Ärzte

Hausarzt in Herdecke weist Pharmavertretern die Tür

Der Herdecker Hausarzt Nik Koneczny ist Vorstand des Vereins „Mein Essen zahl ich selbst“.

Der Herdecker Hausarzt Nik Koneczny ist Vorstand des Vereins „Mein Essen zahl ich selbst“.

Foto: WAZ FotoPool

Hagen.   Er lässt sich nicht von Pharmakonzernen zum Essen einladen und nimmt auch keine Geschenke von ihnen an: Wie Nik Koneczny, Vorstand einer Initiative unbestechlicher Ärzte, der Umgarnung durch die Arzneimittelindustrie entgehen will. Und sich damit nicht nur Freunde macht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mietmäuler meidet er. So nennt er die Experten, Professoren, Koryphäen, die auf Kongressen Neuerungen der Pharmaindustrie loben. Solchen Veranstaltungen bleibt er, wenn möglich, fern. Denn Nik Koneczny, niedergelassener Hausarzt, möchte sich vom Einfluss der Arzneimittelhersteller befreien. Deshalb gehört der Herdecker zum Vorstand des Vereins „Mein Essen zahl ich selbst“ (Mezis).

Keine Kugelschreiber und Kalender

Eine Gruppe von 500 Medizinern bundesweit, die sich gegen den Einfluss der Arzneimittelbranche wehren. Pharmavertreter müssen daher bei Nik Koneczny draußen bleiben; mit ihnen will er in seiner Praxis nicht sprechen. Er will ihre Referate über neue Mittel nicht hören. Und die kleinen Geschenke nicht haben, die sie am Ende ihre Besuches zurücklassen: Kugelschreiber, Kaffeetassen, Notizblöcke, Kalender, Gummibärchen.

Mehr sei es oft gar nicht, was die Ärzte heutzutage bekommen, sagt Koneczny vorsichtig. Früher, da habe es auch Laptops für die Praxis gegeben oder ein neues Untersuchungsgerät, wenn Ärzte ein Medikament häufig verordneten, sagt er. Medienberichten zufolge soll manchmal sogar Geld fließen, wenn Ärzte ein neues Präparat verordnen.

Doch selbst die kleinen Freundlichkeiten der Pharmabranche genügten, dass mancher Mediziner ein neues Präparat verordnet, das der Pharmavertreter angepriesen hat. Ein Präparat, das Mezis zufolge ein Vielfaches teurer ist als bekannte Mittel. Und das noch nicht gründlich erprobt ist, oft unbekannte Nebenwirkungen hat. Ein solche Verschreibung entspreche nicht dem Patientenwohl, so Koneczny. „Ärzte, die Pharma-Vertreter zu sich lassen, verordnen viel mehr erst seit kurzem zugelassene Medikamente“, heißt es bei Mezis. Und weiter: „Wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA und Kanada haben gezeigt, dass häufige Besuche von Pharmavertretern, verbunden mit solchen Geschenken, sich nachweisbar darauf auswirken, welche Arzneimittel ein Arzt verschreibt.“

Schwer entgehen lässt sich dem Einfluss der Arzneimittelbranche auf Fortbildungsveranstaltungen, wo die „Mitmäuler“ für neue Mittel werben und ein Pharmakonzern das Mittagessen, den Kaffee und die Getränke bezahlt. Ärzte aber sind verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Wenn Nik Koneczny eine solche Veranstaltung besuchen muss, „dann esse ich nichts oder spende hinterher einen angemessenen Betrag für eine gemeinnützige Organisation“, sagt er.

Keine Einladungen mehr

Mittlerweile aber wird ein Rebell wie er ohnehin kaum noch eingeladen. Schon gar nicht zu mehrtägigen Seminaren in Wellnesshotels am Meer. „Ich mache mir nicht immer Freunde“, sagt er, auch nicht unter den Ärzten. Und manchmal nicht einmal bei den Patienten, die in Gratis-Zeitschriften von ganz neuen Medikamenten lesen – und sich dann viel davon versprechen.

Dass es auch gute neue Medikamente gibt, manche dringend gebraucht werden, das bestreitet Nik Koneczny gar nicht. Doch darüber informiert er sich nicht bei den Pharmavertretern, sondern in objektiven Ärzte-Publikationen wie dem Arzneimitteltelegramm. Er betont: „Ich bin nicht gegen Innovationen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (4) Kommentar schreiben