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Helen Langehanenberg: „Es macht irre Spaß, ihn zu reiten“

Helen Langehanenberg winkt nach einem Ritt ins Publikum.

Helen Langehanenberg winkt nach einem Ritt ins Publikum.

Foto: Jochen Lübke/dpa

Hagen.   Sie war ganz oben und musste ohne Damon Hill wieder weit unten anfangen. Nun klopft Helen Langehanenberg wieder an die Tür zur Dressur-Spitze.

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Helen Langehanenberg hält nicht besonders viel von detaillierten (Karriere-)Plänen. „Die sehen auf dem Papier zwar schön aus, aber wir arbeiten mit Pferden – und die halten sich des Öfteren einfach nicht an die Vorgaben“, sagt die 34-Jährige lachend. Die sympathische Dressurreiterin gewann trotzdem olympisches Silber mit der deutschen Mannschaft bei den Spielen 2012 in London; sie räumte bei den Deutschen Meisterschaften in Balve reihenweise Titel ab; wurde bei der Weltmeisterschaft 2014 mit Mannschafts-Gold und zwei Silbermedaillen im Einzel dekoriert, war Weltranglisten-Erste – und triumphierte 2013 sowie 2014 beim Weltcup-Finale.

Helen Langehanenberg und Damon Hill – dieses Duo war das Aushängeschild der deutschen Dressurszene. Das Aufstöhnen geriet umso lauter, als sich die Wege des Traumpaares im November 2014 trennten. Der Hengst kehrte in den Stall des Besitzers zurück. Und Helen Langehanenberg, die vor der Trennung auf Nachfrage noch gesagt hatte: „Ich ­liebe meine Pferde – und Dami ganz besonders. Es wäre schon hart, ihn zu verlieren“?

Sieg auf Suppenkasper in Dortmund

Sie begann quasi bei Null – und klopft nun mit ihrem 15-jährigen Hengst Damsey FRH wieder an die Tür zur nationalen Spitze. Lohn der harten Arbeit der vergangenen Jahre: Nach einem zweiten Platz in der Weltcup-Kür beim Turnier in Neumünster wurde das Duo vom Dressurausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei in den B-Kader berufen.

Beim am Donnerstag gestarteten (und bis Sonntag andauernden) Signal-Iduna-Cup in der Dortmunder Westfalenhalle sattelt Langehanenberg allerdings nicht Damsey, sondern in einer nationalen Dressurprüfung für Nachwuchspferde den neunjährigen Suppenkasper. „Das ist auch ein geniales Pferd“, erklärt die gebürtige Münsteranerin, die in Billerbeck ihren Betrieb leitet.

„Es macht unglaublich Spaß, ihn zu reiten“, sagt sie. Ihre Ziele? „Wer mich kennt, der weiß, dass ich im Vorfeld keine großen Töne spucke.“ Langehanenberg pflegt die Zurückhaltung und freut sich umso mehr, wenn sie nach einer Prüfung zur Siegerehrung darf. So wie am Donnerstag, als sie in der Drei-Sterne-S-Prüfung mit 75,74 Prozent die Spitze der Konkurrenz eroberte und sie nicht wieder hergab. „Wow“, staunte sie anschließend und postete auf ihrer Facebook-Seite: „Suppenkasper kann in Dortmund auch Inter A gewinnen!!“

Die ebenfalls neunjährige Holsteiner Stute Annabelle ist das dritte heiße Eisen, mit dem sich Helen Langehanenberg für die sportliche Zukunft sehr gut aufgestellt sieht. Das Ende der (Liebes-)Beziehung zu Damon Hill nahm sie als Herausforderung, als Chance auf einen Neustart – und nutzte diese.

Freitagabend in den Urlaub

„Jetzt ist es an der Zeit, Pläne zu schmieden“, erklärt die Mutter einer einjährigen Tochter – und muss ein wenig über sich selbst lachen. „Ich meine damit Turnierpläne für die grüne Saison.“ Bislang steht nicht fest, wo sich Langehanenberg und Damsey mit nationaler und internationaler Konkurrenz messen. In Hagen am Teutoburger Wald oder in Mannheim dürfte das Paar Ende April zu sehen sein. Die Deutschen Meisterschaften in Balve (8. bis 11. Juni) gehören zum Pflichtprogramm aller Kaderreiter.

„Wir sind immer noch dabei, uns kennen zu lernen“, sagt Helen Langehanenberg, um aufkommende Erwartungen etwas zu dämpfen. „Damon Hill kannte ich in und auswendig und er mich auch“, erklärt sie. „Dieses blinde Verständnis ist zwischen Damsey und mir noch nicht vorhanden. Wie soll es das auch sein?“

Seit einem Jahr sind die 34-Jährige und der 15-Jährige ein Team im Grand Prix. „Und ich freue mich riesig auf das, was kommen wird. Es macht irre Spaß, ihn zu reiten. Ich habe richtig Bock darauf“, sagt sie. Warum nicht auch in Dortmund? „Das wäre eigentlich toll“, antwortet Helen Langehanenberg, „aber wir fahren noch am Freitagabend in den Skiurlaub.“ Und dieser sei seit einem Jahr geplant.

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