Elektromobilität

Hella präsentiert kompakte Batterielösung für Hybrid-Autos

Im Elektronikleitwerk in Hamm bestückt Hella die Platinen für die intelligente Batteriesensorik selbst. Auf sieben Roboterstraßen werden so jährlich rund vier Milliarden Teil vom Widerstand bis zum Chip verbaut.Auf diese Weise behält der Konzern Know-how und Wertschöpfung im eigenen Haus. Foto:Ralf Rottmann

Im Elektronikleitwerk in Hamm bestückt Hella die Platinen für die intelligente Batteriesensorik selbst. Auf sieben Roboterstraßen werden so jährlich rund vier Milliarden Teil vom Widerstand bis zum Chip verbaut.Auf diese Weise behält der Konzern Know-how und Wertschöpfung im eigenen Haus. Foto:Ralf Rottmann

Hamm/Lippstadt.   Der Automobilzulieferer und Lichtspezialist Hella aus Lippstadt wird immer mehr zum Elektronikkonzern.

Mit den Trends in der Automobilbranche wandelt sich auch der Zulieferer Hella aus Lippstadt. Seit 120 Jahren bis heute steht das Unternehmen für Fahrzeugbeleuchtung in Perfektion. Mit der am Stammsitz in Lippstadt entwickelten LED und LCD-Scheinwerfertechnologie beliefert man als Technologieführer die großen Autobauer, macht gute Geschäfte und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr rund 3 der 7,1 Milliarden Euro Umsatz. Aber. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Elektronik das Licht beim Umsatz überholt. Dieser Bereich wächst massiv“, sagt Unternehmenssprecher Markus Richter.

CO2-Grenzwerte treiben Nachfrage

Treiber dieser Entwicklung sind auch die „taffen Grenzwerte zur Einhaltung der Klimaziele“, so Björn Twiehaus, Mitglied der Geschäftsleitung des Geschäftsbereichs Elektronik bei Hella.

Mit Lösungen für Energieeffizienz und Elektromobilität und nicht zuletzt Komponenten für das autonome Fahren (Radartechnologie) ist Hella auf Wachstumspfaden unterwegs. Der 40-jährige Twiehaus ist ein Hella-Eigengewächs. Vor 17 Jahren hat er als junger Ingenieur im Unternehmen begonnen, sich um Themen wie intelligente Batteriesensoren zu kümmern. Heute hat das Unternehmen eine führende Marktposition im Bereich intelligenter Batteriesensorik und Spannungswandlung (DC/DC) erreicht, Twiehaus verantwortet diesen Bereich weltweit.

Die Basis für den nächsten Schritt, der jetzt möglich ist, ist diese Wandlertechnologie. Für teilelektrische Autos, die sogenannten Mild-Hybridfahrzeuge, bietet Hella als erster Anbieter Batterielösungen, die sowohl mit 12 als auch 48 Volt funktionieren. „Die Dual Voltage Systeme sind so groß wie eine herkömmlich Batterie“, erläutert Twiehaus den entscheidenden Schritt. Die großen Hersteller (OEM) müssen für den Einsatz die Fahrzeugarchitektur nicht verändern. Durch die Lösung mit einer Batterie wird zudem Gewicht gespart. Das bedeutet weniger Spritverbrauch und somit geringeren Schadstoffausstoß. 5 bis 6 Gramm weniger CO2 pro Kilometer soll die Hella-Batterielösung bringen.

Der Boom der Mild-Hybride

Der Wert für Fahrzeugflotten liegt ab 2020 innerhalb der Europäischen Union bei 95 Gramm pro Kilometer. Um diesen Durchschnittsgrenzwert zu erreichen, versuchen VW, Audi, Daimler und Co. gerade, möglichst viele vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Ohne die Übergangstechnologie mit Hybrid-Autos wird das Ziel aber kaum erreicht werden, sind sich die Experten sicher. Dies gelte sogar für den Weltleitmarkt in Sachen Elektromobilität in China. Die Prognose: Innerhalb des kommenden Jahrzehnts wird sich der Anteil bei Neuzulassungen deutlich verschieben (siehe Box) und die 48 Volt Mild-Hybride für Kompaktfahrzeuge enorm an Marktanteil gewinnen. Das liege auch daran, dass die Generation „Y“ (die heute Anfang 20- bis Ende 30-Jährigen) ganz andere Bedürfnisse habe als der frühere deutsche Autonarr. „Die interessieren sich nicht mehr für die Frage, ob 6- oder 8-Zylinder. Die möchten ein nices Auto haben“, ist sich Twiehaus sicher. Das könnte theoretisch auch ein vollelektrisches sein, aber mangelnde Infrastruktur und hoher Preis sorgen dafür, dass die Nachfrage immer noch überschaubar ist.

Für die Dual Voltage Batterien kooperiert Hella mit Zellherstellern, zum Beispiel aus China. „Das Rezept ist, schnell zu sein. Dafür müssen wir mit Partnern arbeiten. Zudem sind wir kein Chemiekonzern. Batteriezellen werden wir nicht herstellen“, sagt Twiehaus. Aktuell wird ein Prototyp der Dual Voltage Batterie mit einem OEM getestet. Wohin dann letztlich der zukunftsträchtige Auftrag zur Serien-Produktion innerhalb des Konzerns vergeben wird, ist noch offen. Das hängt auch davon ab, wo die Hauptkunden sitzen. Das könnte überall auf der Welt sein. Auch China vielleicht. 15 Elektronikwerke in Europa, Asien und Amerika gibt es bei Hella. Gute Chancen kann sich das Elektronikleitwerk in Hamm ausrechnen, wo schon die DC/DC-Wandlertechnik entwickelt wurde.

Die Aktie im leichten Aufwind

Innerhalb der nächsten fünf Jahre verspricht sich Hella im Segment Energie-Management einen Umsatzsprung von heute 250 Millionen Euro jährlich auf etwa 750 Millionen Euro und eine Verdoppelung der Belegschaft in diesem Bereich von 450 auf rund 900. Mit den Lösungen im Energiemanagementbereich leiste Hella „einen wesentlichen Beitrag zu sauberer Mobilität“, warb der Vorstandsvorsitzende Rolf Breidenbach Ende vergangener Woche Vertrauen bei Analysten ein. Das tat dem Aktie-Kurs gut. Der hatte in den vergangenen Monaten wie die meisten Automotivewerte gelitten, wenn auch bei weitem nicht so sehr wie andere. Seit dem Treffen mit den Börsenexperten vor ein paar Tagen ist das Papier jedenfalls wieder im Aufwind.

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