Heimat-Serie: Heimatbund

Was der Sauerländer Heimatbund über "Heimat" denkt

Die Heimat ist wichtig. Aber man kann sie auch verlassen. Vorübergehend. Und ein Stück davon bei sich führen.

Die Heimat ist wichtig. Aber man kann sie auch verlassen. Vorübergehend. Und ein Stück davon bei sich führen.

Foto: Marvin Systermans

Olsberg.   Der Vorsitzende des Sauerländer Heimatbundes sieht Heimat nicht an Orte gebunden. Sein Anliegen: Die Region muss attraktiv bleiben!

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Seit 2010 ist Elmar Reuter (70) Vorsitzender des Sauerländer Heimatbundes. Bis 2009 war der gebürtige Sunderaner Bürgermeister in Olsberg, davor dort jüngster Stadtdirektor in NRW. Seit mehr als 50 Jahren gehört er der CDU an. 2015 erhielt Reuter das Bundesverdienstkreuz.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Elmar Reuter: Es ist weniger ein Ort als eine Umgebung, in der ich mich wohlfühle. Da geht es um eine intakte Natur und Umwelt, um wirtschaftliche Prosperität, vor allem aber um Menschen, mit denen ich mich verstehe.

Hat sich die Beziehung der Menschen zur Heimat verändert?

Der Heimatbegriff war belastet durch die NS-Ideologie. Manche Leute wollten ihn gar nicht mehr in den Mund nehmen, aus Angst, dass er verdreht wird. Das hat sich geändert. Inzwischen kann Heimat wieder unverfälscht benutzt werden und ist sogar wohl wieder richtig schick. In unseren Mitgliederzahlen merke ich das allerdings bislang nicht.

Man bleibt nicht mehr automatisch dort, wo man geboren wurde. Welche Rolle spielt die gewachsene Mobilität?

Wie gesagt: Der Ort ist nicht entscheidend. Es kommt auf die Situation dort an.

Ist es schwieriger geworden, Bürger zu finden, die sich für ihre Region engagieren? Wie gehen Sie auf junge Leute zu?

Es gibt solche Menschen noch immer, aber es ist schon schwieriger geworden. Das merken auch andere Organisationen. Wir machen positive Erfahrungen damit, dass man bei uns auch themenorientiert mitarbeiten kann, ohne Mitglied zu werden. Diese Werkstattgespräche, wie wir sie nennen, locken zwar auch nicht die Massen an, aber es gibt sie.

„Der Sauerländer Heimatbund arbeitet zukunftsorientiert“, heißt es in der Definition der Ziele. Was bedeutet das?

Da vollzieht sich seit zehn Jahren ein Wandel. Ursprünglich haben wir uns damit befasst, woher wir kommen, also viel mit Geschichte. Jetzt sagen wir: Wir müssen nach vorn schauen. Wir setzen uns dafür ein, dass das Sauerland ein attraktiver Lebensraum bleibt. Deshalb kümmern wir uns um die Kultur, untersuchen die Bedürfnisse der Kulturproduzenten und der Bürger und äußern uns auch zu regionalpolitischen Themen.

Sie stecken damit auch im Konflikt zwischen Landschaftsschutz und Wirtschaftsinteressen . . .

Wir wollen den Flächenverbrauch auch zurückdrängen, fanden den Landesentwicklungsplan der rot-grünen Landesregierung da allerdings zu rigoros. Wir dürfen den kleinen Dörfern ihre Entwicklungschancen nicht nehmen. Aber wir treten auch dafür ein, die Ortskerne zu stärken, bevor Neubaugebiete ausgewiesen werden. Die Neunutzung von Leerständen muss Vorrang haben. Da gibt es schlimme Beispiele.

Apropos Neubauten: Fehlt da dem Sauerland nicht eine Idee, wie abseits vom Fachwerk eine eigenständige architektonische Gestaltung aussehen könnte? Manches scheint gar nicht in die Landschaft zu passen, anderes wirkt eher wie in den Alpen.

Es gibt nichts Lächerlicheres, als vor einen konventionellen Bau Fachwerk zu setzen. Es ist aber durchaus möglich, mit traditionellen Bauformen, die sich im regenreichen Mittelgebirge bewährt haben, zeitgemäß umzugehen. Momentan gelingt es uns nicht, wieder einen Arbeitskreis zu installieren, der sich mit Bauformen befasst.

Welche Rolle spielt das Sauerländer Platt noch? Ist es vom Aussterben bedroht?

Es ist keine Verkehrssprache mehr, im Alltag kaum vorhanden, wird nur noch in wenigen Familien gesprochen. Das ist im Münsterland oder in Norddeutschland anders. Wir sind dabei, ein plattdeutsches Wörterbuch herauszugeben, um den Zugang zur plattdeutschen Literatur zu gewährleisten, aber ohne die Unterstützung in den Schulen bin ich skeptisch. Einmal pro Woche Plattdeutsch im Bürgerfunk des Lokalradios reicht nicht aus.

Wie gewinnt man Zuzügler dazu, sich für die neue Heimat zu engagieren?

Das ist eine Frage der Offenheit auf beiden Seiten; es liegt also an den Menschen. Aber es kommt auch auf die Bedingungen in der Umgebung an, ob man sich wohlfühlt, auf Schulen und Kitas, auf Landschaft und Natur und auf interessante Arbeitsplätze.

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