Polizei

Gullydeckel-Attacke: Bahn schockiert über kriminelle Energie

Das Foto zeigt die zerstörte Frontscheibe des Zuges.

Das Foto zeigt die zerstörte Frontscheibe des Zuges.

Bad Berleburg.   Die Ermittlungen nach der Attacke auf den Regionalzug in Bad Berleburg laufen auf Hochtouren. Der Fahrer steht nach dem Vorfall unter Schock.

Nach der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug der Rothaarbahn in Bad Berleburg am Samstagmorgen laufen die ­Ermittlungen auf Hochtouren – und zwar in alle Richtungen. Die ­eingerichtete Mordkommission ist dazu am Montag auf 20 Ermittler aufgestockt worden. „Es gibt vereinzelte Hinweise aus der Bevölkerung, aber noch keine Spur“, erklärte am Nachmittag ein Sprecher der ­Polizei Siegen.

Kein Terroranschlag

Allein einen Terroranschlag schließt die Polizei aus: „Dazu gibt es keinerlei Hinweise“, erklärte der Sprecher der Polizei in Siegen auf unsere Nachfrage. Eine Boulevard-Zeitung hatte nach der Attacke auf den Zug über drei Theorien spekuliert, die zu dem Vorfall geführt haben könnten – eine davon war ein möglicher Terrorakt. Auch einen politischen Hintergrund hält die Polizei derzeit für unwahrscheinlich, weshalb auch der ­Staatsschutz bislang nicht tätig geworden ist.

Was bisher feststeht: Der oder die Täter – ob einer oder mehrere ist noch unklar – sind sehr planmäßig vorgegangen, haben einen hohen Aufwand für den Angriff auf den Zug betrieben.

Das beschädigte Triebfahrzeug – zwei Gullydeckel hatten die Glasscheibe der Fahrerkabine eingeschlagen, mindestens eines der gusseisernen Gitter hat zudem eine Schleifspur auf dem Dach des Triebwagens hinterlassen – ist am Montag weiter untersucht worden.

Der Fahrer (49 Jahre) des Triebwagens hat bei dem Vorfall einen mittelschweren Schock erlitten. „Er ist noch vor Ort von einem Notfallmanager betreut worden“, berichtet Sabrina Walter, Sprecherin der Hessischen Landesbahn; der 49-Jährige sei krankgeschrieben und falle „sicher einige Tage aus“, so Walter: „Er entscheidet dann, ab wann er wieder fahren kann.“ Das Unternehmen sei erleichtert, dass der Fahrer dank seiner schnellen Reaktion und der Vollbremsung ohne körperliche Blessuren davongekommen ist.

Gullydeckel offenbar 30 Kilometer transportiert

Die Hessische Landesbahn, die im Auftrag des Zweckverbands ­Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) die Rothaarbahn betreibt, geht nach ersten Schätzungen von einem Sachschaden in Höhe von 20.000 Euro aus. „Ein vergleichbarer Fall ist mir nicht bekannt“, sagte die Bahnsprecherin über die hinterhältige Attacke: „Wir sind schockiert über die kriminelle Energie der Täter.“

Anschlag auf Rothaarbahn

Unbekannte hatten in der Nacht zu Samstag mehrere Gullydeckel, die sie offenbar in der Nacht zuvor im 30 Kilometer entfernten Hilchenbach aus Einlaufschächten entfernt hatten, von einer Brücke in Bad Berleburg herab an Seilen über der Bahntrasse aufgehängt. Zwei der Gitter schlugen in der Frontscheibe eines Triebfahrzeugs der Hessischen Landesbahn, die zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück am Samstagmorgen den Betrieb aufnahm, ein. Insgesamt drei Gullydeckel lagen nach Zeugenaussagen später im Gleisbett; ein vierter wurde nahe einer Schule in Bad Berleburg aufgefunden, auch diesen Gullydeckel zählt die Polizei zu den in Hilchenbach gestohlenen.

Ermittlungen wegen Mordversuchs

Polizei und Staatsanwaltschaft ­ermitteln wegen gefährlichen ­Eingriffs in den Bahnverkehr und Mordversuchs: Der oder die Täter hätten mit der Attacke den Tod eines Menschen in Kauf genommen. Die Ermittler hoffen bei der Aufklärung weiter auf Hinweise aus der Bevölkerung: Insbesondere ­benötige man Informationen von ­Bürgern, die das Fehlen der Gullydeckel in Hilchenbach bemerkt ­haben.

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