Grenzwert zubewegen, die nicht wissen, ob sie ihre Buchung wahrnehmen dürfen“, erzählt sie. Der Ebbinghof hat extra die Stornierungsbedingungen gelockert, weil sonst vor Wochen nur wenige gebucht hätten: Sieben Tage vorher ist alles kostenlos aufkündbar. Das funktioniert, weil das Familotel sich gerade die Gäste aussuchen kann: Auf der Warteliste stehen mehr als 50 Namen. Daniela Tigges könnte ihren Hof in den Herbstferien mehr als zweimal voll machen. „Wir profitieren derzeit klar vom Inlandsreisetrend. Allerdings: Außerhalb der Ferien stellen wir einen Buchungsrückgang fest, weil die, die im November fahren könnten, können auch im Dezember oder Januar fahren. Die warten gerade ab.“

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