Hochwasser

Hagen: Wer Hilfe braucht oder bietet, meldet sich hier

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Mitarbeiter der Hagener Stadtverwaltung – hier Julia Imo und Lena Borowski – helfen der Freiwilligenzentrale bei der Koordinierung der Hilfsangebote und Hilfegesuche.

Mitarbeiter der Hagener Stadtverwaltung – hier Julia Imo und Lena Borowski – helfen der Freiwilligenzentrale bei der Koordinierung der Hilfsangebote und Hilfegesuche.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Das vom Hochwasser schwer getroffene Hagen wird von Hilfsbereitschaft überrannt. Doch ohne System wird das, was gut gemeint ist, zum Problem.

Das Klingeln des Telefons hat Lucia Backhaus stumm geschaltet, ein Lämpchen daran blinkt lediglich in aufgeregtem Rot. Um zu wissen, wann es klingelt, das hat sie schnell gemerkt, braucht es nicht viel: es schellt immer. In der Leitung hat sie einen Stuckateur aus Dortmund, der helfen will. Er bietet seine kostenlose Arbeit für Menschen, die nicht gegen das Hochwasser der vergangenen Woche versichert waren. „Wir rufen Sie sofort an, wenn wir eine genaue Adresse haben“, sagt Lucia Backhaus.

Freiwilligenzentrale vermittelt gezielt Hilfen in Hagen

Die Unwetter-Katastrophe, die sich durchs ganze Land zieht, hat in Hagen sozusagen ihren Anfang genommen. Die Stadt war das erste Krisengebiet und sieht knapp eine Woche nachdem Beginn des Regens teilweise auch immer noch genauso aus: Müllberge an den Straßen, beschädigte Autos und Häuser, verzweifelte Menschen, die Hilfe brauchen. Hilfe, die Lucia Backhaus und ihre Kolleginnen vermitteln. Vermitteln müssen. Denn sonst droht das, was gut gemeint ist, zum Problem zu werden.

Die Stadt hat seit Samstag Hotline-Nummern und eine Mailadresse geschaltet, unter der sich Hilfesuchende, aber auch Hilfebietende melden können. Zwölf Mitarbeiter der Stadt sind es gerade, die Mails checken und telefonieren. 1800 Mails sind seit Freitag eingegangen, die Telefonate sind unzählbar.

Hilfsangebote werden gesammelt und kategorisiert

In einem in die Jahre gekommenen Gebäude am Rande eines Industriegebietes hat das Hilfe-Zentrum Quartier bezogen. Zwei Räume, viele Monitore, orangefarbene Papiere an der Wand, die die Angebote kategorisieren: „Verpflegung“, „Material Bedarf“, „Material Angebot“, „Helfer Bedarf“. Darunter das, was reingekommen ist: Eine Firma aus Leverkusen bietet Kartons. Heu aus Hamm für die Tiere, Kinderbetreuung aus Siegen und Wetter.

Ein Juwelier will mit seinen Mitarbeitern zum Anpacken kommen, ein Abschleppunternehmen bietet kostenloses Bergen, Abschleppen und Lagern an. Weiße Ware? Gern genommen.

Für Sachspenden ist es noch zu früh

Doch all das will eben auch systematisiert sein, damit jeder kriegt, was er braucht, und anderes nicht am Wegesrand stehen bleibt. In Wittgenstein wurden Sachspenden gesammelt für die Menschen in den Krisengebieten – so viele, dass die Aktion vorzeitig beendet werden musste.

Sachspenden sind absolut wichtig, aber jetzt noch viel zu früh. Übertrieben formuliert: Wo das Wasser noch im Wohnzimmer steht, da wird keine neue Kommode gebraucht“, sagt Stephanie Krause, Leiterin der Freiwilligenzentrale in Hagen, die die Hilfen koordiniert. „Im Moment filtern wir aus den Angeboten jene heraus, wo Leute anpacken wollen“, sagt sie. Mittlerweile haben sie und die Mitarbeiter Ansprechpartner in allen stark betroffenen Quartieren. Sie wissen, wer Stromgeneratoren braucht oder eine Tauchpumpe – und wer sie hat.

„Die Ideen der Menschen sind sehr berührend“

„Es ist sehr, sehr rührend, auf welche Ideen die Menschen kommen. Der Inhaber eines Supermarkts aus Niedersachsen hat sich am Wochenende auf den Weg nach Hagen gemacht und für die Helfer Bratwürstchen mitgebracht und gegrillt“, sagt sie. Dass das nicht immer eine gute Idee sein muss, zeigt das Beispiel Altena. Die Stadt bittet „alle hilfsbereiten Personen außerhalb von Altena das Stadtgebiet nicht aufzusuchen“, weil die Stadt wegen vieler Straßensperrungen ohnehin schon Nadelöhr darstellt.

Doch die Hilfsbereitschaft beeindruckt. Sogar aus Hamburg rufen die Menschen an, Spitzhacke und Schaufel sozusagen schon in der Hand. „Die sagen dann sowas wie: Ich habe einen Tag Urlaub. Wann soll ich da sein, wo soll ich hin?“, sagt Lucia Backhaus. „Es ist unglaublich, wie viele Menschen helfen wollen. Aber es reicht auch noch längst nicht.“

<<< HINTERGRUND >>>

Die Stadt Hagen hat für Hilfsangebote eine zentrale Hotline unter den Rufnummern 02331/207-5199, -5985 und -5976 eingerichtet. Wer helfen will, kann sich auch an hochwasserhilfe@stadt-hagen.de wenden. Wichtig: Es gibt auch eine eigene Hotline für die, die Hilfe benötigen, unter: 02331/207-5974.

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