Aventsserie 9

Hotelportier in Schmallenberg - Mehr als nur ein Türöffner

Jakob Kwiatkowski empfängt seit 2008 die Gäste im Hotel Deimann in Schmallenberg-Winkhausen. Sein erster, gelernter Beruf war allerdings Gärtner. Später hat er eine Umschulung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht.

Jakob Kwiatkowski empfängt seit 2008 die Gäste im Hotel Deimann in Schmallenberg-Winkhausen. Sein erster, gelernter Beruf war allerdings Gärtner. Später hat er eine Umschulung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht.

Foto: Ralf Rottmann

Schmallenberg.   Ein Hotelportier hat viele Aufgaben. Jakob Kwiatkowski ist im Hotel Deimann mehr als ein Türöffner. Wir haben ihn bei seiner Arbeit begleitet.

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Nein, die Eingangstür hält Jakob Kwiatkowski nicht auf für den Gast. Die öffnet und schließt sich automatisch. Der Wirkungsbereich des Portiers im 5-Sterne-Hotel Deimann in Schmallenberg-Winkhausen beginnt normalerweise dahinter. Er nimmt den Autoschlüssel entgegen, um das Gepäck zu holen und/oder den Wagen zu parken. Er serviert ein Willkommensgetränk. Er erklärt die Einrichtungen des Hauses. Dann bringt er den Gast zum Zimmer. Und diese Tür hält er dann tatsächlich auf.

Keine Uniform, dunkler Anzug

Ganz ohne Tür und Tor darf es schließlich nicht zugehen im Berufsleben eines Portiers. Immerhin leitet sich die Berufsbezeichnung vom lateinischen Wort Porta ab. Und das heißt Tür. Aber ein Portier ist auch kein bloßer Pförtner, der Kommende und Gehende im Blick hat, sie hinein- und hinausgeleitet und generell den Zugang regelt. Ein Portier in einem Fünf-Sterne-Hotel hat viel mehr Aufgaben. Die sind allerdings nicht überall gleich.

Jakob Kwiatkowski trägt keine Uniform. Dunkler Anzug, Krawatte, das muss reichen. Der 37-Jährige ist auch nicht dafür zuständig, den Gästen beispielsweise Opernkarten zu besorgen. Und das liegt nicht etwa daran, dass das nächste Opernhaus zu weit wäre, sondern dass das die Aufgabe des Concierge ist. Der ist der Chef an der Rezeption und auch der Chef von Kwiatkowski. Doch die Concierge-Stelle ist im Moment nicht besetzt. Also teilt man sich dessen Aufgaben. Weshalb auch der Portier momentan dafür zuständig sein könnte, einen ­Arzttermin zu vereinbaren, einen Mietwagen zu bestellen, eine Zahnbürste oder eine spezielle Zeitung zu besorgen. Es ist schon kompliziert.

Sind auch die Gäste kompliziert? Die Frage lächelt Jakob Kwiatkowski höflich weg. Man spricht nicht schlecht über Kundschaft. Aber spezielle Wünsche gibt es schon? Klar. Der Portier ist beispielsweise für die individuelle Zimmergestaltung zuständig. Das können besondere Blumen sein, ein Kinderbett, ein großer Schreibtisch, eine härtere oder weichere Matratze.

Nichts Ungewöhnlicheres? Kwiatkowski zögert: „Ein Gast wollte einmal spezielle Fliegengitter an allen Fenstern und Türen. Ein anderer einen zusätzlichen Kleiderschrank.“ Weil der vorhandene so klein war? „Die sind nicht so klein.“ War der Gast eine Frau? Das fällt unter Diskretion. Ebenso die genaue Beschreibung dessen, was er sieht, wenn das „Bitte nicht stören“-Schild vergessen wurde und er das Zimmer betritt.

Seit 1989 in Deutschland

Und warum betritt er überhaupt das Zimmer? Die Versorgung der Minibar gehört zu seinem Aufgabenbereich. Und dann: „Es kann immer was sein: Probleme mit dem Wlan, dem Safe, dem Fernseher, dem Fön, der Heizung. Da leisten wir erste Hilfe, bevor wir den Hausmeister rufen.“

Wir? Ja. Der Portier hat seit einigen Jahren einen Stellvertreter, und seit einigen Monaten gibt es auch einen Hilfsportier. Und wie ist Jakob Kwiatkowski selbst zu dem Beruf gekommen? „Es liegt in der Familie“, sagt er. „Meine Großeltern hatten an der Ostsee bei Danzig ein Gästehaus. Das habe ich als Kind miterlebt. Jetzt führt das meine Mutter, aber nur im Sommer.“

Kwiatkowski ist in Polen geboren, doch bereits 1989 nach Deutschland gekommen. Eine Zeit lang hat er in einem Hotel auf Zypern gearbeitet. Sein erster, gelernter Beruf war allerdings Gärtner. Später hat er eine Umschulung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht. Entscheidend für den Job sind seiner Meinung nach allerdings bestimmte Eigenschaften, die man mitbringen muss: „Die Gäste wollen sich unterhalten. Dafür muss man sich Zeit nehmen, Ruhe bewahren und es sich nicht anmerken lassen, wenn gerade Stress und Hektik herrschen, weil viele Gäste an- oder abreisen.“

Anstrengend kann das schon sein: „Ich gehe bis zu 17 Kilometer am Tag. Da braucht man Hochleistungsschuhe. Nach einem Jahr sind sie hin.“ Und dass die Fünf-Tage-Woche im Normalfall auch das Wochenende umfasst, ist eben so im Gastgewerbe. Jakob Kwiatkowski will dabei bleiben. Er mag die Atmos­phäre im Haus mit den 94 Zimmern und die Abwechslung: „Ich mache den Job gerne, weil jeder Tag anders ist.“

Und manche Fehler passieren nur einmal: „Ich habe Gästen zusammen mit ihrem Gepäck meinen Mantel mit in den Kofferraum geräumt. In dem waren alle meine Schlüssel. Ich musste ihnen eine ganze Weile hinterherfahren.“

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